Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Die IB-Sommerdemonstration 2025
- 3 Rechtsextreme Beteiligung aus dem deutschsprachigen Raum
- 4 Europäische Beteiligung
- 4.1 Slowenien: Generacija Identitete Slovenija
- 4.2 Italienische Beteiligung: Norditalien und Südtirol
- 4.3 Französische Beteiligung: Identitäre Gruppen aus dem ganzen Land
- 4.4 Die Niederlande & Belgien: Geuzenbond, Schild en Vrienden und NSV
- 4.5 Großbritannien: Homeland Party
- 4.6 Dänemark: Generation Identitær
- 4.7 Portugal: Reconquista
- 4.8 Tschechien: Nacionalisté
- 4.9 Rumänien: Radical Entourage
- 5 Nachbetrachtung
Einleitung
Am 26. Juni 2025 fand in Wien erneut die sogenannte Sommerdemonstration der «Identitären Bewegung» statt, die in den letzten Jahren zu einer der zentralen rechtsextremen Straßenmobilisierungen in Europa geworden ist. Die Veranstaltung fungiert hierbei nicht nur als öffentlichkeitswirksames Aktionsformat, sondern auch als Knotenpunkt für die inner- und zwischenstaatliche Vernetzung der rechtsextremen Szenen. Diese Recherche dokumentiert systematisch die beteiligten Organisationen, Netzwerke und Akteur*innen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz sowie weiteren europäischen Staaten.
Dieser Artikel hat es sich vor diesem Hintergrund zum Vorhaben gemacht, auf einen Mangel an aktuellen systematischen Darstellungen der «Identitären Bewegung» und ihres Netzwerks zu reagieren. Sie bündelt fragmentiertes Wissen aus recherchebezogenen Kontexten und führt es in einer Gesamtschau zusammen. Ziel ist es, belastbares Wissen für Recherchestrukturen zu schaffen und eine nachvollziehbare Übersicht über Akteur*innen, Vernetzungen und Entwicklungslinien innerhalb des identitären Milieus bereitzustellen. Zugleich dokumentiert der Beitrag zentrale, sich seit längerer Zeit abzeichnende, in jüngster Zeit sich jedoch deutlich intensivierende Transformationsprozesse innerhalb des rechtsextremen Spektrums: die zunehmende Verschränkung von Straßenaktivismus, rechtsextremer Medienlandschaft und parteipolitischen Strukturen sowie das fortschreitende Zusammenwachsen neonazistischer Milieus mit Akteur*innen der sogenannten „Neuen Rechten“.
Die «Identitäre Bewegung» fungiert in diesem Zusammenhang als Schnittstelle, an der sich unterschiedliche Strömungen des zeitgenössischen Rechtsextremismus überlagern und sichtbar werden. Diese Recherche ist dabei wie folgt strukturiert: Zunächst wird der Ablauf der Sommerdemonstration 2025 rekonstruiert, einschließlich des Vorabendtreffens identitärer Kader in ihrem Wiener Kellerlokal. Daran anschließend werden die zentralen Netzwerke in Österreich, Deutschland und der Schweiz dargestellt, bevor in einem weiteren Schritt die erweiterte europäische Beteiligung und ihre Vernetzungsstrukturen in den Blick genommen werden. Obwohl die IB-Sommerdemonstration 2025 den zentralen Ausgangspunkt dieser Recherche bildet, werden in den einzelnen Kapiteln auch ausgewählte Beteiligungen aus den Vorjahren berücksichtigt.
Die IB-Sommerdemonstration 2025
Die Sommerdemonstration der «Identitären Bewegung» (IB) hat sich in den vergangenen Jahren zur zentralen öffentlichkeitswirksamen Straßenmobilisierung des europaweit agierenden identitären Spektrums entwickelt. Auch am 26. Juli 2025 reisten erwartungsgemäß identitäre Kader aus ganz Europa an, um gemeinsam mit der «Identitären Bewegung Österreich» (IBÖ) durch die Wiener Innenstadt zu ziehen. Während die Mobilisierung bereits in den Vorjahren durch das gesamteuropäische identitäre Netzwerk getragen wurde, zeigte sich 2025 die bislang stärkste grenzüberschreitende Koordination. Eine gemeinsame digitale Kampagne, ergänzt durch ein englischsprachiges Bewerbungsvideo, in dem führende Vertreter*innen identitärer Gruppen aus verschiedenen europäischen Ländern auftraten, vermittelte den Eindruck einer gesamteuropäischen Mobilisierung – weit stärker als den eines primär österreichischen Ereignisses mit aus dem Ausland angereisten Unterstützer*innen.

Diese Diagnose bestätigt sich auch mit Blick auf die personelle Beteiligung: Neben wenigen bekannten österreichischen IB-Aktivist*innen waren erneut zahlreiche Akteur*innen aus dem Ausland angereist. Besonders stark vertreten waren – wie bereits in den Vorjahren – deutsche und schweizerische IB-Aktivist*innen, wobei Letztere zunehmend sichtbar in Erscheinung treten. Darüber hinaus beteiligten sich identitäre Kader aus Frankreich, den Niederlanden, Italien, Belgien, Großbritannien und Slowenien. Die breite europäische Beteiligung verdeutlicht, welchen Stellenwert das Ereignis für das identitäre Milieu besitzt: Da die Szene kaum in der Lage ist, größere Straßenmobilisierungen eigenständig zu organisieren, stellt die Wiener Sommerdemonstration eine seltene Gelegenheit der Selbstvergewisserung und medialen Inszenierung dar.

Kampfsport und Vernetzung am Vorabend
Am Vortag der Demonstration trafen sich die Kader der identitären Gruppen traditionell zu einem Vernetzungstreffen im Keller der Wiener IB-Sektion in der Ramperstorffergasse 31 in Wien-Margareten. Gerahmt wurde das Event durch ein Kampfsportturnier, dass in einem aus Baugittern errichteten Käfig abgehalten wurde. Unter anderem Wieland Kubitschek, Schnellroda-Zögling und neben Yannik Wagemann seit kurzer Zeit stellvertretender Kopf der IB Wien, nahm an dem Turnier als Kämpfer teil. Wielands Vater, Götz Kubitschek, war eigens angereist, mutmaßlich um dem Kampf des Sohnes beizuwohnen. An der Demonstration am Folgetag nahm Kubitschek Senior offenbar nicht teil.

Die Teilnahme am Turnier wie auch das Turnier selbst fügt sich in den neurechts-maskulinistischen Habitus des identitären Milieus ein. Während Kubitschek nach außen politische Stärke und Härte zu inszenieren versucht, ist für Beobachter*innen ersichtlich, dass er kaum über das Profil einer nachhaltigen Führungsfigur verfügt. Ähnliches gilt für Yannik Wagemann, der den identitären Szene-Habitus routinierter einsetzt, darüber hinaus jedoch weder über Strahlkraft noch über nennenswerte rhetorische bzw. theoretisch-ideologische Kompetenzen verfügt. Beide neuen Leiter der IB Wien stammen aus Deutschland, ein Umstand, der die seit einigen Jahren bestehenden Nachwuchsprobleme der österreichischen Identitären unterstreicht. Alle aus Österreich stammenden Akteur*innen, die zeitweise als Führungsnachwuchs galten, sind zu randständigen Personen innerhalb der identitären Peer-Group geworden.

Damit stellt sich umso deutlicher die Frage, wie der derzeit vollzogene Generationswechsel von Martin Sellner hin zu den neuen Kadern gelingen kann. Denn Sellners Stellung innerhalb der IB-Strukturen ist längst nicht mehr unangefochten. Seit einigen Jahren nutzt Sellner seinen Bekanntheitsgrad primär zur Einnahmengenerierung als Bewegungsunternehmer. Mit fortschreitendem Alter rücken finanzielle Interessen stärker in den Vordergrund, während er seine Führungsrolle innerhalb der politischen Strukturen zunehmend zurückstellt. Zusätzlich hat Sellners umstrittene Förderung von Erik Ahrens sein ohnehin belastetes Ansehen in der Szene – so etwa auch in Schnellroda – weiter beschädigt. Am Vorabend trat Sellner eher randständig in Erscheinung, mit Bier in der Hand und sichtbar alkoholisiert. Am Tag der Demonstration hingegen kam es dann zu offen ausgetragenen Konflikten um Führungsansprüche. Zwar versuchte Sellner, die IB-Führung im gewohnt autoritären Stil zu dirigieren, doch gelang ihm das nicht mehr so reibungslos wie in den vergangenen Jahren.

Das sukzessive über den frühen Abend eintreffende Vorabend-Publikum setzte sich überwiegend aus den überschaubaren Aktivistenkreisen der jeweiligen europäischen IB-Ableger zusammen. Nach und nach trafen Aktivist*innen aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Italien ein. Gemeinsam trank man zuerst auf Bierbänken in der von der LPD Wien großräumig gesperrten Ramperstorffergasse, danach marschierte man gemeinsam in den Keller, wo das alljährliche Boxturnier augerichtet wurde. Erwähnenswert ist hierbei, dass der seit langen Jahren in der IB Wien aktive «aB! Olympia»-Burschenschafter Gernot Schmidt als Ringrichter auftrat, der zugleich als parlamentarischer Mitarbeiter für den Nationalratsabgeordneten Michael Oberlechner (FPÖ) tätig ist. Als Moderator trat einmal mehr der FPÖ-Wolkersdorf-Politiker und ebenso langjährige IB-Aktivist Elias Schuch auf. Als Kämpfer standen u. a. Wieland Kubitschek, Maximilian Märkl, Dennis Braun und Tobias Lingg im Ring.

Der Marsch durch die Wiener Innenstadt
Die Demonstration selbst wurde in diesem Jahr nicht wie bisher am Albertinaplatz, sondern symbolträchtig am Luegerplatz eingeleitet. Wie auch in den letzten Jahren errichtete die LPD Wien eine Sperrzone rund um den Startpunkt der Demonstration, auch die Route durch die Wiener Innenstadt wurde umfassend mit Hamburger Gittern abgesichert. Der Marsch führte vom Luegerplatz über die Wollzeile und den Stephansplatz zum Gestade, wo es zu einer sichtlich unkoordinierten Endkundgebung kam. Insgesamt nahmen etwa 400 bis 500 Personen an der Demonstration teil. Neben identitären Kadern erschienen zahlreiche Vertreter*innen rechtsextremer Medienprojekte aus dem In- und Ausland, einzelne Akteur*innen aus dem Umfeld von AfD und FPÖ, Personen aus dem Corona-Protest-Milieu und unorganisierte Einzelpersonen, die zum Sympathisantenkreis der «Identitären Bewegung» gezählt werden können.

Im Vergleich zu den Vorjahren traten bei der Sommerdemonstration 2025 neonazistische Gruppierungen deutlich organisierter auf: Angehörige der «Tanzbrigade Wien», «Division Wien» und «Brigada Beč» stießen unter lautstarken, martialischen Sprechchören als einheitlicher Block gemeinsam zur Standkundgebung. Zudem waren Vertreter*innen der neonazistischen «Jungen Nationalisten» (JN), der Jugendorganisation der Partei «Die Heimat» (ehemals NPD), aus Deutschland angereist, um der Demonstration sowie auch der Vorabendveranstaltung im kleinen Kreis beizuwohnen. Während die Grenzen zwischen sogenannter Neuer Rechter und organisiertem Neonazismus ohnehin stets porös waren – geprägt von personellen Kontinuitäten, fortlaufender Vernetzung und zahlreichen ideologischen Schnittmengen – zeigte sich in diesem Jahr besonders deutlich, dass faktisch keine Berührungsängste mehr zwischen den Nachwuchskadern der jeweiligen Lager bestehen.

In der Gesamtheit kam der Demonstrationszug nur mühsam voran. Zahlreiche Straßenblockaden und ein zahlenmäßig deutlich größerer Gegenprotest legten den Marsch immer wieder lahm. Vor allem in den durch die Blockaden hervorgerufenen Wartephasen traten interne Spannungen offen zutage. Am Lautsprecherwagen stritt man sich immer wieder darüber, wer die Ansagen machen dürfe, und vor, allem wer das letzte Wort an das Publikum richten darf. Nervosität und organisatorische Überforderung der Demo-Führung waren unübersehbar. Viele Teilnehmende wirkten zunehmend frustriert und es zeigte sich deutlich, dass kaum jemand ernsthaft an den großen Erfolg glaubte, der in den Folgetagen in sozialen Medien mantraartig beschworen wurde. Die seit ihrer Entstehung bestehende Kluft zwischen Inszenierung und Realität der Identitären Bewegung trat an diesem Tag in besonderer Deutlichkeit zutage.

Rechtsextreme Übergriffe, Terrorverdacht und verhetzende Sprechchöre
Mit Abschluss der Demonstration hatte die LPD Wien nur noch in begrenztem Umfang Einsatzkräfte vor Ort zusammengezogen. In der Folge bewegten sich nach der Abschlusskundgebung zahlreiche gewaltbereite Rechtsextreme zwischen Gestade und Passauer Platz, ohne dass eine erkennbare polizeiliche Begleitung oder Kontrolle stattfand. Auch einschlägig bekannte Wiener Neonazi-Gruppen wurden nur nachlässig überwacht und konnten ungehindert in Richtung Schwedenplatz abziehen. In der U-Bahn attackierten schließlich Mitglieder der «Division Wien» aus rassistischer Motivation zwei unbeteiligte Personen, schlugen sie zu Boden und traten auf sie ein. Der Vorfall verdeutlicht, dass derartige Veranstaltungen ein erhöhtes Risiko für rechtsextrem motivierte Gewalt nach sich ziehen und die propagandistische Abgrenzung der «Identitären Bewegung» von politischer Gewalt sowie neonazistischen Strukturen wenig mit der Realität zu tun hat. In dieses Bild passt auch, dass der niederländischen Aktivist Thomas Deveson (siehe dazu das Kapitel zur niederländischen Beteiligung) wenige Wochen nach der Sommerdemonstration wegen Terrorverdachts von den niederländischen Behörden festgenommen wurde.

Umso erstaunlicher ist es, dass der regelmäßig artikulierten Warnung österreichischer Sicherheitsbehörden vor der Gefahr des Rechtsextremismus eine Praxis der Wiener Polizeibehörden gegenübersteht, in der bei einer einmal im Jahr stattfindenden Demonstration bekannte Gewalttäter nicht konsequent daran gehindert werden, unbeteiligten Personen körperlichen Schaden zuzufügen. Vergleichbares gilt für das Zurücktreten sicherheitspolizeilicher Aufgaben bei der Verfolgung verbotener Symbole wie des sogenannten „Lambda“: Während dieses auf der Demonstration in abgewandelter, aber deutlich erkennbarer Form präsentiert wurde, zeigen öffentlich einsehbare Videodokumente, dass das ursprüngliche und verbotene Symbol im sogenannten IB-Keller offen und demonstrativ einer qualifizierten Öffentlichkeit zur Schau gestellt wird. Hinzu kommt der gezielte und wiederholte Einsatz verhetzender Sprechchöre im Zuge der Demonstration. Die bislang ausstehende Aktualisierung der entsprechenden Symbolverbotsliste durch das Innenministerium verstärkt diesen Befund zusätzlich.
Rechtsextreme Beteiligung aus dem deutschsprachigen Raum
In den folgenden Kapiteln wird die Beteiligung zentraler Akteur*innen und Organisationen an der identitären Sommerdemonstration 2025 in Wien rekonstruiert. Die Darstellung folgt einer länderspezifischen Struktur: zunächst Österreich, anschließend Deutschland und die Schweiz, abschließend weitere europäische Staaten. Ziel ist eine Bestandsaufnahme der personellen Zusammensetzung der Straßenmobilisierungen im identitären Spektrum, sowie eine kontextuelle Einordnung des Milieus. Der Fokus liegt auf der Sommerdemonstration 2025, wird jedoch vereinzelt durch Bezüge auf frühere Jahre ergänzt, um sowohl Abwesenheiten sichtbar zu machen als auch die personelle und organisatorische Breite der Szene möglichst vollständig abzubilden.
Österreich: Identitäre Kader, Neonazis, Medienprojekte und Parteisoldaten
Die österreichische Beteiligung an der IB-Sommerdemonstration 2025 deckte das gesamte rechtsextreme Spektrum in Österreich ab. Neben identitären Kadern aus Österreich nahmen neonazistische Gruppierungen, rechtsextreme Medienprojekte sowie Vertreter*innen der «Freiheitlichen Partei Österreichs» (FPÖ) und ihrer Jugendorganisation, der «Freiheitlichen Jugend» (FJ), teil. Neben dem organisierten Rechtsextremismus waren zudem zahlreiche Einzelpersonen anwesend, die in dieser Recherche nur anlassbezogen genannt werden und als Unterstützer- bzw. Sympathisantenkreis der «Identitären Bewegung» angesehen werden können. In ihrer Gesamtheit verdeutlicht diese Konstellation das zunehmende Zusammenwachsen des rechtsextremen Lagers über ideologische Grenzen hinweg sowie den seit der Übernahme der FPÖ-Parteiführung durch Herbert Kickl fortschreitenden Schulterschluss zwischen parlamentarischer und außerparlamentarischer extremer Rechter in Österreich. Die Phase der nach außen hin vollzogenen Distanzierungen sowie der ausgeprägten ideologischen Konflikte erscheint damit endgültig der Vergangenheit anzugehören.
Die Identitäre Bewegung Österreich: Eine Bestandsaufnahme
Wie auch in den vergangenen Jahren bildet weiterhin die Wiener Sektion den aktiven Kern der «Identitären Bewegung Österreich». Sie ist neben einer kleinen Kärntner Gruppe die einzige Struktur, die innerhalb des ehemals in fast allen Bundesländern aktiven identitären Netzwerks erhalten geblieben ist. Lediglich in Steyregg bei Linz wurde die oberösterreichische IB-Sektion in ein langfristig angelegtes Projekt überführt: das «Castell Aurora» unter der Leitung von Steve Henschke, der 2024 noch an der Sommerdemonstration teilnahm, 2025 jedoch offenbar verhindert war. Wie Stoppt die Rechten erst kürzlich berichteten, soll Henschke mittlerweile für den bayrischen AfD-Landtagsabgeordneten Rene Dierkes arbeiten. Auch der langjähriger oberösterreichische IB-Kader Edwin Hintsteiner ist mittlerweile Teil des Projekts. Das zweite Hausprojekt, das von den steirischen IB-Kadern Harald Wiedner, Erik Freischütz und Benni Wünsch mit dem Namen «Kulturfestung» in Eichkögl südöstlich von Graz betrieben wurde, ist inzwischen geschlossen. Die führenden steirischen Akteur*innen treten nur noch fallweise in Erscheinung, nahmen allerdings 2024 noch an der identitären Sommerdemonstration teil.
Zu erwähnen wären im Zusammenhang mit identitären Projekten noch der im Tiroler Schwaz ansässige Verein «Haymon», der vom ehemaligen RFS-Aktivisten und Schwazer FPÖ-Gemeinderat Benjamin Kranzl als Obmann geleitet wird. Im Jahr 2021 wurde Kranzl noch gemeinsam mit «Haymon»-Kassier Stefan Rainer, ehemals im Vorstand der «Naturfreunde Jenbach» aktiv, sowie Christian Unterberger, der mit Kranzl gemeinsam zum damaligen Zeitpunkt für die «Liste Kranzl» im Schwazer Gemeinderat saß, bei der IB-Sommerdemonstration gesichtet. Analog zum «Castell Aurora» und der «Kulturfestung» fungierte «Haymon» als transnationaler Veranstaltungsort und Netzwerkknoten der extremen Rechten aus dem In- und Ausland. Vor allem mit Steve Henschke und dem «Castell Aurora» dürfte Kranzl eng verbunden sein – den Gründungskongress absolvierte man in Kooperation mit Henschkes Aurora.
Aufgefallen war der Verein dabei insbesondere durch seinen in den Jahren 2022 und 2023 abgehaltene «Berg Kongresse», an denen neben identitären Kadern wie Steve Henschke, Sebastian Zeilinger (IB Bayern), auch FP-Funktionär*innen wie Dominic Maier (FPÖ Salzburg), Gudrun Kofler, Fabian Walch und Daniel Marschik (alle drei FPÖ Tirol) sowie der AfD-Mitarbeiter und langjährige IB-Kader Mario Müller teilnahmen. Auch die zentrale Person hinter «Lukreta» Reinhild Boßdorf sowie Erik Ahrens, Nina Hörig und Aktivist*innen des faschistischen Metapol-Verlages beteiligten sich an den Kongressen. Auch wenn es um den Verein seit 2024 still geworden ist, deutet ein im Mai 2025 abgehaltener dritter Kongress darauf hin, dass vereinzelt noch Aktivitäten stattfinden. Erwähnt sei ferner noch, dass Kranzl gute Verbindungen zum Lantagskandidaten der «Südtiroler Freiheit» (Bezirk Pustertal) Matthias Hofer sowie zum Brixner «Südtiroler Freiheit»-Gemeinderat Stefan Unterberger unterhält.
Aus der ehemaligen «Identitären Bewegung Steiermark», die über eine vergleichsweise große Zahl an Aktivist*innen verfügte und in der Gründungsphase der IB innerhalb der Gesamtstruktur noch eine gewichtige Rolle einnahm, haben sich mittlerweile nahezu alle Akteur*innen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, sind partiell allerdings in anderen rechtsextremen Kontexten – insbesondere in parteinahen Organisationen oder Burschenschaften – aktiv. Als Beispiel hierfür kann Stefan Juritz angeführt werden, der aus dem militanten Milieu des «Bund freier Jugend» (BfJ) stammend wegen politisch motivierten Körperverletzungsdelikten sowie nach dem Verbotsgesetz 2013 mit anderen «alpen-donau.info»-Kadern vor Gericht stand, jedoch Mitte der 2010er-Jahre in die steirischen IB-Strukturen überging. Dort leitete er für die Identitären sowohl das rechtsextreme Medienportal «Tagesstimme» als auch das Theorieprojekt «AK Nautilus» und dessen Nachfolgeformat «Anbruch». Nach seinem Rückzug aus dem aktivistischen Kontext wurde Juritz schließlich Chefredakteur des «Freilich Magazin», das unter der Leitung des ehemaligen FP-Funktionärs Heinrich Sickl als Nachfolgeportal der «Aula» angesehen werden kann und sich kurz vor Beginn des Aula-Prozesses selbst auflöste. Sickl gilt als einer der zentralen Unterstützer der IBÖ seit ihrer Gründung. So stellte er der damaligen «IB Steiermark» in Graz Räumlichkeiten zur Verfügung, die von der Gruppe als organisatorisches Zentrum genutzt wurden. Sowohl Sickl als auch Juritz sind zudem in der «aB! Arminia Graz» korporiert.

Eine solche Biografie steht paradigmatisch für viele Akteur*innen, die im neonazistischen Milieu sozialisiert wurden, sich später den bürgerlichen Anstrich der Identitären verliehen haben und schließlich in parteinahen Strukturen der FPÖ angekommen sind. Der offene Straßenaktivismus wird mit zunehmender Dauer als zu risikobehaftet wahrgenommen, insbesondere angesichts strafrechtlicher Verfolgung und staatlicher Repression. An seine Stelle tritt der Wechsel in publizistische und metapolitische Funktionen, in denen nicht nur eine Rolle als ideologischer Brandstifter eingenommen wird, sondern zugleich die gezielte Anbindung an die FPÖ erfolgt – als Quelle finanzieller Ressourcen ebenso wie als politischer Schutzschirm. Diese Verschiebung vollzieht sich innerhalb einer wachsenden rechtsextremen Medienlandschaft, die zugleich neue Karrierepfade eröffnet. Während ältere Kader in diese Strukturen abwandern, tritt im aktivistischen Feld eine neue Generation an ihre Stelle – ein Zyklus, der sich innerhalb der Bewegung fortlaufend reproduziert und ohne die Unterstützung der FPÖ kaum zu denken wäre.
Als Leitungspersonen der «Identitären Bewegung Wien» gelten – wie bereits erwähnt – der aus Berlin stammende Yannik Wagemann sowie Wieland Kubitschek, beide in Wien wohnhaft und mutmaßlich Studierende an der Wirtschaftsuniversität Wien. Zum 23-jährigen Wagemann ist bislang lediglich bekannt, dass er aus Berlin-Kreuzberg aus gehobenen bürgerlichen Kreisen stammt, spätestens ab 2020 im Umfeld von Corona-Protesten in Erscheinung trat und mutmaßlich seit 2023/24 in Wien aktiv ist. Wieland Kubitschek ist Sohn von Götz Kubitschek und Ellen Kositza; bereits die bewusst altdeutsche Namenswahl, wie sie für mehrere Kinder der Familie charakteristisch ist, verweist auf eine früh einsetzende völkische Sozialisierung. Vor diesem Hintergrund ist Kubitscheks heutiger Aktivismus innerhalb der «Identitären Bewegung» weniger als individueller Radikalisierungsprozess denn als erwartbarer biografischer Verlauf zu beurteilen, der von den Eltern nicht nur toleriert, sondern ausdrücklich begrüßt und begleitet wird. Ungeachtet dessen gilt Martin Sellner weiterhin als ideologischer und strategischer Bezugspunkt des identitären Spektrums in Österreich. Trotz seines formellen Rücktritts als Leiter der IBÖ prägt er den medialen Auftritt und die inhaltliche Ausrichtung der sich als Bewegung inszenierenden Klein-Gruppe nach wie vor maßgeblich. Auch Martin Sellners Bruder Thomas Sellner, ehemals Leiter der IB-Niederösterreich und zur Führungsriege der IBÖ zählend, konnte 2024 noch auf der Demonstration gesehen werden. Mittlerweile scheint er allerdings nicht mehr eine tragende Rolle innerhalb des identitären Netzwerks einzunehmen.
Um das Führungstrio herum gruppiert sich ein kleiner Kreis langjährig aktiver Kader aus früheren Generationen der «Identitären Bewegung», die weiterhin an Aktionen teilnehmen und als “alte Kader” angesehen werden können. Dazu zählen unter anderem der aus Wiener Neustadt stammende und der ehemaligen niederösterreichischen IB-Struktur zuzurechnende Peter Sturm sowie dessen Weggefährte Johnny Mühlmann, der in den letzten Jahren als Ordner bei den identitären Sommerdemonstrationen in Erscheinung trat. Mühlmann wurde jüngst von dem Recherche-Netzwerk «EXIF» auf der Buchmesse «SeitenWechsel» gemeinsam mit Yannik Wagemann und Dominik Bursik bei einem Gespräch mit dem Kopf des neonazistischen Kampfsportformats «Kampf der Nibelungen» (KdN) Alexander Deptolla gesichtet. Bursik ist ein seit mehreren Jahren aktiver Wiener IB-Aktivist, organisatorisch der zweiten Reihe zuzuordnen und nahm in der Vergangenheit eine Art informelle Schutz- bzw. Begleitfunktion für Jakob Gunacker ein. Als ebenso langjähriger IB-Aktivist kann auch Friedrich Langberg gelten. Langberg ist ein politischer Weggefährte Sellners, tritt zumeist in den Sozialen Medien, aber auch auf Kundgebungen und Demonstrationen der IBÖ als Redner auf. Still geworden ist es hingehen um den «aC! Hansea»-Burschenschafter Alexander Schleyer, der viele Jahre in der IBÖ aktiv gewesen ist. Zuletzt konnte Schleyer 2021 mit seiner Lebensgefährtin auf der IB-Sommerdemonstration gesehen werden.
Jakob Gunacker selbst galt zeitweise als möglicher Nachfolger Martin Sellners, ist inzwischen jedoch nicht mehr dem innersten Führungskreis der Identitären zuzurechnen. Ob er aus diesem Kreis ausgeschlossen wurde oder sich nach ausbleibendem Erfolg selbst zurückgezogen hat, bleibt unklar. Bei der Sommerdemonstration 2025 wurde er schließlich in symbolischer Weise darauf abgestellt, den Demonstrationswagen zu lenken – ein Hinweis auf seinen veränderten Status innerhalb der Bewegung. Seither tritt er nur noch bei größeren Veranstaltungen in Erscheinung. Der inzwischen mit der IB-Aktivistin Linda Gunacker verheiratete Jakob Gunacker hat sich darüber hinaus in das katholisch-fundamentalistische Milieu begeben und ist nach einer Erwachsenentaufe der «Piusbruderschaft» beigetreten. Zwar dürfte Gunacker weiterhin in begrenztem Umfang in der IB Wien präsent sein und bei Großevents unterstützende Tätigkeiten übernehmen, doch scheint er seine früheren Leitungsphantasien weitgehend aufgegeben zu haben.
Auch Philipp Huemer ist zu den alten Kadern der «Identitären Bewegung Österreich» zu zählen. Der aus dem Salzkammergut stammende Huemer ist seit den Anfangsjahren in der IB aktiv und trat zunächst vor allem im Zusammenhang mit gewalttätigen Aktionen, als enger Vertrauter Martin Sellners, sowie als Bildungsleiter der IBÖ Wien in Erscheinung. Gemeinsam mit seinem Mitbewohner und IB-Aktivisten Fabian Rusnjak, der lange Zeit als Anti-Antifa-Fotograf aktiv war und wie auch Huemer durch einen besonderen Hang zu Gewalt auffiel, gründete Huemer seinerzeit das Werbeprojekt «Thymos OG», das jedoch kurz nach Gründung wirtschaftlich scheiterte. Rusnjak ist mittlerweile parlamentarischer Mitarbeiter von FPÖ-NAbg. Sebastian Schwaighofer, seines Zeichens “Linksextremismus-Beauftragter” der Partei – auch an dieser Stelle zeigt sich die zentrale Rolle der Freiheitlichen als verlässlicher Arbeitgeber für in die Jahre gekommene rechtsextreme Aktivist*innen, die den Übergang ins Erwerbsleben suchen, ohne dabei den „Nationalen Widerstand“ allzu deutlich hinter sich lassen zu wollen.
Philipp Huemer selbst ist seit einigen Jahren im rechtsextremen Medienbetrieb angekommen. Mittlerweile nimmt er die Rolle des “Innenpolitik-Korrespondenten” für den von Stefan Magnet geführten rechtsextremen Verschwörungssender «AUF1» ein. Zuvor leitete er das identitäre Medienprojekt «Heimatkurier» als Chefredakteur, auch in dieser Funktion gemeinsam mit Fabian Rusnjak, der formell als Kassier des Vereins fungierte. Wie Stoppt die Rechten berichtete, ging der Verein 2024 insolvent, kurz zuvor wurde die Leitung an Daniel Fiß übergeben, den ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden der «Identitären Bewegung Deutschland», der bei den Neonazis der «Jungen Nationalisten» (JN) sozialisiert wurde und über mehrere Jahre hinweg in unterschiedlichen Funktionen für AfD-Politiker tätig war, unter anderem 2018 im Umfeld von Dennis Augustin, 2019 für den Bundestagsabgeordneten Siegbert Droese sowie ab 2020 im Landtagsbüro des ehemaligen Landesvorsitzenden Holger Arppe.

Am Vorabend der Demonstration trat Huemer noch „zivil“ als IB-Aktivist vor dem Kellerlokal der Identitären in Erscheinung, bei der Demonstration selbst dann in der Funktion als AUF1-Reporter. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang auch, dass Huemer bei «AUF1» offenbar eine zentrale Scharnierfunktion für identitäre Aktivist*innen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum einnimmt, die in jüngster Vergangenheit vermehrt Tätigkeiten für den Sender übernommen haben. So berichtete die Rechercheplattform zur Identitären Bewegung, dass neben Huemer auch die führenden deutschen IB-Kader Maximilian Märkl und Michael Seibold zuletzt für die rechtsextreme Propagandaplattform tätig waren. Ebenso waren der Schweizer IB-Aktivist Stefan Thöny/Truniger als Korrespondent, der Wiener IB-Aktivist Nikolaus Schmidt als Kameramann sowie die IB-Kader und nunmehrigen Aktivisten des «Filmkunstkollektivs» Simon Kaupert und Timm Kaufmann und der Wiener IB-Aktivist Matthias Ohm in AUF1-Produktionen eingebunden. Einige von ihnen waren in der Vergangenheit bzw. sind auch heute noch für die FPÖ und/oder die AfD tätig.
Zwar nicht unmittelbar der ersten Generation der IBÖ angehörig, jedoch in der zweiten Hälfte der 2010er-Jahre zur Bewegung dazugestoßen, ist der «aB!-Olympia»-Bursche Gernot Schmidt. Schmidt ist mittlerweile parlamentarischer Mitarbeiter des FPÖ-Nationalratsabgeordneten Michael Oberlechner. Er kann als militanter völkischer Rassist beschrieben werden, dessen Weltbild als gefestigt neonazistisch zu betrachten ist. In Erscheinung trat Schmidt erstmalig bei der neonazistischen Gedenkfeier an den Wehrmacht-Flieger Walter Nowotny 2017 am Wiener Zentralfriedhof, gemeinsam mit deutschnationalen Burschenschaftern aus dem Umfeld Gottfried Küssels. Zugleich ist das frühe Naheverhältnis zwischen Gernot Schmidt und dem Neonazi Markus Ripfl hervorzuheben, die beide sowohl im «Ring Freiheitlicher Studenten» (RFS) als auch in der «aB! Olympia» organisiert waren bzw. sind. Ripfl bekleidete bis 2017 das Amt des RFS-Obmanns an der Universität Wien, Schmidt war damals als stellvertrender Obmann des RFS aktiv. Nach Ripfls Auschluss wegen selbst der FPÖ zu offensichtlichen neonazistischen Aktivitäten übernahm Schmidt dessen Posten, Christoph Mengersen die stellvertrende Obmannschaft. Bald darauf dürfte Schmidt zur IBÖ gestoßen sein: Er gilt dort als treibende Kraft im Bereich aktivistischer Praxis und beteiligt sich selbst an zahlreichen Aktionen. Relevant ist ferner, dass auch der NAbg. Michael Oberlechner, der Schmidt nun zum Mitarbeiter bestellt hat, in der Vergangenheit bereits einschlägig aufgefallen ist: 2005 soll er im Rahmen einer Parteifahrt zum Bundesparteitag der FPÖ das verbotene Horst Wessel Lied lautstark angestimmt haben.
Neben Gernot Schmidt ist auch dessen Bruder Gerfried Schmidt dem einschlägigen deutschnationalen Milieu zuzurechnen, der seit einigen Jahren in der IBÖ aktiv und ebenso in der «aB! Olympia» korporiert ist. Zuletzt wurde er bei der Gründungskundgebung des identitär-freiheitlichen Kooperationsprojekts «Aktion 451» mit der Flagge der «Urburschenschaft» gesichtet. Ferner dürfte Gerfried Schmidt Mitglied des «Österreichischen Turnerbundes» (ÖTB) sein: Wie die Rechercheplattform zur Identitären Bewegung auch in diesem Zusammenhang dokumentierte, nahm Gerfried Schmidt 2021 am Bundesknabenlager des ÖTB in einem Shirt, das seinen Vornamen in Frakturschrift sowie ein abgerundetes Hakenkreuz abbildete, teil. Schmidt ist hierbei nicht der einzige Identitäre beim ÖTB: Mit Gerwin Kowarik – korporiert in der «pB! Vandalia Wien» – und Hartwig Kowarik finden sich zwei weitere deutschnationale Burschenschafter im ÖTB, die bei der «Aktion 451» engagiert sind und sich im engen Umfeld der IB bewegen. Gerwin Kowarik, der als “Vorturner” beim ÖTB und auch im RFS aktiv ist, nahm 2024 noch an der Sommerdemonstration in Wien teil. Vater der beiden ist der Pharmazeutiker Dietmar Kowarik, der FPÖ-Bezirksrat in Rudolfsheim-Fünfhaus und Vorstand des ÖTB Sechshaus ist.
Ähnlich wie die Brüder Schmidt ist auch der ehemals beim RFS aktive und in der «aB!-Teutonia» korporierte Andreas Hinteregger Ende der 2010er-Jahre zur IBÖ gestoßen. Auch Hinteregger ist stark in die burschenschaftliche Praxis eingebunden: Er nimmt regelmäßig am Aufmarsch deutschnationaler Burschenschafter an der Rampe der Universität Wien teil, ist bei diversen „Bummeln“ der Teutonia präsent und reiste mit einer Teutonia-Delegation zum «Deutschen Burschentag». Aktuell tritt Hinteregger formal als einer der führenden Akteur*innen der «Aktion 451» in Erscheinung und beteiligte sich öffentlich bei dessen ersten Aktionen. Auch Hinteregger pflegt engste Verbindungen zur FPÖ: Bevor Hinteregger nach Wien verzog, war er im Vorstand der FJ Oberösterreich und auch auf Bundesebene aktiv. Mittlerweile ist Hinteregger parlamentarischer Mitarbeiter des FPÖ-NAbg. Maximilian Weinzierl.
Ebenso in der FPÖ beruflich untergekommen ist der Kampfsportler und Identitäre Laurenz Grossmann. Zuletzt nahm Grossmann 2023 an der Sommerdemonstration der IB in Wien teil. Im Jänner 2025 konnte er mit weiteren Wiener IB-Köpfen in Paris beim «St. Geneviève-Aufmarsch» gesehen werden. Grossmann ist seit mehreren Jahren in der IBÖ aktiv, gilt als weiterhin aktiver Kader, der mehrfach durch Beteiligung an diversen Transparentaktionen und beim Abschirmen von Journalist*innen auffällig geworden ist. Grossmann besuchte das Militärrealgymnasium in Wr. Neustadt und strebte eine Karriere im Bundesheer an. Nach Veröffentlichung seiner Verbindungen ins identitäre Milieu und einer rasstischen Flyeraktion in der U6 wurde Grossmann aus dem Bundesheer allerdings gekündigt. Danach dürfte er sich beruflich umorientiert haben: Er begann Kampfsport im «Garage Combat Gym» in Wien, 1030 zu trainieren und absolvierte unter Anleitung von Trainer Ahmet Simsek auch mehrere Kämpfe. Parallel betätigte er sich weiterhin bei Aktionen der IB, die Anfang der 2020er u.a. unter dem Namen «Eisenfaust – Nonkonforme Ästhetik« durchgeführt wurden. 2022 trat Grossmann dann beim Bundesparteitag der FPÖ als Tür-Security auf und verweigerte in dem Zuge Journalist*innen den Zugang zu der öffentlichen Veranstaltung.
Mit Marvin Sander, Jan Staudigl und Stefan Bonsack nahmen drei weitere IB-Mitglieder an der Demonstration teil, die bereits vor der Corona-Pandemie zur Bewegung gestoßen sind. Während über Bonsack kaum belastbare Informationen vorliegen, weist insbesondere Sanders politische Biografie mehrere einschlägige Stationen auf. Der ursprünglich aus Kassel stammende Rechtsextremist ist Bursche der «aB! Gothia Salzburg» und in Salzburg auch in der «Freiheitlichen Jugend» aktiv. Sander unterhält Kontakte in völkische Kreise sowie in das deutschnationale Burschenschaftsmilieu Westdeutschlands. Zeitweise trainierte er zudem im «Zitadellen Gym» in Graz unter Luca Kerbl – einem der ehmaligen zentralen Köpfe der «Identitären Bewegung Steiermark». Aktuell dürfte Sander vor allem innerhalb der «Freiheitlichen Jugend» aktiv sein – zuletzt wurde er beim FPÖ-Bundesparteitag 2025 in Salzburg gesichtet.
Jan Staudigl ist seit mehreren Jahren als FPÖ-Bezirkspolitiker in Wien-Landstraße sowie als Landesjugendsekretär der «Freiheitlichen Jugend Wien» aktiv und dürfte Ende der 2010er-Jahre zur Identitären Bewegung gestoßen sein. Öffentlich in Erscheinung trat er vor allem im Umfeld der Corona-Demonstrationen, aber auch als Redner für die FPÖ, unter anderem bei einer rassistischen Kundgebung im burgenländischen Deutschkreutz im Jahr 2021. Eine zentrale Rolle übernahm Staudigl zudem bei den sogenannten „Schandmal“-Videoaktion der «Freiheitlichen Jugend» 2022, bei der er als Sprecher der Gruppe auftrat. 2024 kandidierte Staudigl auf einem Listenplatz der FPÖ bei der Arbeiterkammerwahl; im März 2024 geriet er medial in den Fokus, als er bei einer FPÖ-Kundgebung einen Kameramann des Senders Puls24 attackierte. Bis heute dürfte Staudigl einen wichtigen Vernetzungspunkt zwischen IBÖ und FPÖ Wien darstellen, auch wenn die Überschneidungen zwischen IB-Strukturen und den Freiheitlichen mittlerweile so eng sind, dass diese kaum noch auseinandergehalten werden können.
Zwar in diesem Jahr nicht vertreten, jedoch 2024 noch anwesend, war der seit mehreren Jahren in der IB Wien aktive Nikolaus Schmidt, der im Vorjahr als Fotograf auf der Demonstration in Erscheinung trat – in seiner Tätigkeit für den rechtsextremen Verschwörungssender «AUF1» wurde er bereits in dieser Recherche an anderer Stelle erwähnt. Nikolaus Schmidt dürfte unter anderem an der Transparent-Aktion im Juli 2020 auf dem Dach des Ernst-Kirchweger-Hauses beteiligt gewesen sein und fungiert in der Regel als Fotograf für die IB Wien. Schmidt ist ferner als Gemeinderat der FPÖ in Neulengbach politisch aktiv. Ebenfalls nicht anwesend in diesem Jahr, jedoch 2024 beteiligt, waren die seit mehreren Jahren in der IB Wien aktiven Schwestern Heidi Plautz und Marlene Plautz. Beide waren wiederholt für das rechtsextreme Querfront-Projekt «Compact Magazin» rund um Jürgen Elsässer tätig und betrieben unter anderem gemeinsam mit dem Compact-Influencer Paul Klemm im Jahr 2023 einen Stand beim Bundeskongress der «Jungen Alternative», der damaligen Jugendorganisation der AfD .
Auch René Schönfelder, der als führender Akteur der «Identitären Bewegung Kärnten» angesehen werden kann, nahm 2025 an der Sommerdemonstration teil. Schönfelder dürfte bereits vor der Corona-Pandemie zur «Identitären Bewegung» gestoßen sein und scheint bis heute die Kärntner Sektion anzuführen, die aktuell unter der Bezeichnung «Kärnten Kohorte» rechtsextreme Agitation betreibt und insbesondere über TikTok offensiv um Nachwuchs wirbt. Neben Schönfelder tritt zumindest eine weitere Person für die Kärntner Sektion in Erscheinung, die auch in Wien regelmäßig bei unterschiedlichen identitären Veranstaltungen präsent ist. Die Kärntner Sektion selbst dürfte zudem enger mit dem «aB! Olympia» Burschenschafter Viktor Erdesz aus der «Freiheitlichen Jugend Kärnten» vernetzt sein: Bilder zeigen so etwa die IB-Akteure gemeinsam mit Erdesz bei einer Weihnachtsfeier der FJ-Kärnten im Dezember 2025. Erdesz selbst bekleidet seit März 2025 die Funktion des Bezirksobmanns für die «Freiheitliche Jugend Klagenfurt», zuletzt war er im Rahmen der Corona-Protest in Wien präsent, gemeinsam mit Neonazis aus dem Umfeld von «alpen-donau.info».
Gesondert erwähnen wollen wir ferner den FJ-Kärnten-Funktionär Sandro Elias Kalcher. Kalcher dürfte ein führender Funktionär der Sektion sein, war etwa vergangenen Februar Teil der FJ-Kärnten-Delegation zum Talk mit «Generation Deutschland»-Kopf Jean Pascal Hohm in der Steiermark. 2023 nahm Kalcher auch an der Sommerdemonstration teil, dort allerdings im Schlepptau der Neonazi-Gruppierung «Tanzbrigade Wien». Dabei wurde auf seinem Nacken ein Tattoo sichtbar, dass das Logo des rechtsterroristischen Neonazi-Forums «Iron March» zeigt. Das vernichtungsantisemitische Motto des Forums, das als Wegbereiter des internationalen Rechtsterrorismus galt, lautete: “Gas The Kikes! Race War Now! 1488! Boots on the ground!”. Ein Funktionär der FPÖ mit Rechtsterrorismus-Bezügen unter organisierten Neonazis bei der Demonstration der Identitären. Es gibt hier nichts zu sehen.
Während und nach der Corona-Pandemie stießen zwar vereinzelt neue Personen zur «Identitären Bewegung Österreich» hinzu, ein relevanter Teil von ihnen zog sich jedoch bereits kurze Zeit später wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung zurück. Zu den erst kürzlich hinzugestoßenen, mittlerweile jedoch als fest in der IB verankert geltenden Akteur*innen zählen der aus Niederösterreich stammende FPÖ-Mitarbeiter und Fotograf Matthias Ohm, der Funktionär der «Freiheitlichen Jugend Wien» Stefan Pscheiden sowie der «aB! Tauriska-Baden» Burschenschafter Christoph Albert. Matthias Ohm dürfte erst in der letzten Wahlkampfperiode der FPÖ zur Identitären Bewegung gestoßen sein. Zunächst trat er vordergründig als Fotograf im Medienteam der FPÖ in Erscheinung, seit 2024 ist Ohm jedoch dauerhaft im Umfeld der IBÖ präsent. Er stammt mutmaßlich aus Niederösterreich, als zentraler Anknüpfungspunkt zur identitären Bewegung dürfte der Zwentendorfer IB-Aktivist und Kampfsportler Thomas Arndorfer, der 2024 als Ordner auf der IB-Sommerdemonstration auftrat sowie der IB-Aktivist Sebastian Vybiral fungiert haben. Die beiden dürften gemeinsam mit Gernot Schmidt die Transparent-Aktion vor der ÖVP-Zentrale in St. Pölten im Februar 2023 durchgeführt haben.
Christoph Albert tritt als informeller Leiter der «Aktion 451» in Erscheinung und inszeniert sich in sozialen Medien als Theorie-Influencer. Dort bewirbt er vor allem Texte der sogenannten «Konservativen Revolution» sowie zentrale Autoren des italienischen Faschismus. Albert dürfte aus dem Wiener Umland stammen und ist in der pennalen Burschenschaft «Tauriska Baden» korporiert. Regelmäßig ist er zudem gemeinsam mit Funktionär*innen der IBÖ bei transnationalen identitären Veranstaltungen präsent, etwa bei einschlägigen Zusammenkünften in Schnellroda. Enge Kontakte bestehen zusätzlich auch zu Nils Husar, ebenfalls Bursche der «Tauriska Baden», der sich vorrangig im deutschnationalen Burschenschafter-Milieu bewegt, jedoch mehrfach auch bei Veranstaltungen der «Identitären Bewegung» sowie der «Aktion 451» in Erscheinung trat.
Bei Stefan Pscheiden handelt es sich um einen Funktionär der «Freiheitlichen Jugend», der auf Bezirksebene für die FJ aktiv ist, jedoch zunehmend primär als Aktivist der «Identitären Bewegung» in Erscheinung tritt. Über die «Freiheitliche Jugend Wien» ist Pscheiden unter anderem mit dem Klubobmann der FPÖ Brigittenau und Bezirksrat Moritz Greiner verbunden, der ebenfalls im Umfeld der «Aktion 451» aktiv ist, sowie mit dem FJ-Wien-Aktivisten Thomas Olof. Sowohl Greiner als auch Olof nahmen noch in den beiden Vorjahren an der Sommerdemonstration teil, alle drei sind zudem im Rahmen der «Aktion 451» regelmäßig präsent. Aus welchen Gründen sie an der Sommerdemonstration 2025 nicht teilgenommen haben ist unklar, die Teilnahme anderer Akteur*innen der Freiheitlichen dürfte dafür sprechen, dass es sich nicht um eine formelle Distanzierung handelt.
Ergänzend sind vier weitere Personen an der Schnittstelle zwischen den Freiheitlichen und der «Identitären Bewegung» zu nennen, die in den vergangenen Jahren an der Sommerdemonstration teilgenommen haben, oder über andere Wege mit dem identitären Lager verbunden sind. Es handelt sich dabei um Hannah Mayer, Hannah Kornmesser, Verena Mutzatko und Marlies Ligarsch. Mayer ist beim «Ring Freiheitlicher Studenten» engagiert und galt seit der Gründung der «Aktion 451» als eines ihrer aktivsten Mitglieder. Hannah Kornmesser trat erst vor kurzer Zeit in die Öffentlichkeit, übernimmt mittlerweile aber zentralen Funktionen innerhalb des Netzwerks. Sie studiert Kunstgeschichte an der Universität Wien, kandierte 2025 bei den ÖH-Bundeswahlen für den «Ring Freiheitlicher Studenten» auf dem zweiten Listenplatz und tritt mittlerweile medial als Gesicht der «Aktion 451» in Erscheinung. Mutzatko, die an der Hauptuniversität Zeitgeschichte und Medien studiert, war RFS Wien-Landesgeschäftsführerin, darüber hinaus Referentin am FBI. Sie engagiert sich nebenbei bei der Aktion 451 und konnte 2023 auch auf Sommerdemonstration gesehen werden. Ligarsch ist RFS-Funktionären, die 2021 auf Listenplatz 1 bei der ÖH-Wahl an der Hauptuniversität Wien kandidierte, als FPÖ-Bezirksrätin in Wien Döbling tätig ist, sich seit Jahren im deutschnationalen Burschenschaftsmilieu bewegt und an zahlreichen Veranstaltungen der Identitären teilnahm. Kornmesser, Ligarsch, Mutzako und Mayer können so dem identitären Spektrum zugerechnet werden und sind zugleich innerhalb der «Freiheitlichen Partei Österreich» (FPÖ) tätig. Der Vollständigkeit halber sei auch Britta “Lilly” Hanke genannt. Hanke bewegt sich im Umfeld der IBÖ, ist bei der Aktion 451 engagiert ist und soll zeitweise mit dem IBÖ-Kopf Yannick Wagemann liiert gewesen sein.
Ebenfalls im FPÖ-Parteikontext wie auch im Umfeld der «Identitären Bewegung» aktiv sind der Vorstand der «Freiheitlichen Jugend Urfahr», Tommy Neumaier, sowie der stellvertretende Vorsitzende der FJ Urfahr, Erik Hametner. Beide lernten das parteipolitische Handwerk unter ihrem früheren Leiter Silvio Hemmelmayer, der mittlerweile für die FPÖ in den Nationalrat eingezogen ist. Hemmelmayer selbst wurde wiederholt bei Auftritten der «Aktion 451» gesichtet und weist offenkundig keine Berührungsängste gegenüber der «Identitären Bewegung» auf. Hametner und Neumaier treten zunehemend aktiv als Aktivisten der IBÖ auf und traten in jüngster Vergangenheit wiederholt beim gezielten “Abschirmen” von Journalist*innen im Umfeld von IB-Aktionen in Erscheinung. Im identitären Kielwasser bewegt sich ferner der ehemaligen FJ-OÖ-Aktivist und nunmehrigen FP-Bezirksgeschäftsführer von Rohrbach Philipp Pointner. Schon während der Corona-Proteste fiel Pointner durch seine Nähe zur IBÖ auf – 2023 dann nahm er gemeinsam mit Hemmelmayer bei der Sommerdemonstration teil.
Ein weiterer FPÖ-Bezirkspolitiker und FJ-Aktivist, der in den vergangenen Jahren mehrfach bei Veranstaltungen der Identitären Bewegung Österreich (IBÖ) in Erscheinung trat, ist Marcel Havlicek. Er fungiert als Obmann der «Freiheitlichen Jugend Korneuburg» und ist zugleich FPÖ-Bezirkspolitiker in Sierndorf. Darüber hinaus ist Havlicek Mitglied des «Österreichischen Kameradschaftsbundes Stockerau» sowie der «Kameradschaft des Eisernen Kreuzes 1813». Beim FPÖ-Bezirksjugendtag 2025 dürfte er zudem zum Obmann der «FJ Korneuburg» gewählt worden sein. Erwähnenswert ist dies auch vor dem Hintergrund, dass die Bezirksjugend in Korneuburg insgesamt als stark identitär geprägt gilt. So ist der FPÖ-Bezirksjugendobmann Elias Schuch in der FJ-Sektion aktiv, Bezirksobmann ist Hubert Keyl, dessen Ehefrau Elisabeth Keyl ebenfalls parteipolitisch engagiert ist. Die Familie Keyl ist seit vielen Jahren für ihre enge Vernetzung in rechtsextreme Kreise bekannt – so etwa seit den 2010er-Jahren in Richtung Gottfried Küssel, in jüngerer Vergangenheit vor allem zur «Identitären Bewegung» sowie zu antifeministischen Netzwerken, etwa im Umfeld des jährlich stattfindenden «Marschs für’s Leben». Besonders Elisabeth Keyl fällt dabei durch ihre Kontakte zur IB auf: So zeigen sie Fotos mit Gernot Schmidt und Jan Staudigl, aber auch – im Rahmen von FJ-Veranstaltungen im Bezirk Korneuburg – mit Sebastian Vybiral, Laurenz Grossmann und Johnny Mühlmann. 2024 nahm auch sie an der Sommerdemonstration der IB in Wien teil.
Auch bei anderen Gelegenheiten bewegen sich etablierte IBÖ-Kader bei der «Freiheitlichen Jugend» in Korneuburg: Bei einer Transparent-Aktion vor einer Unterkunft für unbegleitete minderjährige Geflüchtete in Korneuburg, die offiziell von der FJ initiiert worden war, konnten am Transparent der Identitäre Manuel Fizimayer, Jan Staudigl, die IB-nahe FPÖ-Mitarbeiterin Inga Holz, ein seit Jahren aktiver, namentlich unbekannter Identitärer und Sebstian Vybiral gesehen werden. Vorgefahren war man mit einem Parteiwagen der FPÖ, der das Konterfei Herbert Kickls mit dem Schriftzug “Volkskanzler” zeigt. Aber auch Havlicek selbst scheint gute Kontakte zur IB zu pflegen: Bilder zeigen ihn etwa bei einer “Stolzmonat-Challenge” der FJ Korneuburg mit Schuch, dem seit Jahren im Umfeld der IB aktiven Stefan Bjelobrk und Sebastian Vybrial vor der Burg Kreuzenstein. Zuletzt sei der IB Wien-Aktivist Manuel Fizimayer erwähnt, auf den wir auch in unserer Recherche zur Tanzbrigade hingewiesen haben. Fizimayer dürfte erst rezent zur IB Wien gestoßen sein, auffällig ist allerdings, dass er die beiden Tanzbrigade-Neonazis Michael Petrzela und Cedomir Aleksijevic persönlich zu kennen scheinen dürfte.
Zuguterletzt sei der FJ-Aktivist Konrad Fuchs erwähnt, der in der Sektion Mödling engagiert ist. Er nahm 2024 und 2025 an den Demonstrationen der IB in Wien teil, posierte mit Martin Sellner und zeigte gegenüber Fotograf*innen das White-Power-Zeichen. Zuletzt konnte Fuchs beim extrem rechten Gedenken für den französische Neonazi Quentin Deranque gemeinsam mit IBÖ, Aktivist*innen von «La Cocarde Paris», «Junger Tat», «NSV», »Tanzbrigade Wien», «Division Wien» und «Brigada Beč» gesehen werden. Auffällig war ferner die Teilnahme von Fuchs an einer islamistischen Demonstration für den Erhalt des iranischen Mullah-Regimes in Wien.
Organisierter Neonazismus: Alte VAPO-Kader, Tanzbrigade und Division Wien
Seit ihrer Entstehung beteiligten sich stets auch Teiles des österreichischen Neonazi-Milieus an Demonstrationen und Kundgebungen der «Identitären Bewegung». Die Sommerdemonstration 2025 stellt zugleich den aktuellen Höhepunkt neonazistischer Mobilisierung in diesem Zusammenhang dar. Kurz vor Beginn der Demonstration marschierte ein etwa 50 Personen starker, von Bernhard Burian angeführter Block martialisch auftretender Neonazis vom Stadtpark zum Startpunkt der Kundgebung. Die Gruppe stieß aggressiv und gewaltbereit im Casual-Look gekleidet, teils vollständig vermummt, zur bereits versammelten Menge hinzu. Im Block befand sich neben Burian – den wir in unserer Recherche zur «Tanzbrigade Wien» ausführlich beleuchtet haben – auch Cedomir Aleksijevic, der ebenfalls an der Spitze der Gruppe marschierte. Insgesamt setzte sich die Delegation überwiegend aus sehr jungen Neonazis zusammen, die großteils den Gruppierungen «Division Wien» und «Brigada Beč» zuzurechnen sind, oder sich in deren Umfeld bewegen.

Auch aus dem unmittelbaren Umfeld von Gottfried Küssel ließ sich eine Person im Kielwasser von «Tanzbrigade Wien» und «Division Wien» beobachten: Mit Richard Fiebicher war ein ehemaliger VAPO-Kamerad anwesend, der gemeinsam mit weiteren altgedienten Neonazis gezielt den Kontakt zu jüngeren Neonazis sucht. Zugleich fungiert Fiebicher regelmäßig als Sicherheitsmann für die FPÖ, zuletzt etwa auch im Zuge des Nationalratswahlkampf 2024. Vor dem Hintergrund der langjährigen Spannungen zwischen sogenannten „alt-“ und „neurechten“ Milieus mag es zunächst überraschen, dass auch Küssel-nahe Akteur*innen auf Veranstaltungen der «Identitären Bewegung» in Erscheinung traten – auch wenn einige von ihnen vereinzelt auch in der Vergangenheit immer wieder an IB-Aktionen partizipierten. Tatsächlich ist diese Trennlinie jedoch längst weniger scharf ausgeprägt als noch in früheren Jahren. Dass diese Annäherung auch im Selbstverständnis der Szene reflektiert wird, zeigt ein Beitrag Küssels in der vom Dortmunder Neonazi Sascha Krolzig herausgegebenen Zeitschrift «N.S. Heute». Dort erklärte er im Oktober 2025, die Begriffe einer „Alten Rechten“ und einer „Neuen Rechten“ seien obsolet und würden nur noch von jenen verwendet werden, die gezielt Spaltung betrieben.
Küssels Aussage korrespondiert letztlich mit der innerhalb der “Neuen Rechten” fest etablierten Strategie des rechtsextremen Binnenpluralismus. Wie etwa Thor von Waldstein, einer der zentralen Theoretiker des identitären Lagers anführt, habe die Rechte lange Zeit vor allem einem “zwanghaften Trieb” gehorcht, sich über Distanzierungsbekenntnisse zu definieren: darüber, „was man alles nicht sei und von wem man bitteschön Unter den Linden nicht gegrüßt werden möchte“. Die Konsequenzen seien absehbar gewesen: die „Zerstörung des eigenen Profils“, personelle Zerwürfnisse, massenhafte Parteiaustritte, Abspaltungen und schließlich der Sturz in die politische Bedeutungslosigkeit. Als Konsequenz wird innerhalb des Lagers seit Jahren ein “Ende der Distanzeritis” gepredigt. Auch im harten Neonazi-Milieu scheint man sich inzwischen in jenem Patchwork zu verorten, das im Umfeld des Hauses Schnellroda als „Mosaik-Rechte“ propagiert wird. Das über Jahre hinweg auch im österreichischen Neonazi-Milieu prägende Distanzierungsgehabe – insbesondere gegenüber Martin Sellner und der Identitären Bewegung, wie es etwa vom Portal «Unwiderstehlich» betrieben wurde – dürfte damit mit wenigen Ausnahmen weitgehend als überholt angesehen werden.
Und so passt es ins Bild, dass sämtliche Führungskader der «Tanzbrigade Wien» auch bei der IB-Demo anwesend waren, die auch schon in den Vorjahren wenig Berühungsängst mit den Identitären hatten und deren Aktionen regelmäßig über ihre Social-Media-Kanäe bewerben: Neben den beiden genannten, konnte erneut Christian Csincsics sowie Rudolf Müller gesichtet werden, das «Final Dawn MC»-Member Marco Singraber, das «Alte Garde»-Mitglied Michael Petrzela, der rezent vor allem seine “Solidarität” mit Palästina bekundet – inklusive Glorifizierung islamistischer Organisationen – sowie der notorische Gewalttäter Matej Kacafirek, der sich nun wieder primär in Wien aufhalten dürfte. Der wohl erst kürzlich zur Tanzbrigade dazugestoßene Patrick Plank war auch als Demo-Teilnehmer präsent, 2024 darüber hinaus Daniel Strobl. Im Schlepptau der Truppe konnte auch Tamara Bruha gesehen werden und 2024 die Tanzbrigade-DJ “Jacky Nekton“. Sämtliche hier genannte Personen haben wir in unserer Recherche zur «Tanzbrigade Wien» näher beleuchtet wie auch das umfassende transnationale Netzwerk, in dem sich die Neonazi-Gruppierung bewegt, weshalb an dieser Stelle auf genauere Ausführungen verzichtet wird.
Die meisten der älteren Kader traten im Zuge der identitären Sommerdemonstration 2025 nicht gemeinsam mit dem von Burian angeführten Neonazi-Block in Erscheinung. Dieser Umstand spricht dafür, dass insbesondere Bernhard Burian und dessen enge Vertrauten sich für die jungen Nachwuchskader zuständig fühlen bzw. in Absprache mit den Altnazis um Gottfried Küssel mit deren Zuständigkeit bzw. Indoktrinierung betraut wurden. Da aus den personell relativ diffusen Konstellationen im Netzwerk der Jungnazis schwer zu rekonstruieren ist, welche Personen welchen Gruppierungen angehören, wollen wir hier nur einige wenige Namen nennen, die jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit seit Beginn in der «Division Wien» organisiert sind: Benjamin Buchl, Nikodem Gawron, Filip (Nachname unbekannt) und Niklas (Nachname unbekannt) sowie 2024 Marcel Oberhauser sowie die im Rahmen der Hatecrime-Razzien inhaftierten Jungnazis Noah Gavric und Jonas Hopfer – die beide an der Sommerdemonstration 2025 nicht partizipierten, erster aber aktuell nicht mehr in Haft sein dürfte. In deren Umfeld bewegt sich auch der von Corona-Demonstrationen bekannte Patrick Nebenführ, der nach Ende der großen Corona-Proteste über «Defend Austria» ins Neonazi-Milieu gefunden haben dürfte. Zu erwähnen ist außerdem, dass Nebenführ noch 2019 Mitglied und Veranstaltungmitarbeiter der SPÖ Essling gewesen ist. Im Schlepptau der Division Wien bewegten sich ferner Mitglieder der Brigada Beč, darunter u. a. Nikola Mladenovic. Mit Simon Polz findet sich regelmäßig auch ein Mitglied der Fanszene von Blau Weiß Linz und Kampfsportler im Umfeld der Division Wien und Tanzbrigade bei extrem rechten Events ein.
Auch im engen Umfeld der Division Wien organisiert ist der Jungnazi Felix (Nachname unbekannt). Ihn haben wir in unserer Recherche zum Begräbnis von Thomas Cibulka thematisiert. Neben Teilnahmen an den IB-Demonstrationen ist Felix eng an alteingesessene Neonazis aus dem ehemaligen PEGIDA- und FHB-Milieu, aber auch aus dem mittlerweile inexistenten «Blood & Honur Vienna»-Netzwerk angebunden. Erwähnenswert ist hierbei auch, dass aus dem gleichen Milieu der ehemalige Kopf von B&H Vienna Gregor Tschenscher zwar nicht 2025 aber 2024 bei der identitären Sommerdemonstration anwesend war – auch über ihn haben wir in unserem Text zu Cibulkas Begräbnis berichtet.
2023 nahm ferner der oberösterreichische Neonazi Josef Ranftl an der Sommerdeminstration teil. Ranftl gilt als szenebekannt: Auf der Demonstration trat er in Shorts der italienischen NSHC-Band «Green Arrows», mit sichtbarem Tattoo eines Wappens in den Reichskriegsfarben auf, ferner einer White Power-Faust sowie unzählig abgeklebten Stellen – ein Indiz für Verstöße gegen das Abzeichen- bzw. Symbolgesetz. Auf Facebook zeigt sich Ranftl ferner als Fan der NS-Band «Skrewdriver». Ranftl konnte in den letzten Jahren nicht nur auf der IB-Demonstration gesehen werden, sondern auch 2023 beim Avanti NeoCultura-Vernetzungstreffen im «Castell Aurora» in Steyregg. Dort kam er zusammen mit der Castell Aurora-Aktivistin Tina Blumhagel an. Relevant ist auch, dass Ranftl gemeinsam mit einem Neonazi auf der Demonstration im Sommer 2023 beobachtet wurde, der wiederum mehrfach gemeinsam mit dem ehemaligen Führungskader der mittlerweile aufgelösten «Arischen Bruderschaft», Günther Altmann, auf Demonstrationen von Martin Rutter gesehen werden konnte. Altmann war schon in den 2000er-Jahren im «Bund freier Jugend» aktiv, gilt bis heute als Intimus von Thorsten Heise. Zuletzt konnte er – wie Exif berichtete – im Shirt der «Arischen Bruderschaft» auf der «European Fight Night» (EFN) in Csókakö gesehen werden.
Christliche Fundamentalisten: Die Organistoren des Marsch für das Leben
Während Berührungsängste zwischen dem militanten Neonazismus und dem identitären Milieu zunehmend abgebaut werden, fand in den letzten Jahren zudem eine sukzessive Annäherung christlich-fundamentalistischer Akteuer*innen an das identitäre Lager statt. Das spiegelt sich auch in den Teilnahmen an identitären Sommerdemonstrationen wieder. Im Jahr 2023 nahmen Alexander Trachta und Andreas Gappmaier an der Sommerdemonstration der IB teil. Trachta dürfte der Sohn vom gleichnamigen Vater (ebenso Alexander Trachta) sein, der als Jurist tätig ist und das Transportunternehmen A.C.T. betreibt. An der Adresse des Unternehmens in der Augartenstraße 36, 1020 Wien, ist auch der offizielle Sitz des Vereins «Marsch fürs Leben» eingetragen.

Trachta senior dürfte formal als Vorstand fungieren, steht jedoch kaum im medialen Fokus. Stattdessen treten seine Kinder, Alexander und Felicitas Trachta, öffentlich in Erscheinung. Felicitas Trachta agiert dabei als informelle Pressesprecherin des Vereins, der auch den gleichnamigen «Marsch fürs Leben» organisiert, während ihr Bruder Alexander auch organisatorisch auftritt: Häufig mit Lautsprecher koordiniert er bei den alljährlichen Aufmärschen die vorderen Reihen, in denen überwiegend Kinder und Jugendliche für den „heiligen Kampf“ instrumentalisiert werden. Auch Andreas Gappmaier ist in die Organisation des «Marsch für das Leben» eingebunden. Der Jurist ist derzeit als Notariatskandidat bei «nhp notare» tätig und zählt neben der Familie Trachta zu den zentralen Akteur*innen rund um die Veranstaltung; zudem ist er de facto bei nahezu jedem Marsch präsent. Auffällig ist darüber hinaus die personelle Überschneidung zwischen identitären Gruppen und dem christlich-fundamentalistischen «Marsch fürs Leben»: Während Vertreter*innen der Identitären Bewegung seit Jahren an dem Marsch teilnehmen, beteiligen sich umgekehrt auch Führungspersonen aus dessen Umfeld an Straßenmobilisierungen der Identitären.
Rechtsextreme Medienmacher, Corona-Protest-Milieu und Obskurantentum
Neben rechtsextremen Kadern aus dem aktivistischen Spektrum der «Identitären Bewegung», neonazistischen Gruppierungen und christlichen Fundamentalist*innen partizipierten zahlreiche Akteur*innen an der Sommerdemonstration, die entweder dem Bereich der rechtsextremen Publizistik, der Corona-Protest-Szene und anderen Verschwörungsmilieus zuzurechnen sind oder als individuelle Politik-Aktivist*innen innerhalb der extremen Rechten eine Funktion einnehmen. Als einer der zentralen Organisatoren der Corona-Proteste in Österreich ist in diesem Zusammenhang zunächst Hannes Brejcha zu nennen, der Kopf hinter dem Demonstrationsbündnis «Fairdenken». Brejcha, dessen Verbindungen in die rechtsextreme Szene sowie dessen Rolle innerhalb der Corona-Protestbewegung wir bereits in einer ausführlichen Recherche zur Corona-Querfront aufgearbeitet haben, scheint in jüngerer Zeit verstärkt die Nähe zum identitären Spektrum zu suchen: Zum einen ist er regelmäßig bei Veranstaltungen der IBÖ präsent, zum anderen hofierte er erst im Dezember 2025 Martin Sellner als Redner bei einer seiner Kundgebungen am Wiener Heldenplatz.

Im Kontext rechtsextremer Medienprojekte können Michael Scharfmüller, der Herausgeber des rechtsextremen Monatsmagazins «Info-DIREKT», der in den vergangenen Jahren und auch 2025 an der identitären Sommerdemonstration teilnahm, wie auch Andreas Retschitzegger genannt werden. Scharfmüller wurde gemeinsam mit Stefan Magnet und Retschitzegger, den zentralen Kadern hinter der rechtsextremen Online-Plattform «AUF1», innerhalb der neonazistischen Jugendstrukturen des «Bund freier Jugend» (BfJ) politisch sozialisiert und pflegt weiterhin enge Kontakte zu seinen alten Kameraden. Insofern kann Scharfmüller zu jenem Milieu gezählt werden, das aus dem Neonazismus stammt, diesem inhaltlich weitgehend treu geblieben ist, sich zugleich aber mit der Unterstützung der FPÖ – etwa durch Finanzspritzen in der Form von Inseraten – zunehmend zum Medienmacher gemausert hat. In seiner Berichterstattung nahm er zugleich stets eine Unterstützerfunktion der «Identitären Bewegung» ein und verteidigte diese gegen seltene Distanzierungsversuche freiheitlicher Funktionäre, wie etwa durch den oberösterreichischem FP-Funktionär Manfred Haimbuchner. Regelmäßig berichtet Scharfmüller von rechtsextremen Veranstaltungen und nimmt seit dem Erstarken der AfD zunehmend auch an Parteiveranstaltungen sowie an Veranstaltungen ihres Vorfelds als medialer Multiplikator teil.

Auch Retschitzegger konnte 2023 auf der Demonstration der IB gesehen werden: Er dürfte mit dem Langzeit-Identitären, ehemaligen Wochenblick-Redakteur und nunmehrigem «Castell Aurora»-Aktivisten Julian Utz nach Wien angereist sein. Der rechtsextreme Medienmacher ist hierbei nicht nur wegen seiner Führungsrolle innerhalb des Verschwörungssenders «AUF1» von Relevanz, sondern auch, weil er zugleich eine wichtige Brücke zwischen außerparlamentarischen Vorfeld und den Strukturen der FPÖ bildet. Zahlreiche Fotos zeigen ihn als Funktionär bzw. zumindest aktives Mitglied innerhalb der oberösterreichischen FPÖ. Seine Social-Media-Postings verdeutlichen zugleich, dass er sich weiterhin im Fahrwasser des Neonazismus befindet – von Geschichtsrevisionismus, der Beschwörung eines Europas der Völker bis hin zur Solidarität mit ukrainischen Neonazis ist alles dabei.

Ein weiterer Akteur, der dem Bereich des “alternativen Journalismus” rechtsextremer bzw. verschwörungsideologischer Prägung zugerechnet werden kann, ist der Linzer Berufsfotograf Alois Endl, der an dem identitären Sommerevent partizipierte. Endl etablierte sich im Zuge der Corona-Proteste als Protestfotograf der Szene, mittlerweile dürfte er nun vollständig in der rechtsextremen Szene angekommen sein. So scheint Endl teilweise als offizieller Fotograf des rechtsextremen Medienprojekts «AUF1» tätig zu sein, zuletzt etwa im Rahmen des von Stefan Magnet 2025 zum zweiten Mal in Prag abgehaltenen «Alternativ World Economic Forum» (A-WEF), das als eine Konferenz an der Schnittstelle von Rechtsextremismus, Verschwörungsmilieu und obskuren Querfront-Segmenten angesehen werden kann. An der Konferenz nahmen in den letzten Jahren einschlägige rechtsextreme und verschwörungsideologische Akteur*innen wie Kayvan Soufi-Siavash (ehem. Alias “Ken Jebsen”), Martin Rutter, Michelle Gollan, Martin Sellner aber auch hochrangige Parteipolitiker*innen aus der FPÖ wie Gerald Hauser, oder solche der AfD wie etwa in diesem Jahr die AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel teil. Neben Endl scheint auch der Wiener Identitäre Bernhard Riegler (ebenso Berufsfotograf) sowie das deutsche «Filmkunstkollektiv» um Simon Kaupert in diesem Zusammenhang von «AUF1» engagiert worden zu sein.

Zwei weitere verschwörungsideologische Figuren, die eher dem politischen Obskurantismus denn dem organisierten Rechtsextremismus zuzuordnen sind, sind Susanne Andrea Helfenbein und Peter Eckhart. Die aus Hohenems stammende Helfenbein hatte Mitter der 2010er-Jahre versucht, «PEGIDA» in Vorarlberg zu etablieren. Mehrfach nahm sie an sogenannten PEGIDA-Spaziergängen in Bayern teil und trat dort als Rednerin auf. Seitdem ist Helfenbein regelmäßig bei diversen rechtsextremen Aufmärschen zu sehen, aktuell v. a. im Kielwasser des ehemaligen Corona-Protestmilieus. Helfenbein ist ferner die Mutter des mehrfach verurteilten Neonazis Marco Helfenbein (zuletzt 2023 nach §3g Verbotsgesetz zu drei Jahre unbedingt verurteilt), der sich – laut Susanne Helfenbein selbst – wieder auf freiem Fuß befinden und bei seiner Mutter in der Josefstadt wohnhaft sein dürfte. Erwähnenswert ist des Weiteren, dass Susanne Helfenbein aktuell auch beim rechtsextremen «Volksbildungskreis» aktiv zu sein scheint, der noch in den 1950er-Jahren von späteren AfP-Größen gegründet worden war. Bei Peter Eckhart handelt es sich um einen verschwörungsideologischen Protestteilnehmer der Corona-Proteste, der v. a. durch eine regelmäßig öffentlich mitgeführte Reichskriegsflagge auffiel. 2023 dann wurde Eckhart wegen Leugnung der Shoah (§3h Verbotsgesetz) zu zwei Jahren bedingter Haft verurteilt. Neben seinen häufigen Besuchen rechtsextremer Veranstaltungen, konnte er auch auf islamistisch-antisemitischen Kundgebungen der «Palästina Solidarität Österreich» angetroffen werden.
Mit Herbert Fritz und Harald A. Schmidt nahmen 2025 auch zwei bekannte Neonazis an der Demonstration teil, die früher integral an die Wiener Neonazi-Szene angebunden waren, mittlerweile wohl eher als randständige Figuren angesehen werden können. Der NDP-Gründer Fritz, der mutmaßlich auch in den Südtirol-Terrorismus der 1960er-Jahre involviert war, war 2023 neun Monate in Afghanistan vom Taliban-Regime inhaftiert worden – wegen des angeblichen Verdachts auf Spionage. Um Fritz’ Freilassung bemühte sich u. a. die FPÖ, die eine Delegation von drei Personen, Andreas Mölzer, Johannes Hübner und Ronald Schwarzer nach Kabul schickte, um Fritz’ Freilassung zu verhandeln. Nachdem er im Februar 2024 freigelassen wurde und nach Österreich zurückkehren konnte, wurde der Neonazis nicht nur von offiziellen Medien wie dem «Profil», sondern auch von diversen rechtsextremen Portalen wie «Info-DIREKT», aber auch einem Online-Format, das von Gottfried Küsselund Konstantina Rösch betrieben wird, hofiert. Seit seiner Rückkehr wurde Fritz auch bei anderen Veranstaltungen der «Identitären Bewegung» gesichtet und scheint diese leidenschaftlich zu unterstützen.

Bei Harald Schmidt handelt es sich um einen ehemaligen Rechtsanwalt, der ebenso auf eine lange Karriere im österreichischen Neonazismus und der organisierten Kriminalität zurückblickt. Bereits in den in den späten 1970er-Jahren war Schmidt aktenkundig geworden, da er mit Kameraden der neonazistischen «Aktion Neue Rechte» (ANR) mutmaßlich einen vom ANR-Gewalttäter Franz Koci durchgeführten Raubüberfall auf einen Gasthof geplant hatte, um mit den 60.000 Schilling Beute die Aktivitäten der ANR zu finanzieren. 1977 dürfte Schmidt ferner an einem NDP-Kadertreffen in Salzburg teilgenommen haben, an dem u.a. der sich im Umfeld der «Wehrsportgruppe Hoffmann» bewegende rechtsterroraffine Neonazi István Bajtsy ebenso teilgenommen hatte. Bajtsy hatte zudem in Trainingscamps der PLO traininert und pflegte enge Kontakte zum Rechterroristen Ekkehard Weil. 1996 wurde Schmidt im Rahmen seiner Mittäterschaft an den Morden von Elfriede Blauensteiner zu sieben Jahren Haft verurteilt.
Wie Stoppt die Rechten offenlegte, war Schmidt zeitweise in umstrittene Immobilien-Spekulationsgeschäfte involviert. Demnach galt er als zentrale Figur hinter einer Reihe von Scheinfirmen, die formal von bekannten Neonazis geführt wurden, darunter etwa Lucas Tuma und der bereits erwähnte Marco Helfenbein. Laut Angaben aus dem Umfeld des Telegram-Kanals von Susanne Helfenbein sind derzeit zudem Verfahren am Handelsgericht gegen Schmidt anhängig, in denen es um den Vorwurf „unguter Scheinfirmen“ geht. Als Geschäftspartner wird in diesem Zusammenhang der Wiener Neonazi und Zuhälter Walter Gerhard Piranty genannt, dem wir bereits eine ausführliche Recherche gewidmet haben.
Im Zuge der Erwähnung von Herbert Fritz fiel bereits der Name eines weiteren Demonstrationsteilnehmers: Ronald Friedrich Schwarzer. Bei Schwarzer handelt es sich um einen FPÖ-nahen christlichen Fundamentalisten, Juwelenhändler und Betreiber des Ferdinandihofes. Schwarzer fungierte vor allem seit dem Ende der Corona-Pandemie als zentraler Vernetzungsakteur der Szene und brachte durch zahlreiche abendliche Veranstaltungsformate im Ferdinandihof unterschiedliche Akteur*innen der rechtsexremen Szene zusammen. Oftmals werden die Events in enger Kooperation mit dem «Leopold Stocker Verlag» bzw. «Ares-Verlag» durchgeführt. Zu rezenten Veransaltungen zählen die Einladung des italienischen Lega-Politikers Roberto Vanacci November 2024, im Dezember 2024 eine Abendveranstaltung mit dem AfD-Politiker Maximilian Krah sowie im Jänner 2025 ein Vortrag mit dem rechtsextremen Historiker Lothar Höbelt. Fast immer anwesend waren dabei der Stocker-Verlagsleiter Wolfgang Dvorak Stocker und sein Sohn, der ehemals in der IBÖ aktive Maximilian Dvorak Stocker.

Doch entgegen der landläufigen Meinung, Schwarzer sei erst rezent zum rechtsextremen Aktivisten und “Impresario” geworden, muss entgegengehalten werden, dass Schwarzer schon seit Jahrzehnten über Verbindungen in den organisierten Rechtsextremismus und katholizistischen Fundamentalismus pflegt: Seit Anfang der 1990er-Jahre betätigt sich Schwarzer als Publizist. Zu seinem publizistischen Portfolio zählen der «Eckart», «Zur Zeit», «Frank & Frei» aber auch Veröffentlichungen als freier Publizist im «Karolinger Verlag» (“Durch Habsburgs Lande”, 2023) oder bei «Die Weiße Rose» (“Konservativismus versus Neokonservativismus”, 1992). In letzterem Titel zeigt sich Schwarzer als Anhänger des katholizistisch fundierten Austrofaschismus um Engelbert Dollfuß sowie als Bewunderer Francisco Francos und António de Oliveira Salazars. Von Relevanz ist auch, dass Schwarzer bereits 1993 an Sommeruniversitäten der «Jungen Freiheit» teilnahm, wie Akten des apabiz belegen: so etwa im Sommer 1993 unter der Leitung von Michael Hageböck und Hans-Ulrich Kopp. Thematisch kreiste die Tagung um Arno Breker, Carl Schmitt, d’Annunzio und Ernst von Salomon.

Ein weiterer Exponent, der zumindest erst kürzlich öffentlich verstärkt im Bereich des organisierten Rechtsextremismus auftrat, ist der Salzburger Bjarn Jorge/Paul Georg Wawzin. Wawzin dürfte als regionaler Vetriebsleiter für die Securityfirma ÖWD in Salzburg arbeiten – ein beachtlicher Umstand, bedenkt man, dass bei ihm erst kürzlich eine Hausdurchsuchung wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Verbotsgesetz nach §3g stattgefunden hat. In dem Durchsuchungsbescheid werden unter anderem glorifizierende Bezüge hinsichtlich der Shoah-Leugnerin und neonazistischen Szenegröße Ursula Haverbeck, diverse Postings auf der Plattform X sowie verhetzende Äußerungen in einem Podcast mit den deutschen Neonazis Frank Franz und Frank Kraemer angeführt. Die Sommerdemonstration 2025 bestritt Wawzin gemeinsam mit dem aus Deutschland stammenden AfD-Anwalt Gerhard Vierfuß, der für seine engen Verbindungen zur deutschen IB bekannt ist.

Abschließend wollen wir hier auf Joachim S. Bauer, einem Funktionär des duginistischen «Suworow Institut» eingehen, der in der Vergangenheit im «Ring Freiheitler Studenten« (RFS) aktiv war und sich im Umfeld der «Aktion 451» bewegte. Bauer nahm mehrfach an den Sommerdemonstrationen teil und trägt offiziell die Funktion des Kassiers im Verein «Gesellschaft zur Förderung des Österreichisch-Russischen Dialogs«, der dem «Suworow Instititut» zugrunde liegt. Darüber hinaus publiziert Bauer im rechtsextremen «Agora Europa»-Magazin, das vom völkischen «MetaPol Verlag» von den ehemaligen JN-Funktionären Pierre Dornbrach, Roy Graßmann und Steffen Nickel betrieben wird.
Deutschland: Zwischen identitären Tarnorganisationen und militantem Neonazismus
Wie schon in den Jahren zuvor stellten deutsche IB-Mitglieder nach den österreichischen auch 2025 den zweitgrößten personellen Anteil an der Demonstration. In Deutschland ist die IB seit 2014 aktiv und auch hier vollzog sich in den letzten Jahren sowohl ein Generationswechsel als auch ein Wandel der politischen Strategie vor dem Hintergrund verschärfter staatlicher Repression und der Angst vor einem drohenden Organisationsverbot. Seit der Gründung besteht trotz ausgeprägter personeller Fluktuation und intergenerationellem Wandel ein kontinuierlicher und enger Austausch zwischen identitären Kadern aus Österreich und Deutschland.
Die politische Genese der «Identitären Bewegung Deutschland»
Die Geschichte der «Identitären Bewegung Deutschland» ist bislang insgesamt durch eine nur begrenzte Wirksamkeit ihrer unterschiedlichen Strategien und Zugänge als außerparlamentarische rechtsextreme Gruppierung gekennzeichnet. Groß angelegte Versuche der Straßenmobilisierung – etwa im Juni 2017 in Berlin – blieben weitgehend erfolglos. Auch das identitäre Hausprojekt «Flamberg» in Halle (Saale) bestand nur für kurze Zeit und existierte lediglich von 2017 bis 2019. Die anfangs vergleichsweise wirksame Strategie, multimedial inszenierte Fotoaktionen kleiner Gruppen mit provokanten Bannern als Propaganda in den Medien zu platzieren, bewährte sich auf Dauer nicht. Zugleich erschwerten ein zunehmend organisierter zivilgesellschaftlicher Widerstand sowie die im Vergleich zu Österreich stärkere Konkurrenz innerhalb des neonazistischen und extrem rechten Spektrums in Deutschland die langfristige Etablierung. In der Folge verlor die IB nicht nur ihren Rückzugsort in Halle (Saale), sondern 2022 auch jenen in Ulm, nachdem antifaschistische Recherchen die Immobilie öffentlich gemacht hatten.
Andernorts in Deutschland konnten IB-Anhänger*innen über stabile Rückzugs- und Unterstützungsräume verfügen, in denen sie wiederholt willkommen geheißen wurden. In zahlreichen Städten stellten deutschnationale Studentenverbindungen Räumlichkeiten zur Verfügung, unter anderem in München durch die «Burschenschaft Danubia München», in Mainz durch die «Burschenschaft Germania Halle zu Mainz», in Marburg durch die «Marburger Burschenschaft Germania», in Bonn durch die «Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks», in Bielefeld durch die «Burschenschaft Normannia-Nibelungen», in Berlin durch die «Berliner Burschenschaft Gothia» sowie in Würzburg durch die «Prager Burschenschaft Teutonia zu Würzburg». Insbesondere im Falle der IB Hessen rekrutierten sich zudem verschiedene Generationen von Aktivisten immer wieder aus regionalen Korporationen, vor allem aus jenen Burschenschaften, die dem Dachverband «Deutsche Burschenschaft» (DB) angehören. Gerade das burschenschaftliche Milieu, und hier insbesondere die DB-Burschenschaften, stellte somit stets einen zentralen Faktor kontinuierlicher struktureller Unterstützung für die Identitären Bewegung dar – sowohl in Deutschland als auch in Österreich.
Doch auch jenseits der korporierten Szene finden sich in Deutschland weiterhin Orte der Vernetzung, auf die IB-Strukturen zurückgreifen können. Insgesamt ist die Bewegung dabei stark in außerparlamentarische rechtsextreme Milieus sowie in parteipolitische Strukturen der AfD eingebunden. Dazu zählt etwa das «Institut für Staatspolitik» in Schnellroda, dessen „Schulungsveranstaltungen“ regelmäßig von zahlreichen IB-Kadern besucht werden. Zudem wurde im November 2023 in Chemnitz in einer bereits Ende 2022 erworbenen Erdgeschosswohnung ein neues „Zentrum“ eröffnet, in dem seither Stammtische und Veranstaltungen stattfinden. Damit unternimmt die Szene erneut den Versuch, einen dauerhaften organisatorischen Anlaufpunkt aufzubauen – wobei sich zeigen wird, inwiefern sich diese Struktur langfristig stabilisieren lässt.
2024 wurde weiters bekannt, dass eine Villa in Schkopau bei Leipzig als Meldeadresse für zentrale IB-Kader und -Firmen fungiert: Betrieben wird die Villa von ehemaligen Exponenten der IB-Gruppe «Kontrakultur Halle», die auch im von 2017 bis 2019 betriebenen Hallenser IB-Hausprojekt eng involviert waren, darunter Torsten Görke, Philip Thaler und Till-Lucas Wessels. Von vordergründiger Bedeutung der in Schkopau gemeldeten Firmen ist dabei die «Schanze Eins UG & Co. KG», die von Görke geführt wird und als Finanzierungsprojekt für IB-nahe Großprojekte dient. Mittels «Schanze Eins» wurde etwa das in Österreich angesiedelte Hausprojekt «Castell Aurora» über den Finanzier Peter Kurth (siehe unten) im erheblichen Ausmaß mitfinanziert. Görke ist gemeinsam mit Till-Lucas Wessels noch an einer weiteren Unternehmung beteiligt: der «Grauzone Medien GmbH», in dessen Rahmen Webdesign, Ghost Writing und Werbedesign angeboten wird. Ferner wird in Schkopau ein rechter Esoterik-Handel von der Französin Alexandra Caillaud betrieben, der auf den Namen «Mythopoetic GmbH» läuft.

Besondere Aufmerksamkeit muss der «Schanze Eins UG & Co. KG» gewidmet werden: Hierüber sollen Görke, Thaler und Wessels Finanziers für identitäre Projekte angeworben haben. Als solcher Finanzier trat u.a. der ehemalige Berliner CDU-Finanzsenator und alter Herr der Berliner «aB! Gothia» Peter Kurth auf. Kurth investierte etwa 50.000 € in das Schkopauer Zentrum und 120.000 € in den Aufbau des «Castell Aurora». Etwa 70.000 € soll Kurth an die «T&R Immobilien Chemnitz UG» gespendet haben, die von Vincenzo Richter und Philip Thaler geführt wird und mittels derer das neue Chemnitzer Hausprojekt finanziert wurde. Ferner hatte Kurth 2019 mit dem ehemaligen «Kontrakultur Halle»-Kopf Mario Müller (nunmehriger Mitarbeiter des AfD-MdB Jan Wenzel Schmidt) einen Sportverein in Halle gegründet, in dem es zu rechtsextremen Kampfsporttrainings gekommen sein soll.

“Regime Change”, “Overton-Fenster” und Neustrukturierung der IBD ab 2022
Trotz einer gewissen Kontinuität im Bestreben der Identitären Bewegung (IB), Räume zu etablieren und Zentren für die innerrechte Vernetzung zu schaffen, rekonstituierte sich die Bewegung in ihrer strategischen Ausrichtung und ihrem Organisationsformat sowohl während der Corona-Pandemie als auch nach deren offiziellem „Ende“. Als zentraler Referenzpunkt gilt dabei das 2023 im «Antaios Verlag» erschienene Werk „Regime Change von Rechts“ von Martin Sellner. Darin postuliert Sellner die politische Notwendigkeit, den Schwerpunkt auf den medialen Kampf um soziokulturelle Hegemonie zu verlagern. Ziel sei es, das sogenannte Overton-Fenster zugunsten extrem rechter Positionen zu verschieben. Klassische Aktionsformen wie Infostände oder bürger*innennahe Kundgebungen und Demonstrationen würden dafür nicht mehr ausreichen. Stattdessen müsse die Bewegung einerseits gezielt in medial wirkmächtige Diskurse intervenieren und Positionen artikulieren, die parteigebundene rechte Akteurinnen aufgrund institutioneller Zwänge nicht äußern könnten. Andererseits solle die IB systematisch Einfluss auf rechte Parteien und politische Akteur*innen gewinnen und sich als aktionistisches, jugendliches Vorfeld etablieren.
Mit der strategischen Neuausrichtung der Identitären Bewegung um das Jahr 2022 ging auch eine tiefgreifende Reorganisation der „Identitären Bewegung Deutschland“ (IBD) einher: Die bisherigen Orts- und Regionalgruppen wurden formal aufgelöst und in nach außen hin autonom auftretende Kleingruppen überführt. Auslöser dieses Strategiewechsels waren mehrere Faktoren: Zum einen ließ die öffentliche Aufmerksamkeit nach dem Abebben der Corona-Proteste deutlich nach, zum anderen nahm der staatliche Repressionsdruck zu, etwa in Form von Symbol- und Betätigungsverboten in Ländern wie Frankreich und Österreich. Hinzu kamen antifaschistische Interventionen, die wiederholt zeigten, dass sichtbare Strukturen, physische Zentren und größere Mobilisierungen anfällig für Gegenproteste und Störungen sind. Vor diesem Hintergrund argumentierte Martin Sellner, die „persönliche Kostenschwelle“ für Aktivist*innen müsse durch organisatorische Anpassungen gesenkt werden. Gleichzeitig vertrat er die These, man nähere sich einem „Kipppunkt“ in Richtung „Regime Change“ und benötige daher verstärkt repressionsresistente Organisationsformen.
Dennoch gelang es Antifaschist*innen auch nach diesem Strategiewechsel, die identitären Strukturen weitgehend aufzudecken. Dass die zahlreichen, nun unter eigenständigen Bezeichnungen firmierenden Gruppen aus dem IB-Spektrum lediglich Tarnnamen für die früheren IB-Ortsgruppen darstellen, wurde auch bei der Zehnjahresfeier in Bernsdorf in der «Uhlig Mühle» deutlich, bei der sich Vertreter*innen der verschiedenen Gruppierungen unter dem Lambda-Symbol versammelten. Es erscheint beinahe als Ironie der Entwicklung, dass sich die von Martin Sellner neu proklamierte IB-Strategie damit erneut Organisationskonzepten annäherte, wie sie insbesondere in der autonomen Kameradschaftsszene verbreitet waren – also jenen Strukturen, von denen er sich politisch wie biografisch ab etwa 2012 zu lösen suchte, da er sie als strategisch nicht erfolgversprechend bewertete.
Geändert hat sich seither vor allem der öffentliche Auftritt der «Identitären Bewegung Deutschland»: Während es in ihrer frühen Phase noch zum Markenkern gehörte, in demonstrativer Abgrenzung zu Antifa-Demonstrationen „Gesicht zu zeigen“ und sich als provokante, zugleich aber zugängliche und seriös auftretende Jugendbewegung einer vermeintlich „intellektuell-patriotischen“ Generation zu inszenieren, erinnert das Erscheinungsbild heute häufig eher an organisierte Fußballfans – und damit, nicht ohne Ironie, erneut an ästhetische Elemente klassischer Neonazi-Szenen. Einheitlich gestaltete Schlauchschals und Halstücher verdecken die Gesichter, ein hypermaskulin-offensiver Habitus wird betont. Offene Infostände im Stil bürger*innennaher Initiativen sind weitgehend verschwunden; stattdessen werden die wenigen öffentlichen Kundgebungen und Aktionen langfristig vorbereitet und stärker abgeschirmt. Neu angeworbene Aktivist*innen treten möglichst lange vermummt auf, um ihre Identität zu verschleiern. Trotz des demonstrativ „aktionistischeren“ Auftretens ist das Niveau sowie die Frequenz öffentlichkeitswirksamer Aktionen insgesamt deutlich zurückgegangen. Unverändert blieb hingegen, dass für größere Mobilisierungen weiterhin Kader aus dem gesamten Bundesgebiet sowie aus Österreich zusammengezogen werden müssen, was eine hohe Reisebereitschaft voraussetzt.
Der Strategiewechsel kann insgesamt als Indikator für das Scheitern der ursprünglichen Strategie der IB gelesen werden: Weder gelang es ihr, dauerhaft breite öffentliche Mobilisierungserfolge zu erzielen, noch konnte sie sich im subkulturellen Bereich – anders als Teile des neonazistischen Spektrums – als relevante Kraft etablieren, die an die Alltagswelten von Jugendlichen anschließt. Entsprechend veränderte sich auch ihr öffentliches Auftreten: Offen angekündigte, dezidierte IB-Demonstrationen, die ein breiteres Sympathisant*innenumfeld mobilisieren sollten, blieben in Deutschland in den vergangenen Jahren weitgehend aus. Stattdessen setzt die IB verstärkt auf transnationale Vernetzung und wenige, strategisch platzierte Großereignisse pro Jahr. Dazu zählen etwa der Anfang Jänner stattfindende St.-Geneviève-Aufmarsch in Paris, der sogenannte „Remigration Summit“ im Spätfrühling sowie die Sommerdemonstration in Wien. Parallel dazu bleibt der Versuch bestehen, Einfluss auf rechtsextreme parlamentarische Akteur*innen und Parteien zu nehmen.
Status Quo und aktuelle IB-Gruppierungen
Es dürfte kaum verwundern, dass es vor allem IB-Kader aus dem Süden Deutschlands sind, die jährlich konstant die IB-Sommerdemos in Wien besuchen. Die räumliche Nähe macht die Reise nach Wien naheliegend. Aus der IB Bayern, die ihren räumlichen Schwerpunkt in München hat und dort auf die Struktur der «aB! Danubia» zurückgreifen kann, reiste 2025 die größte deutsche Gruppe an. Zu ihr zählte Annie Hunecke, die bereits in die 2018 gestarteten pseudofeministischen Kampagne «120db» involviert war. Daneben war auf der Sommerdemo Adrian Segner anwesend, Mitglied der «aB! Danubia» und zeitweise eines der deutschlandweit bekanntesten IB-Gesichter. Auch der aus Mühldorf am Inn stammende Dennis Braun, der in den Sozialen Medien offen krude Rassenlehre propagiert, muss zur bayerischen IB gezählt werden und reiste 2025 an. Auch Clarissa Stark, die erst kürzlich zur IBD stieß, aber nunmehr als mediales Gesicht für «Lukreta» und die IBD inszeniert wird, konnte in den letzten Monaten mehrfach im Umfeld der bayrischen IB-Ortsgruppe gesehen werden.
Zur Reisegruppe der IB Bayern, die zeitweise unter den Namen «Isar Legion» und «München in Bewegung» firmierte, inzwischen aber unter dem Label «Lederhosen Revolte» auftritt, gehörten ferner der Oberpfälzer Moritz Kirsch, der auch eine Rede hielt, sowie Jonas Schneider und Tim Schulz. Schulz, der nicht nur bayrischer Landesvorstand der «Generation Deutschland» war, sondern auch Mitarbeiter des AfD-LAbg. Benjamin Nolte, gilt als besonders einschlägige Person: Wie ein Bericht der Münchner Abendzeitung offenlegte, hat Schulz engste Kontakte zu den «Jungen Nationalisten» (JN), u.a. zu Lois Wagner, aber auch zum ehemaligen Zwickauer «III. Weg»- und «Junge Revolution»-Aktivisten Sanny Kujath. Bei einem Treffen in Budapest hatten die drei Neonazis Juden*Jüdinnen auf öffentlicher Straße wüst antisemitisch attackiert.
Die IB Schwaben hatte in ihren frühen Zeiten ihren lokalen Schwerpunkt in der Universitätsstadt Tübingen; nach dem Wegzug der einst dort beheimateten Kader Jonathan Rudolph und Annika Stahn ist nun die Landeshauptstadt Stuttgart das Zentrum der regionalen IB-Aktivitäten geworden; weitere lokale Aktivitäten lassen sich in Ulm und Konstanz nachweisen. Die Gruppe firmiert inzwischen unter der Bezeichnung «Reconquista21», nutzte zeitweise auch die Bezeichnung «Wackre Schwaben» oder «Schwaben Bande» und für ihre lokalen Ableger «Aktiv Konstanz», «Aktives Stuttgart», «Festung Ulm» sowie «Pforzheim Revolte», wobei letztere Gruppierung sich inzwischen verselbstständigt hat und stärker in Richtung der Partei «Die Heimat» orientiert. Von der IB Schwaben waren 2025 Michael Seibold, Maximilian Märkl, Jannis George und Tim Oliver Franz anwesend. Seibold fungiert auch als Vorsitzender eines «Reconquista21»-Tarnvereins namens «Bürgernetzwerk Süd» und ist Teil des «Filmkunstkollektivs», das ebenfalls als eingetragener Verein organisiert ist und die IB-eigene Propagandaarbeit durch die Produktion von Film- und Fotomaterial organisiert.
Entsprechend waren George und Seibold bei der Sommerdemo 2025 mit Kamera unterwegs und bemüht, die Demo stets in vorteilhafter Weise ins Bild zu setzen. Interessant ist, dass Seibold zeitweise auch in Wien bei FPÖ-Wahlveranstaltungen als Partei-Fotograf tätig war – gemeinsam mit Matthias Ohm konnte er auf den Rednerbühnen gesehen werden. Seibold ist dabei nicht der einzige Kader mit Parteikontakten: Jannis George etwa war im Landesvorstand der JA Baden-Württemberg, nun ist er Mitarbeiter der AfD-MdB Christina Baum. 2024 nahm ferner der ehemals als “Reconquista 21”-Leiter agierende Identitäre Marius Keipp an der Demonstration teil. Keipp ist mittlerweile Mitarbeiter des Hallenser AfD-Stadtrat Paul Backmund und ist in Sachsen-Anhalt wohnhaft. Und auch der nunmehrige Bundessprecher der IBD Maximilian Märkl war AfD-Mitglied: Nachdem er zum Bundessprecher der IBD ernannt wurde, legte er seine Mitgliedschaft nieder – dennoch führt die Personalie Märkl zu einer intensiven Debatte innerhalb der AfD rund um den Umgang mit der «Identitären Bewegung Deutschland».

Aus dem Umfeld von «Reconquista 21» bzw. den schwäbischen Sektionen der IB nahm zudem der Frontsänger der extrem rechten Black Metal-Band «Eishammer» Dennis Hock teil. Hock bewegt sich gleichermaßen in Neonazi-Kreisen wie im Umfeld der Identitären. So nahm er im Juli 2019 am Rechtsrock-Event «Tage der nationalen Bewegung» in Themar teil und spielte mit seiner Band auf anderen extrem rechten Konzerten. 2026 konnte Hock ferner in Wehrmachtsuniform kostümiert am neonazistischen «Tag der Ehre» gesehen werden. Auch verfügt Hock über Kontakt zum wegen Geldwäsche, Nötigung und Verhetzung verurteilten AfD-Politiker Daniel Halemba, gemeinsam besuchten sie ein Fest in der «aB! Frankonia Erlangen». Gleichzeitig nahm Hock mehrfach an Veranstaltungen der IBD teil: So etwa 2021 am IBD-Sporttag im Raum Stuttgart oder Sommer 2024 an einer Wanderung, die von «Reconquista 21» organisiert wurde.

Aus dem südlichsten Teil Baden-Württembergs stammt Lars Brändlin, ein AfD-Politiker aus Lörrach, der nicht nur enge Verbindungen zur IBD pflegt, sondern mutmaßlich noch enger mit der Schweizer «Jungen Tat» vernetzt ist. Brändlin war auch auf der Sommerdemonstration im Umfeld der «Jungen Tat» zu sehen, im Dezember 2024 sorgte er für Schlagzeilen, als er im Rahmen eines konspirativen Treffen der Schweizer den Schleusungspunkt der Veranstaltung betreute und aktiv Teilnehmende zum geheim gehaltenen Veranstaltungsort eskortierte. Im Jänner 2026 nahm Brändlin an der Winterakademie des ehemaligen «Institut für Staatspolitik» in Schnellroda teil und beteiligte sich dort an Angriffen auf Journalist*innen.

Mittlerweile gut mit den bayrischen und baden-württembergischen IB-Sektionen vernetzt sind auch die beiden Führungsfiguren des «Filmkunstkollektivs», Simon Kaupert und Timm Kaufmann. Kaupert stammt aus Thüringen und meldete einst die “Wügida-Proteste”, den der Würzburger «PEGIDA»-Ableger organisierte, an. Kaupert ist zudem Teil des extrem rechten Kampagnenvereins «Ein Prozent für unser Land», für das er seit 2016 tätig ist und hat u.a. für die extrem rechte Pseudogewerkschaft «Zentrum Automobil» gearbeitet. Zu erwähnen sei: «Ein Prozent» nimmt insgesamt eine herausragende Stellung im neurechten Spektrum ein: Beteiligt sind daran auch der Marburger Burschenschafter und IB-Kader Philip Stein, Götz Kubitschek sowie der völkisch gesinnte AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider (ehemals Gründer der «Patriotischen Plattform») und «Compact»-Leiter Jürgen Elsässer.

Legalistisch gemeldet ist der »Filmkunstkollektiv e. V.» im identitären Chemnitzer Zentrum (siehe dazu unten mehr). Auch Timm Kaufmann, der politisch aus der Görlitzer IB-Ortsgruppe stammt, war bereits mehrfach als Teil des “Filmkunstkollektivs” auf der Wiener Demonstration.

Aus Sachsen war 2025 u.A. Vincenzo Richter anwesend. Dieser war früher in Berlin aktiv, ist aber nun bereits seit mehreren Jahren Ortsgruppenleiter der IB Chemnitz, die auch unter dem Tarnnamen «Festung Chemnitz» agiert. Die sächsische IB firmiert auch unter den Bezeichnungen «Sachsen Garde» bzw. insbesondere in Leipzig unter der Bezeichnung «Aktion Ost». Richter ist ferner einer der Hauptakteure der IB-Immobilie in Chemnitz und Co-Geschäftsführer der dahinter stehenden «T & R Chemnitzer Immobilien UG». Mutmaßlich eng an dem Aufbau des Zentrums beteiligt dürfte auch der seit vielen Jahren in der IB aktive Dresdner Neofaschist David Ratajczak gewesen zu sein. Auch Ratajczak nahm 2025 an der Sommerdemonstration in Wien teil, er betreibt an der Adresse des Zentrum Chemnitz u.a. den «Hermes Medienförderung e. V.». Um das von Richter geleitete neofaschistische Chemnitzer Zentrum hat sich mittlerweile eine äußerst aktive IB-Gruppe etabliert, wie antifaschistische Recherchen gezeigt haben (hier u.a. sämtliche gemeldete Vereine und Firmen, die in Schkopau und Chemnitz gegründet wurden).

Ebenso aus Dresden angereist waren in den Jahren 2021 und 2023 Akteure der IB-nahen Neonazi-Kameradschaft «Werra Elbflorenz», darunter Fabian Rösner und Dominik Raupbach (siehe weiter unten). 2019 entstand «Werra Elbflorenz» aus der ehemaligen IB-Ortsgruppe und der «Freien Kameradschaft Dresden» (siehe hier) und bewegt sich seitdem im fluiden Spektrum zwischen NS-Kampfsport, Neonazi-Szene, Identitärer Bewegung und AfD. Zu vermerken ist allerdings, dass die Gruppierung seit dem Jahr 2023 kaum geschlossen öffentlich auftrat. Gesondert zu erwähnen ist, dass Werra 2021 mutmaßlich mit Hans-Georg Pförtsch nach Wien reiste, der der rechtsterroristischen Gruppierung «Sächsische Separatisten» angehörte – die weiteren Verbindung der rechtsterroristischen Gruppierung nach Österreich, insbesondere zur Familie Schimanek sowie zu Gottfired Küssel wurden medial ausführlich berichtet. In Wien selbst pflegt «Werra Elbflorenz» darüber hinaus Kontakte zur «Tanzbrigade Wien», worauf wir bereits in unserer eigenständigen Recherche zur Wiener Neonazi-Gruppierung ausführlich hingewiesen haben.
Neben Richter konnten in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Chemnitzer IBD-Kader auf den Sommerdemonstrationen in Wien gesehen werden: 2021 nahm Vincenzo Richter mit Kenan Esau teil, der auch 2023 und 2025 wieder in Wien zu sehen war. Esau dürfte ferner an dem neuen extrem rechten, IB-nahen Kinderbuchverlag «Zahnlückentexte UG» beteiligt sein. 2023 beteiligten sich neben Richter und Esau auch Lars Ashley Mehnert sowie Paul Schäffler, der 2024 auch am neonazistischen «Tag der Ehre» bzw. «Ausbruch 60» teilnahm. 2024 steigt die Beteiligung der Chemnitzer IB weiter: Auch Tony Kraft, Merlin Ulbrich, Lucas Denk und Lucas Wenzel reisen an – allesamt rege Akteure der IB Chemnitz. Wenzel trat ferner sowohl 2024 als auch 2025 als Mitarbeiter des «Filmkunstkollektivs auf. Auch Maximilian Thorn, der dem Zentrum Chemnitz zuzuordnen ist, nimmt 2024 und 2025 an der Demonstration teil. 2024 sorgt Thorn für einen Eklat, da er in der Undercover-RTL-Reportage neben JA-Aktivistin Jelena Micic steht, als die die Shoah zuerst leugnet, dann als “geil” bezeichnet und anschließend ein “Srebrenica 2.0” fordert. 2025 finden sich neben Richter wiederum mehrere IB-Chemnitz-Exponenten ein, dieses Mal auch die Schwester Tony Krafts und IB-Aktivistin Linda Kraft.
Erwähnenswert ist auch – wie Antifaschistische Recherche Chemnitz zeigen konnte -, dass 2023 der AfD-Politiker Sören Schwarzer an der Sommerdemonstration teilgenommen hat. Früher Mitglied der mittlerweile aufgelösten JA und Vorstandsmitglied der JA Chemnitz, bewegt sich der AfD-Politiker, der eine ausgeprägte Faszination für den ehemaligen FPÖ-Kopf Jörg Haider hegt, im Umfeld der Identitären Bewegung. Schwarzer nahm November 2023 auch an der Eröffnung des Zentrum Chemnitz teil.

Der Vollständigkeit halber ist auch Sebastian Weber (alias „Weichreite TV“) zu nennen. Der aus Sachsen stammende AfD-Kreistagsabgeordnete im Landkreis Leipzig tritt weniger durch kommunalpolitische Arbeit in Erscheinung als vielmehr als omnipräsenter Livestreamer von Demonstrationen. Dabei begleitet er Veranstaltungen aus dem rechten bis neonazistischen Spektrum, aber auch linke Proteste, überträgt diese in Echtzeit ins Internet und ruft im Rahmen der Streams zur Finanzierung durch Spendengelder auf.

Die hessichen Identitären glänzten 2025 durch Abwesenheit. War 2021 mit Patrick Schwenz noch ein Aktivist dabei, der wenig später dem IB-Label «Aktives Hessen» zugerechnet werden konnte und der Mitglied der «aB! Germania Halle zu Mainz» sowie der AfD ist, so waren hessische IB-Kader in den darauffolgenden Jahren abwesend. 2024 gab es zwar eine hessische Beteiligung, diese bestand jedoch aus Mitgliedern der damaligen AfD-Jugendorganisation «Junge Alternative», unter anderem dem Offenbacher AfD-Stadtverordneten Manuel Wurm und den beiden hessischen Burschenschaftern Tobias Diehl («aB! Alemannia Gießen») und Thomas Janeczek («aB! Arminia Frankfurt/Main»). Die «Aktives Hessen»-Generation um die Mainzer «aB! Germania» hingegen ist inzwischen weitgehend in rheinland-pfälzischen AfD-Strukturen aufgegangen und das Label zum Erliegen gekommen. Ebenfalls im Jahr 2024 waren zwei Mitglieder der JA Sachsen nach Wien gereist.
Die Abwesenheit manch anderer IB-Regionen bei der Sommerdemo 2025 mag darin begründet sein, dass einige ihrer Ortsgruppen inzwischen kaum mehr oder gar keine Aktivitäten entfalten. So verzeichnete die IB Franken nach ihrer Transformation in «Bollwerk Franken» lediglich zwei Foto-Aktionen, bei denen sie eine Deutschlandfahne von einem Aussichtsturm hängte oder rassistische Flugblätter verteilte. Auch der saarländische Ableger «Kontrakultur Saar» kam über wenige Sticker-Aktionen und ein an einem Gerüst aufgehängtes Banner kaum hinaus. Das «Bremer Bollwerk» postete im Jänner 2022 lediglich das eigene Profilbild auf Instagram, seitdem ist von einem Bremer IB-Ableger nichts bekannt. Auch in Hamburg und Schleswig-Holstein, in der sich 2016/17 zunächst sehr aktive IB-Gruppen mit Verbindung zur Hamburger «aB! Germania» gebildet hatten, blieben die Label «Nordfeuer» und «Junge Flamme» weitestgehend ungenutzt. Erwähnenswert in Bezug auf die Region Schleswig-Holstein ist lediglich die Teilnahme von Max-Lucca Kaliebe, der Jänner 2026 in den Vorstand der Generation Deutschland Schleswig-Holstein gewählt wurde. Kaliebe scheint darüber hinaus auch im AfD-Kreisverband Rendsburg-Eckernförde aktiv zu sein. Kaliebe war auch beim extrem rechten “Tag des Vorfelds” in Neumünster zugegen, den die AfD Schleswig-Holstein veranstaltete, an dem auch zahlreiche IBD- und IBÖ-Akteur*innen teilnahmen.

Von der Berliner IB wurde durch eine Fernsehreportage aus dem Jahr 2024 zwar der Treffpunkt in einer Gaststätte im Ortsteil Friedrichsfelde bekannt, jedoch entfaltet die Gruppe, die zuletzt unter dem Label «Gegenkultur Berlin» firmierte, derzeit keine öffentliche Wirkung. Lediglich Lydia Wojcik alias “Paula Winterfeld” konnte aus dem Berliner IB-Milieu auf den Demonstrationen 2024 und 2025 in Wien gesehen werden. Wojcik dürfte zum inneren Kreis der alteingesessenen Identitären Deutschlands und Österreichs gehören – Fotos zeigen Wojcik mit diversen jahrelang aktiven Führungsfiguren. Ferner war Wojcik zusammen mit dem Berliner Langzeit-Identitären Robert Timm auf der Hochzeit von Martin Sellner mit Brittany Pettibone eingeladen. 2023 konnte Wojcik auch bei der Eröffnung des Chemnitzer Zentrums beobachtet werden.

Aus Brandenburg war auch der Anwalt, AfD-Politiker und IB-Unterstützer Gerhard Vierfuß auf der Demonstration der IB 2025 anwesend. Er war gemeinsam mit dem Rechtsextremisten Paul Georg Wawzin (siehe oben) unterwegs. Vierfuß war längere Zeit für die AfD in Oldenburg-Stadt als Kreisverbandsvorstand aktiv, organisierte dort u.a. Veranstaltungen mit Karl-Heinz Weißmann oder dem nunmehr aufgelösten IfS. 2024 dürfte er sich in Postdam niedergelassen haben und ist mittlerweile dort für die AfD tätig. Vierfuß war in den Sozialen Medien vor allem auf X präsent: Dort verteidigte er etwa die Shoah-Leugnerin Ursula Haverbeck und wurde Jänner 2026 wegen der Verwendung von SA-Parolen zu einer Geldstrafe verurteilt.

Ähnliches gilt für die Identitäre Bewegung in Mecklenburg-Vorpommern. Zwar war hier viele Jahre die offizielle Adresse des IB-Vereins ansässig, doch hat der langjährige stellvertretende Leiter der IB Deutschland Daniel Fiß ebenso wie manche seiner Kameraden seinen Aktivismus gegen einen Mitarbeiterposten beim AfD-Landtagsabgeordneten Nikolaus Kramer eingetauscht. Die Labels «Heimwärts MV», «Revolte Rostock» und «Defend Stralsund» sind daher bereits seit einigen Jahren inaktiv und die IB ist in dem Bundesland personell geschwächt, auch weil ihr neu entstandene Neonazigruppierungen das Personenpotential strittig machen. Die aus der IB Rheinland hervorgegangene Gruppierung «Revolte Rheinland» hat sich 2024 als für aufgelöst erklärt und hatte ihren lokalen Schwerpunkt im Raum Koblenz. Mit Johannes Konstantin Poensgen nahm 2024 an der Sommerdemonstration jedoch ein Mitglied der Gruppierung teil. Zudem konnte Poensgen 2025 beim zweiten «Avanti NeoCultura»-Vernetzungsevent im «Castell Aurora» in Steyregg gesehen werden, wo neben Poensgen etwa auch Tim Schulz, Reinhilf Boßdorf sowie die Schweizer Tobias Lingg und Florian Stimpfle teilnahmen.

In Niedersachsen tritt mit «Sturmfeste Niedersachsen» beziehungsweise «Sturmfeste Hannover» eine der IB zuzurechnende Gruppierung in Erscheinung. Auf Instagram veröffentlichte sie unter anderem Videomaterial, das auch die Sommerdemonstration 2025 dokumentiert. Mutmaßlich dem Umfeld dieser Struktur zugehörig ist der IB-Aktivist Simon Pocinosznow aus Braunschweig. Auf seinem Profil bezeichnet er sich selbst als „Aktivist der Sturmfeste Niedersachsen“. Zudem dürfte er in der Vergangenheit der neonazistischen Gruppierung «Aktionsgruppe 38» angehört haben, die aus dem Umfeld der inzwischen aufgelösten Kleinstpartei «Die Rechte» hervorging.

Im Raum Ostwestfalen-Lippe rund um Bielefeld existiert ebenso eine relativ aktive IB-Gruppe um deren Leiter Dario Voss. Auch dieser war sowohl auf der IB-Sommerdemo 2025 in Wien als auch bei der Zehnjahresfeier 2024 im sächsischen Bernsdorf anwesend. Die Bielefelder IB-Gruppe existiert in ihrer Zusammensetzung bereits seit etwa fünf Jahren; schon 2021 nahm Voss zusammen mit Valentin Hassenewart und Magnus Baak an der Demonstration teil. Die Gruppierung nannte sich zwischenzeitlich «Westfalens Eichensöhne», inzwischen aber «Westfalens Erben», und fällt insbesondere durch ihre Affinität zur Neonazi-Kampfsportszene auf. Daher übernehmen ihre Mitglieder immer wieder Ordnungs- und Schutzaufgaben bei IB-Events wie der Zehnjahresfeier oder auch der Demonstration in Wien, wo Voss etwa 2023 versuchte, Pressefotograf*innen mit Regenschirmen abzudrängen und die Dokumentation des Aufzugs zu verunmöglichen. 2025 waren Voss und Hassenewart ebenfalls anwesend.
Beteiligung der deutschen Neonazi-Szene
Auch für andere extrem rechte Spektren aus Deutschland hat die Wiener IB-Demonstration inzwischen eine spürbare Anziehungskraft entwickelt – nicht zuletzt vor dem Hintergrund eines Mangels an großangelegten, überregional mobilisierungsfähigen Szene-Events im neonazistischen Milieu. Jenseits der jährlich Anfang Februar stattfindenden geschichtsrevisionistischen Demonstration in Dresden existieren kaum noch Formate mit vergleichbarer Reichweite. Vor diesem Hintergrund beteiligten sich 2025 auch Angehörige der «Jungen Nationalisten» (JN), der Jugendorganisation von Die Heimat, Akteurinnen aus dem Umfeld von «Knockout 51» sowie Vertreterinnen der «NRJ», der Jugendorganisation des «III. Weges», an der Wiener Demonstration. Die strukturelle Transformation der IB – insbesondere die Dezentralisierung und das Auftreten unter wechselnden Bezeichnungen – hat zugleich neue Spielräume für punktuelle Kooperationen eröffnet. Parallel dazu etablierte die JN nahezu zeitgleich eigene Vorfeldstrukturen jenseits ihres Labels. Prominentestes Beispiel ist die Dresdner «Elblandrevolte», deren Namensgebung und Aktionslogik deutlich an die Tarnlabels der IB erinnert. Vergleichbare Bezeichnungen finden sich etwa in Form von «Elbjugend» (Magdeburg), «Braunschweig verteidigen», «Hannover verteidigen», «Hauptstadt Revolte», «Thüringen verteidigen» oder «Pfalz Revolte».
Diese Annäherung bleibt nicht auf symbolische Ähnlichkeiten beschränkt, sondern schlägt sich auch in konkreten Kooperationen nieder. So kam es in Baden-Württemberg zu einer Zusammenarbeit zwischen der IB-nahen Tarnstruktur «Pforzheim Revolte» und der JN. Inzwischen positioniert sich «Pforzheim Revolte» selbst als formal unabhängige Gruppe ohne übergeordnete Anbindung und wirbt in sozialen Netzwerken verstärkt für Die Heimat statt für die IB. Dies deutet auf eine Verschiebung innerhalb des Spektrums hin: Während einzelne Gruppen eine stärkere Orientierung an der ehemaligen NPD entwickeln, suchen andere IB-Strukturen eher die Nähe zur Alternative für Deutschland und deren Umfeld. Insgesamt weist diese Entwicklung auf eine zunehmende Konvergenz zwischen vormals getrennten Segmenten der extremen Rechten hin. Die Distanz, die die IB ursprünglich gegenüber der als „schmuddelig“ markierten Neonaziszene zu wahren suchte, verliert erkennbar an Bedeutung. Damit verdichten sich Hinweise auf einen fortschreitenden Zusammenschluss von „alter“ und „neuer“ Rechter – eine Dynamik, die zugleich nahelegt, dass innerrechte Abgrenzungs- und Konkurrenzverhältnisse an Relevanz verlieren. Vergleichbare Entwicklungen lassen sich auch in anderen europäischen Staaten beobachten.
So fielen 2025 jenseits der IB-Strukturen vor allem die Anwesenheit zweier prominenter JN-Mitglieder auf: Lily Baginski aus Ludwigshafen, die unter dem Nickname “Anio” von der JN seit 2024 als Neonazi-Influencerin aufgebaut wird, sowie ein bislang Unbekannter, der aus dem Raum Südwürttemberg stammt und in der JN-Vorfeldgruppierung «Zollernjugend» aktiv ist. Die beiden besuchten nicht nur die Demonstration, sondern auch das Event am Vorabend im IB-Keller in der Ramperstorffergasse. Auf der Demonstration am Folgetag war mit Lucas Hartmann ein weiterer Neonazi anwesend, der aus dem JN-Milieu kommt; er war noch 2020 für die JN Dresden aktiv und trat 2018 beim Neonazi-Kampfsportturnier «Pro Patria Fest» an. Ebenfalls der JN nahestehend ist das Musikprojekt «Neuer Deutscher Standard» (NDS), das vor allem von den beiden Neonazis Kai Naggert (“Proto”) und Dominik Raupbach (“Kavalier”) betrieben wird. Raupbach ist bereits seit 2021 regelmäßiger Teilnehmer der IB-Sommerdemos, veranstaltete 2022 auch einen Liederabend in Steyregg im «Castell Aurora».
Gute Verbindungen nach Wien haben auch die Kader der ehemaligen IB-Gruppierung «Kontrakultur Erfurt», die auch enge Verbindungen ins militante Neonazi-Milieu pflegen: Mehrfach war bei der Sommerdemonstration Luis Rupprecht anwesend, so auch 2025. Der Gruppe gehören des Weiteren auch Kevin Noeske und Robert Brandt an, die 2023 gemeinsam mit Rupprecht an der rassistischen “Brennpunkt-Aktion”, die Martin Sellner mit Irfan Peci ausrichtete, teilnahmen. Rupprecht ist, ebenso wie «Kontrakultur Erfurt»-Mitglied Ron Schade, Korporierter der «Alten Burschenschaft auf dem Burgkeller Jena». Noeske hingegen ist eine der Führungsfiguren der rechtsterroristischen Gruppe «Knockout51» um den Eisenacher Neonazi Leon Ringl.

Interessant ist auch die Teilnahme des Brandenburger Neonazis Malwig Stelter an der Demonstration im Jahr 2025, der als ehemaliges Mitglied der Jugendsektion von «Der III. Weg» mit dem Namen «Nationalrevolutionären Jugend» (NRJ) gilt, und auch an der Gründung der NRJ beteiligt war. Zuvor gehörte Stelter mit weiteren jungen Brandenburger Neonazis der extrem gewalttätigen «Division Märkisch Oderland» (Division MOL) an, die sukzessive in der NRJ aufging. Seit etwa 2021 ist Stelter allerdings öffentlich nicht mehr im Rahmen der NRJ zu sehen, lediglich am alljährlichen Neonaziaufmarsch in Dresden zusammen mit seinem Vater Andrew Ron Stelter. Andrew Stelter selbst ist ein seit den 1990er-Jahren aktiver Gewalttäter und Neonazi, der ebenso dem Umfeld des III. Weg zugehörig ist und sich in neonazistischen Kampfsport-Netzwerken bewegt (u.a. nahm Andrew Stelter an einem Videodreh von Manuel Eder alias “Kombaat” in Berlin teil). Wie es zu der Teilnahme Malwig Stelters an der IB-Demonstration kam, ist unklar. Allerdings zeugt Stelters Anwesenheit von einer gewissen Durchlässigkeit auch aus militant-neonazistischen Spektren in die aktuelle Form der Identitären Bewegung.

Schweiz: 5 Jahre Junge Tat – 5 Jahre Radikalisierung
Neben rechtsextremen Organisationen aus Deutschland und Österreich waren so wie auch in den Jahren zuvor zahlreiche Mitglieder der Jungen Tat aus der Schweiz angereist. Die «Junge Tat» fungiert hierbei als Ableger der gesamteuropäischen Identitären Bewegung in der Schweiz. Dementsprechend beteiligten sich Führungspersönlichkeiten der Organisation sowie ihres Umfelds an der Sommerdemonstration und waren auch aktiv in die organisatorischen Abläufe eingebunden. Darüber hinaus reisten weitere Organisationen wie die aus dem verschwörungsideologischen Spektrum stammende Partei «MASS-VOLL!» aus der Schweiz an, um dem identitären Spektakel beizuwohnen. Insgesamt kann über die letzten Jahre hinweg eine sukzessive Zunahme der Beteiligung rechtsextremer Akteur*innen aus der Schweiz an der jährlichen Sommerdemonstration der «Identitären Bewegung» festgestellt werden.

Die «Junge Tat» gilt derzeit als die aktivste und sichtbarste rechtsextreme Gruppierung der Schweiz. Sie wurde im November 2020 gegründet und erlangte durch medienwirksame Aktionen rasch eine gewisse Bekanntheit – sowohl innerhalb der Schweiz als auch im deutschsprachigen Ausland. Die Kerngruppe umfasst rund zehn Personen; insgesamt verfügt die Gruppierung aber über Mitglieder und Sympathisant*innen im hohen zweistelligen Bereich. Die meisten Aktivist*innen sind Anfang zwanzig, stammen überwiegend aus ländlichen Regionen und verfügen in der Regel über keine höher Schulbildung. Einzelne Mitglieder – darunter auch der Kopf der Gruppierung, Manuel Corchia – haben eine Migrationsbiografie. Ähnlich anderen identitären Organisationen handelt es sich um eine straff geführte Gruppe mit einem informellen Hierarchiesystem, das über Loyalität, Einfluss und sozialen Status innerhalb der Gruppe definiert wird.

Die Junge Tat entstand aus den Vorläuferorganisationen „Nationalistische Jugend Schweiz“ und
„Eisenjugend Schweiz“. Beide Organisationen wurden im Frühjar 2020 von Manuel Corchia gegründet. Die «Nationalistische Jugend Schweiz» (NJS) war eine Adaption der damaligen ostdeutschen Gruppierung «Junge Revolution», die von Sanny Kujath geführt wurde. Manuel Corchia pflegte im Jahr 2020 regen Kontakt nach Dresden, nahm an Wehrsportcamps teil und es entstanden Kontakte zu neofaschistischen Gruppierungen wie «Werra Elbflorenz». Nach dem Vorbild der ostdeutschen Jugendgruppe bestanden die Aktivitäten der NJS aus körperlicher Ertüchtigung, Kampfsport, Wanderungen mit nächtlicher Lagerfeuerromantik inklusive Glorifzierung des Nationalsozialismus im Wald von Winterthur. Daneben agitierte die Gruppe gegen die lokale Hausbesetzer*innen-Szene und antifaschistische Strukturen. Vermummt mit Sturmhauben prahlte die NJS in den sozialen Netzwerken mit ihren Taten. Nach antifaschistischen Publikationen zur NJS und ihrem neonazistischen Treiben, suchten die jungen Neonazis Schutz bei bereits etablierten NS-Strukturen, in diesem Fall der «B&H-Sektion Zürich».

Nicht weniger bemerkenswert war die Gründung der «Eisenjugend Schweiz» am 6. Januar 2020. Mit Einverständnis der akzelerationistischen Neonazigruppe «Iron Youth» aus den USA gründete Corchia die Organisation als Schweizer Ableger. Auf dem gleichnamigen Telegram-Kanal las Corchia aus SS-Handbüchern zur weltanschaulichen «Erziehung» der Eisenjugend vor. Auch das akzelerationistische Standardwerk «The Siege» von James Mason nahm er als Audiofile auf; als hochaktuelle Lektüre pries er das Manifest des rechtsterroristischen Christchurch-Attentäters Brenton Tarrant an. Corchia vertrat einen ausgeprägten Antisemitismus und verbreitete radikale Rassentheorien gemäß nationalsozialistischer Ideologie. An der Zürcher Hochschule der Künste, wo er im Studiengang „Knowledge Visualization“ immatrikuliert war, verbreitete er seine Ideologie mit Stickern. Auch den Sitz der Zürches Zeitung «Tages-Anzeiger» beklebte Corchia mit antisemitisch-rassistischen Stickern.
Die Mitglieder der US-amerikanischen Mutterorganisation «Iron Youth» wurden Anfang 2021 wegen illegalen Waffenbesitzes festgenommen und später zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Ein ähnliches Schicksal ereilte die Mitglieder der «Eisenjugend Schweiz» bereits einige Monate zuvor: Im August 2020 beschlagnahmte die Kantonspolizei Zürich bei Manuel Corchia und weiteren Mitgliedern mehrere Langwaffen. Wegen seiner Kleberumtriebe und der Störung eines Zoom-Meetings mit antisemitischen Parolen wurde Manuel Corchia von der Zürcher Hochschule der Künste exmatrikuliert und mit Hausverbot belegt. Manuel Corchia, Tobias Lingg sowie drei weitere Mitglieder der «Eisenjugend Schweiz» wurden im Frühling 2021 wegen mehrfacher Rassendiskriminierung, Sachbeschädigung und Vergehen gegen das Waffengesetz verurteilt.
Unbeirrt von diesen Umständen und den Repressionsmaßnahmen gründete Manuel Corchia bereits im November 2020 die Nachfolgeorganisation «Junge Tat». Der Auftritt der Jungen Tat orientierte sich stark an der Wiener IB-Sektion, die damals unter dem Label «Aktives Wien» firmierte. Inhaltliche und stilistische Elemente wie Slogans oder bedruckte Schlauchschals zur Anonymisierung übernahm die Gruppe ebenso von den österreichischen IB-Sektionen; auch das Ziel, durch öffentlichkeitswirksame Aktionen Berichterstattung zu generieren und so die neofaschistische Ideologie zu verbreiten, wurde übernommen.
Anfänglich war die Junge Tat mit der «Blood-&-Honour»-Stellvertreterorganisation «Nationale Aktionsfront» (NAF) liiert. Die Blood-&-Honour-Mitglieder der Sektion Zürich (heute «B&H Zürichsee») Simon Inderbitzin, Timo Germann und Andy Schnellmann versuchten, maskiert mit Tyr-Rune-Sturmhauben, innerhalb der «Jungen Tat» einen dominierenden Einfluss auszuüben. Diese Liaison stand von Anfang an unter keinem guten Vorzeichen. Die Outlaw-Attitüde der «Blood-&-Honour»-Gruppierung stand nie im Einklang mit den Vorstellungen einer aktivistischen rechtsextremen Szene, wie sie Manuel Corchia mit der Jungen Tat verfolgte. Corchias ästhetisch geprägter „Bella-Figura“-Geschmack passte nicht zur Optik der militanten NS-Rechtsrock-Szene. Dies zeigte sich insbesondere bei der Schlachtfeier zu Sempach im Juli 2020, bei der Corchia die Teilnehmenden mit von ihm entworfenen T-Shirts ausstattete und in einer Brandrede der versammelten NAF Kampfesunlust, Feigheit und Passivität vorwarf.
Ende Januar 2022 setzten sich Mitglieder der Jungen Tat zusammen mit Aktivisten der «Blood-&-Honour»-Sektion Zürich, mit Schlauchschals maskiert, an die Spitze einer unbewilligten Corona-Demonstration in Bern. Mit einem Transparent „Jetzt ist Schluss“ führte die «Junge Tat» eigenmächtig den verschwörungsideologischen Demonstrationszug an. Drei Wochen später, am 12. Februar, versuchte die «Junge Tat» zusammen mit «Blood & Honour Zürich» erneut, eine unbewilligte Corona-Demonstration zu vereinnahmen. Dieser Versuch scheiterte und endete in einem Fiasko: Am Hauptbahnhof Zürich erwartete die Polizei die anreisenden Mitglieder und unterzog sie Personenkontrollen.
Auf dem anschließenden Weg zur unbewilligten Demonstration kam es zu tätlichen Auseinandersetzungen mit Antifaschist*innen. Es folgte eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei durch das Niederdorf, die mit der Festnahme fast aller Beteiligten an der Berner Spiegelgasse endete. Unter den Festgenommenen war auch Kevin Gutmann, der Sänger der neonazistischen Band «Amok». Lediglich Marc Seiler, Führungsmitglied von «Blood & Honour Zürich», konnte sich absetzen und entging so der Festnahme. Dieses Fiasko war der letzte öffentliche Auftritt der «Jungen Tat» gemeinsam mit «Blood & Honour». Mit dem gewachsenen Selbstbewusstsein der Führungspersonen und dem offiziellen Ende der Pandemie im April 2022 wandte sich die Führung der «Jungen Tat» endgültig dem „salonfähigen Rechtsextremismus“ der «Identitären Bewegung» zu.

Die inzwischen namentlich bekannten Köpfe der «Jungen Tat» legten ihre Tyr-Runen-Maskierung ab und vermarkteten die Gruppierung fortan mit ihrem eigenen Gesicht. Mit dieser strategischen Neuausrichtung proklamierte die Gruppe, „die rechte Jugend“ der Schweiz und deren Sprachrohr zu sein, und erklärte sich eigenmächtig zur politischen Vorfeldorganisation der «Schweizerischen Volkspartei» (SVP). Mittels Kampagnen wie „Vision Remigration“ versuchte sie nicht nur eine öffentliche Neupositionierung, sondern empfahl sich auch als Stimmenfänger*in für Jung- und Erstwähler*innen mit dem Ziel, Einfluss auf die SVP zu gewinnen. Einigen karriereorientierten SVP-Politiker*innen schien es moralisch kein Widerspruch zu sein, sich mit der Jungen Tat einzulassen, obwohl diese wegen ihrer rechtsextremistischen Agenda vom Nachrichtendienst des Bundes beobachtet wird.
Maria Wegelin von der «SVP Winterthur» überließ im Jahr 2023 Manuel Corchia und Tobias Lingg die Medienarbeit für ihren Nationalratswahlkampf. Im selben Jahr erschien die Strategiechefin der «Jungen SVP», Sarah Regez, zusammen mit der Jungen Tat an einem klandestin organisierten Vortrag von Martin Sellner im Kanton Zürich. Trotz Bekanntwerden ihrer Teilnahme ließ Regez eine klare Distanzierung von rechtsextremistischem Gedankengut, wie es Martin Sellner und die Junge Tat vertreten, vermissen. Bis heute bedient sich Regez auf ihrem Instagram-Account polemischer Narrative, die auf rassistischer und teils rechtsextremistischer Bildsprache und Ideologie fußen. Auch in der Schweiz lässt sich vor diesem Hintergrund eine sukzessive Annäherung zwischen parlamentarischen Akteur*innen und dem außerparlamentarischen Rechtsextremismus beobachten – eine Entwicklung, die in Deutschland und Österreich bereits deutlich weiter fortgeschritten ist. Auf diese Phase scheinbarer «Mäßigung», die den Führungspersonen der «Jungen Tat» offenbar nicht die erhofften Früchte in Form politischer Mandate, Aufträge un Spendengelder einbrachte, folgte jedoch bald eine Rückorientierung auf die Strategie rechtsextremistischer Provokation.
Schweizer Beteiligung am Vorabend und an der Sommerdemonstration
Zurück zur Sommerdemonstration 2025: Relativ früh trafen Tobias Lingg, Colin Schaffner aus Oltingen, Aleksej Cajic und Marc Schweizer bei der Polizeiabsperrung in der Wiener Ramperstorffergasse zum Vorabend-Treffen ein. Mit von der Partie war auch die Gruppe, die in einem Kleintransporter nach Wien anreiste, darunter Mathys Damian, der den Sportsack von Tobias Lingg trug und sichtlich bemüht war, nicht erkannt zu werden. Auch der Kopf der Jungen Tat Manuel Corchia konnte gemeinsam mit Florian Stimpfle aus Bonstetten gesehen werden: Sowohl Corchia als auch Stimpfle sind mittlerweile integrale Akteure des transnational aufgestellten Medienteams der europäischen IB und mutmaßlich Teil des «Filmkunstkollektivs». Stimpfle ist ferner akkreditierter Assistent der AfD-EU-Politikerin Irmhild Boßdorf wie auch der FP-EU-Abgeordneten Petra Steger.
Anwesend waren auch Marlon Buser mit seiner Freundin Lea Moll aus Basel, die beide von Nicolas Rimoldis «MASS-VOLL!» zur «Jungen Tat» übergelaufen sind. Sie nahmen neben einem weiteren Junge-Tat-Pärchen Platz: Selina Dinemann und Sebastian Laurentiu Stefan, die gemeinsam mit dem JT-Mitglied Dennis Roth in Kloten im völkischen Wohnprojekt «Jera» leben. Stefan dürfte ferner eng mit dem «Schild-en-Vrienden»-Aktivisten Stijn Lories bekannt sein, der als überaus militant gilt (zu Lories siehe weiter unten).
Die Junge-Tat-Neulinge Daryl Sallenbach aus Oberdorf, der auch bei der «Suff-Staffel» in Basel aktiv ist, Nils Jordan aus Kaiseraugst und Martin Weber waren ebenfalls anwesend. Julia Steinmann aus Hundwil, die ihre rechtsextremistische Laufbahn in Deutschland bei der identitären Gruppierung «Wackre Schwaben» begann, gesellte sich ebenfalls dazu. Colin Vopat aus Pfäffikon und Dennis Roth versuchten mit Regenschirmen den Eingang zum IB-Keller vor den anwesenden Pressefotograf*innen abzuschirmen. Ferner konnten Joanna Grochowski aus Zürich, Martin Guillermo Wild aus Embrach und der Schauspieler Marcel Schneider aus Oberägeri in der Ramperstorffergasse gesehen werden. Auch ein nicht namentlich bekannter Vertreter der «Helvetia Trychler» und des «Heimatbundes» kam den Gehweg an der Ramperstorffergasse entlang. Bei dem Kampfsport-Spektakel trat Tobias Lingg gegen Michael Seiboldan, bei dem Seibold zum Gewinner erklärt wurde.
Bei der Demonstration am nächsten Tag wurden zahlreiche Mitglieder der Jungen Tat zu Ordnerdiensten und für das Abschirmen eingeteilt: Aleksej Cajic, Colin Vopat, Daryl Sallenbach, Dennis Roth, Janik Hunziker, Martin Weber, Myrdin Balmer aus Rüschegg Heubach und Damien Rüegg aus Bäretswil wurden mit weißen Ordner-Armbinden und Regenschirmen ausgerüstet. Auch der rechtslibertäre Demagoge von Mass-Voll, Nicolas Rimoldi, erschien – wie schon im Jahr zuvor – mit Zigarre und Lars Ziegler, Oliver Höfler sowie dem Fotografen Nicolas Meyer im Schlepptau in Wien. Am Fronttransparent konnten Dennis Roth, Colin Schaffner, Marc Schweizer und Selina Dienemann gesehen werden, hinter ihnen folgten der AfD-Poltiker Lars Brändlin aus Lörrach, Julia Steinmann, Joanna Grochowski, Sascha Merdes aus Bubendorf und Branimir Petrovic aus Bern.
Bilanz nach fünf Jahren Junge Tat
Im Vergleich zur identitären Sommer-Demo des vergangenen Jahres vermochte die «Junge Tat» dieses Jahr mehr Schweizer Teilnehmer*innen nach Wien zu mobilisieren. Die Zahl dürfte bei etwa 30 Personen liegen und zeigt, dass die rechtsextreme Gruppierung ihren Einfluss auf die Organisation der Demonstration in Wien weiter ausbauen konnte. Die Führungspersönlichkeiten der Jungen Tat nahmen im letzten Jahr fast monatlich an neofaschistischen Vernetzungstreffen in Schnellroda, Mailand, Portugal und Paris teil. Mit Klicks, Likes und Credits versucht die Junge-Tat-Führung, sich in der identitären und neurechten Szene zu profilieren, und lässt keine Gelegenheit aus, mit pseudo-intellektuellen Avancen bei den neofaschistischen Ideologen Martin Sellner oder Götz Kubitschek zu liebedienern. In Schnellroda spielten sie sich als Fuß-Trupp für Götz Kubitschek auf, um anwesende Pressefotograf*innen zu bedrängen und zu schikanieren. Manuel Corchia scheint inzwischen eng mit Martin Sellner verbunden, produziert nunmehr dessen Videos und ist bei der Organisation des «Remigration Summit 2026» in Portugal eingebunden.
Innerhalb der Jungen Tat lassen sich jedoch mittlerweile auch deutliche personelle und inhaltliche Ermüdungserscheinungen beobachten. Viele der frühen Aktivisten – etwa Mario G., Moritz F., Ruben M., Philipp K., John S., Nathanael S., Joel K., Patrick V. und Benjamin K. – sind verschwunden, führen heute ein Leben abseits der extremen Rechten, haben feste Jobs, Familien gegründet oder widmen sich anderen Interessen. Dies ist mutmaßlich auch der elitären Führungsstruktur geschuldet, die von Lingg und Corchia dominiert wird und offenbar kein Interesse daran hat, das Nachrücken potenzieller Führungspersönlichkeiten zu fördern. Es besteht der Eindruck, dass die Neuzugänge zunehmend jünger werden, zwar die Grundhaltung teilen, jedoch nicht die nötige Selbstaufopferungsbereitschaft für medienwirksamen Aktivismus mitzubringen.
Anzunehmen ist auch, dass Manuel Corchia und Tobias Lingg wie viele andere durchaus danach streben, aus ihrer Tätigkeit bei der Jungen Tat einen nachhaltigen persönlichen Vorteil zu ziehen. Mit Junge‑Tat‑Merchandise‑Artikeln wie T‑Shirts, Kappen und Stickern versucht etwa Lingg, sich mit dem Online‑Shop «Solis‑Store» ein Einkommen zu generieren. Daneben wirbt er auf LinkedIn mit Social‑Media‑Marketing, politischer Kommunikation und E‑Commerce‑Fähigkeiten. Formalisiert werden diese Bemühungen in Form einer GmbH, an der Lingg beteiligt ist und von einem türkischen Geschäftsführer geleitet wird, der die gesamten Anteilscheine von 20.000 Franken für die Firmengründung gestellt hat.
Manuel Corchia hingegen hat es auf die dubiosen Spendentöpfe von rechten Funktionären abgesehen, welche die eifrigsten Aktivisten mit Kleingeld versehen. Nur so lässt sich erklären, wie der umtriebige Corchia seine wöchentlichen Reisekosten, eine Filmkamera-Ausrüstung für zehntausend Franken und ein Streaming-Studio im eigenen Junge‑Tat‑Büro finanzieren kann. Die dazu nötigen Spenden werden meist anonym über Bitcoin transferiert. Für die Partei Mass‑Voll, SVP‑Nachwuchspolitiker*innen und andere rechte bis rechtsextremistische Organisationen bietet Corchia seine Dienste als Grafiker und filmischer Propagandist an. Ganz wie Martin Sellner drückt Corchia nun seinen persönlichen Geltungsdrang als rechtsextremistischer YouTube‑Streamer im Auto, in seinem Studio im Junge‑Tat‑Büro oder als Gast anderer rechtsextremistischer YouTube‑Streamer aus.

Im Herbst 2026 müssen sich Manuel Corchia und fünf weitere Führungsmitglieder der Jungen Tat vor Gericht wegen Rassendiskriminierung, Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit, Landfriedensbruch, Vergehen gegen das Sprengstoffgesetz, Nötigung, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch sowie Abhören und Aufnehmen fremder Gespräche verantworten. Strafbefehle, Anwalts- und Verfahrenskosten haben sich bereits jetzt zu einer Belastung für die Führungsmitglieder summiert.
Europäische Beteiligung
Wie in den vergangenen Jahren waren neben identitären Aktivist*innen aus dem deutschsprachigem Raum auch zahlreiche Kader aus anderen europäischen Staaten angereist. Immer mehr setzt das extrem rechte Lager Europas auf Vernetzung und Zusammenschluss – gemeinsam vereinigt man Ressourcen und mobilisiert zu wenigen Anlässen jährlich zu von langer Hand geplanten Events. Zentral ist hierbei auch die Zusammenkunft von politischem Vorfeld, außerparlamentarischen Akteur*innen und rechtsextremen Parteien. Im folgenden wollen wir einen kurzen Überblick über die teilnehmenden Gruppierungen aus Europa gebentex, die in den letzten drei Jahren auf den Sommerdemonstrationen in Wien beobachtet werden konnten.
Slowenien: Generacija Identitete Slovenija
Mit Žan Žalec und Andrej Sekulović nahmen zwei führende Kader der rechtsextremen Szene Sloweniens bzw. Ljubljanas an der Sommerdemonstration 2025 teil, die seit vielen Jahren eng mit der «Identitären Bewegung Österreich» verbunden sind. Beide galten bereits als führende Personen in der 2015 etablierten IB-Sektion Sloweniens, der «Generacija Identitete Slovenija». Beide dürften der Neonazi-Szene Ljubljanas entstammen, zeigen dies auch verhohlen in den Sozialen Medien. So etwa trägt Sekulović zwei Schwarze Sonnen am Ellbogen und Unterschenkel tätowiert, zusätzlich eine Wolfsangel und posiert u.a. in «Blutzeugen»-Bandshirts.

Neben der Einbindung der beiden Neonazis in den außerparlamentarischen Rechtsextremismus pflegen sowohl Žalec wie auch Sekulović enge Kontakte in parteipolitische Milieus der «Slovenska Demokratska Stranka» (SDS) und zu parteinahen alternative Medien. So arbeitet Žalec als Assistent für den SDS-Europaageordneten Branko Grims und pflegt beste Kontakte zu SDS-Lokalpolitiker*innen wie zu Žan Mahnić, dem ehemaligen Leiter der Jugendorganisation der SDS, der ebenso als Teil des identitären Spektrums politisch doppelgleisig agiert.
Sekulović scheint sich primär im außerparlamentarischen Vorfeld der SDS zu bewegen und als Vernetzer zu agieren. So arbeitet bzw. arbeitete Sekulović für die SDS-Parteizeitung «Demokracija», die mittlerweile zu großen Teilen von der Victor Orbán nahestehenden Boulevardzeitung «Ripost» aufgekauft wurde. In dieser Funktion interviewte Sekulović unter anderem seinen identitären Mitstreiter Žalec sowie weitere rechtsextreme Exponent*innen wie Laura Towler, eine Aktivistin der «Patriotic Alternative», einer faschistisch bis neonazistischen Gruppe aus Großbritannien. Des Weiteren publiziert Sekulović im rechtsextremen und pro-russischen «Arktos-Journal», das vom schwedischen Neonazi Daniel Friberg geleitet wird und seinen Sitz in Budapest hat. Im Jahr 2024 schrieb Sekulović für das rechtsextreme aus Norwegen stammende Magazin «Rabulisten» einen Beitrag über die identitäre Sommerdemonstration in Wien. Das Magazin wird von dem norwegischen Neonazi Tore Rasmussen geleitet, der als Kopf der «Generation Identity» in Großbritannien galt, als Vertriebsleiter des identitären Merchandising-Labels «Phalanx Europa» agierte und Ende der 1990er-Jahre Aktivist der neopaganistischen norwegischen Neonazigruppe «Vigrid» war. Für weiterführende Informationen siehe dazu den Artikel von Hope not Hate aus dem Jahr 2018. Ferner dürfte Sekulović Kontakte ins Blood & Honour-Netzwerk pflegen: Fotos zeigen ihn u.a. mit dem polnischen Neonazi Robert „Kadi“ Orsolinsz, der Leadsänger der Rechtsrockband «Obled» ist und als Kernakteur der polnischen B&H/C18-Fraktion gilt.

Sowohl Žalec als auch Sekulović dürften enge Kontakte zur Wiener IB und insbesondere Martin Sellner pflegen: So trat Sekulović bei der Sommerdemonstration 2025 als Redner auf, zuvor trat Sellner als Gast bei der rechtsextremen Gruppe «Tradicija Proti Tiraniji» aus dem Raum Ljubljana auf, Sekulović moderierte das Gespräch. Ferner konnte Sekulović auch beim «Remigration Summit 2025» im Publikum gesehen werden. Ein brisanter Umstand, der an dieser Stelle zusätzlich erwähnt werden sollte: Noch 2024 posierten Sekulović und Žalec bei der Sommerdemonstration in Wien zusammen mit Wiener Neonazis der «Tanzbrigade Wien» für ein Foto. Beteiligt waren die Neonazis Jonas Gabriel Hopfer, Marco Singraber und Cedomir Aleksijevic. Inwiefern das auf eine Bekanntschaft zwischen den slowenischen Kadern und österreichischen Neonazis hinweist kann nicht abschließend geklärt werden, in jedem Fall handelt es sich bei den zwei slowenischen Kadern um Langzeit-Aktivisten der extremen Rechten, die enge Kontakte zu rechtsextremen Strukturen in ganz Europa pflegen und mit Wien besonders intensiv verbunden sind. Zugleich illustrieren die beiden Aktivisten auch für Slowenien die engen Verbindungen zwischen dem parlamentarischen und außerparlamentarischen Arm der extremen Rechten.

Italienische Beteiligung: Norditalien und Südtirol
Seit der Beteiligung von Andrea Ballarati an der Organisation des 2025 erstmalig stattgefundenen «Remigration Summit» in Gallarate scheinen die Kontakte zwischen norditalienischen Identitären mit den deutschsprachigen IB-Strukturen wieder intensiviert worden zu sein. Bei Ballarati handelt es sich um einen ehemaligen Jung-Politiker der «Gioventù Nazionale», der Jugendorganisation der von Georgia Meloni angeführten «Fratelli d’Italia». Aktuell ist der italienische Neofaschist Vorsitzender der außerparlamentarischen Gruppe «Azione, Culture, Traditione» (ACT) und eng in die Gruppe «Giovani Identitari» eingebunden. Die ACT scheint in jüngster Vergangenheit auch die Beziehungen in rechtsextreme Milieus der italienisch-sprachigen Schweiz und darüber hinaus intensiviert zu haben, so bestehen etwa Kontakte zwischen Ballarati und den Gruppierungen «Ticino Vivo» sowie auch zur «Jungen Tat». Während Giorgia Meloni innerhalb des identitären Spektrums weitgehend zur persona non grata geworden ist und regelmäßig als Negativbeispiel für rechtsextreme Parteien dient, die sich aus Sicht der Szene zu stark an den liberalen Mainstream anpassen (“Melonisierung”), bestehen zugleich Kooperationslinien zu ehemaligen Kadern der parteinahen Jugendstruktur.

Neben der «Azione, Cultura, Tradizione» rund um Andrea Ballarati nahmen auch rechtsextreme Kader der Südtiroler identitären Gruppierung «Junge Aktion» an der identitären Sommerdemonstration 2025 teil. Darüber, wer tatsächlich hinter der im Frühling 2025 gegründeten identitären Gruppierung die Fäden zieht, wurde bereits in der Südtiroler Öffentlichkeit spekuliert. So konstatierte die Südtiroler Tageszeitung, allerdings ohne Belege dafür vorzulegen, dass Jürgen Wirth Anderlan und Raphael Mayrhofer als organisatorische sowie ideologische Führungsfiguren der «Jungen Aktion» fungieren. Anderlan ist Leiter der rechtsextremen «Liste JWA», die auch im Südtiroler Landtag vertreten ist und nahm bereits 2024 an der Sommerdemonstration der IBÖ teil. Bei Mayrhofer handelt es sich um einen rechtsextremen Netzwerker und Publizisten, der unter anderem bei «Info-DIREKT», dem «Eckart» oder «AUF1» publiziert bzw. auftritt. Mayrhofer ist zudem in beratender Funktion und als Mitarbeiter für die «Liste JWA» tätig und nahm 2025 am bereits erwähnten «Remigration Summit» teil. Wie die Antifa Meran dokumentierte, belegen Postings, dass es sich bei Mayrhofer zudem um einen militanten völkischen Rassisten und Antisemiten handelt.

Für die These, dass Anderlan und Mayrhofer hinter der «Jungen Aktion» stehen, spricht etwa, dass mit dem Pustertaler Martin Scheiber ein Gründungsmitglied der «Jungen Aktion» nicht nur Teil des «Südtiroler Schützenbundes» ist, sondern auch Landtagskandidat der «Liste JWA». Scheiber nahm mit weiteren Gründungsmitgliedern auch an der Sommerdemonstration der IB in Wien 2025 teil: Alex Auer, Marius Pronga sowie Eva Hofer und Theresia Hofer. Auer ist wie Scheiber Mitglied des «Südtiroler Schützenbundes» (Schützenkompanie Oberwielenbach). So ist es wenig verwunderlich, dass die «Junge Aktion» der Ideologie des Schützenbundes nahesteht und an dessen Veranstaltungen teilnimmt – so etwa am 8. Dezember 2025 beim «Sepp Kerschbaumer-Gedenken», wo Auer und Scheiber in Schützentracht, gemeinsam mit Theresia und Eva Hofer in Erscheinung traten. Alex Auer nahm zudem auch am «Remigration Summit» 2025 gemeinsam mit Mayrhofer teil. Zur ideologischen Bewertung der «Jungen Aktion» sei zudem anzuführen, dass diese seit ihrer Gründung offen mit NS-Bezügen kokettierte. So blendeten diese in ihrem “Gründungsvideo” einen Aufkleber gegen das NS-Verbotsgesetz ein, der sich mit dem aus dem Lienz stammenden Neonazi Manuel Eder solidarisiert (wie wiederum die Antifa Meran dokumentierte).
Französische Beteiligung: Identitäre Gruppen aus dem ganzen Land
Seit Sommer 2024 beteiligen sich auch französische Rechtsextremist*innen rege an den Aufmärschen der «Identitären Bewegung Österreich» in Wien. Bei der Sommerdemonstration 2025 reisten großteils schon zum Vorabend-Treffen mehrere Gruppen aus dem französischen Staatsgebiet an, manche von ihnen nahmen auch an den Boxkämpfen teil. Auch bei der Demonstration selbst waren die französischen Kader sehr präsent und bewegen sich meist in großen Gruppen durch die Wiener Innenstadt. Unter den aus Frankreich angereisten befand sich etwa Paul Goudard, der als Kopf der in Toulon, Avignon und Aix-en-Provence ansäßigen identitären Gruppierung «Mouvement Le Maquis», gilt.
Die Gruppe besteht laut «Street Press» seit 2022 und setzt sich überwiegend aus ehemaligen Mitgliedern der aus der Provinz stammenden «Génération Identitaire» (GI) zusammen, die 2021 in Frankreich behördlich augelöst wurde. Wie auch andere Mitglieder ist Goudard ein amtsbekannter Rechtsextremist, der wegen diverser Gewaltdelikte vorbestraft ist. Im Jahr 2018 drang Goudard gemeinsam mit anderen GI-Aktivisten in die Räumlichkeiten von «SOS Méditeranée» ein, attackierte dort anwesende Personen und wurde deshalb zu einer fünfmonatigen bedingten Haftstrafe verurteilt. Auch weitere Mitglieder des «Mouvement Le Maquis» sind bereits wegen Gewaltdelikte verurteilt worden: So etwa zwei Mitglieder, die 2023 den Bürgermeister von Péage-de-Roussillon und seine Tochter tätlich attackierten. Die Aktivist*innen dürften ferner über die aus Vaucluse stammende Abgeordnete der Nationalversammelung Catherine Jaouen gute Verbindungen zum «Rassemblement National» pflegen.

Auch aus Lyon waren identitäre Vertreter*innen angereits: Mit Sinisha Milinov nahm mindetens ein führendes Mitglied von «Les Remparts» 2024 noch an der Sommerdemonstration in Wien teil. Die Gruppierung «Les Remparts» besteht seit 2021 und hat nach dessen behördlicher Auflösung sämtliche Lokalitäten der «Génération Identitaire» in Lyon übernommen – namentlich «La Traboule» und «L’Agogé». Milinov sebst dürfte zudem in der «Cocarde Étudiante Lyon» aktiv sein – 2025 wurde er zu sechs Monaten Haft verurteilt, da er eine Gruppe Jugendlicher aus rassistischen Motiven mit einem Messer angriff. Auch andere Kader aus dem Raum Lyon sind einschlägig wegen diverser Gewaltdelikte vorbestraft. Bei «Les Remparts» handelt es sich letztlich um eine Tarn- und Nachfolgeorganisation der GI aus dem Raum Lyon, die als besonders gewaltbereit galt bzw. gilt und enge Kontakte zum deutschsprachigen identitären Spektrum unterhält.

Aus Lille nahmen bereits in den Jahren zuvor rechtsextreme Kader aus Frankreich an der Sommerdemonstration in Wien teil. Zum einen handelt es sich um ehemalige Kader des identitären Projekts «La Citadelle», namentlich etwa Aurelien Verhassel, der auch für den «Rassemblement National» tätig ist. «La Citadelle» wurde seinerzeit 2013 gegründet, 2024 jedoch behördlich aufgelöst. Weitere Bekanntheit erlangte die identitäre Gruppierung durch eine Dokumentation von Al Jazeera, die im Rahmen einer verdeckten Recherche die massive Gewalt- und auch Terrorbereitschaft sowie die Verherrlichung des Nationalsozialismus durch die Gruppe nachweisen konnte – nach Veröffentlichung der Dokumentation wurden einzelne Mitglieder wegen Terrorverherrlichung, Verhetzung und anderen Delikten rechtskräftig verurteilt. Auch Kader der Gruppierung «Nouvelle Droite Lille» beteiligten sich an dem identitären Ereignis in Wien. Die Gruppe wurde 2023 gegründet, als «La Citadelle» bereits ins Visier der Behörden geraten war. Leiter von «Nouvelle Droite Lille» ist Alaric Py, der auch parteipolitisch an die Jugendorganisation von «Reconquête» angebunden zu sein scheint. Eine weitere Sprecherin der Gruppe mit dem Namen Camille nahm 2025 sowohl an der Vorabendveranstaltung als auch an der Demonstration teil.
Wie schon 2024 nahmen auch im Jahr 2025 Vertreter*innen der neofaschistischen Gruppe «An Tour Tan» aus der Bretagne an der identitären Sommerdemonstration teil. Dazu dürften unter anderem Matisse Royer sowie auch Paul Kentwell zählen. Bei Matisse Royer handelt es sich um einen der zentralen Knotenpunkte zwischen dem deutschsprachigen identitären Spektrum und deren französischen Kameraden. Er agiert als Frankreich-Korrespondent für das rechtsextreme «COMPACT Magazin», publizierte für das «Freilich Magazin», ist Gründer der gesamteuropäischen identitären Medienplattform «Vox Europa» und pflegt enge Kontakte zur rechtsextremen europäischen Parteienlandschaft, insbesondere zu AfD-Kreisen. Mittlerweile scheint Royer in Deutschland zu wohnen und enge Kontakte zu Kadern der «IB Chemnitz» bzw. «Sachsengarde» zu pflegen. «An Tour Tan» selbst besteht seit 2022 und ist rund um Vannes aktiv – in ihren Reihen befinden sich laut «Street Press» auch Neonazis der mittlerweile aufgelösten «Parti Breton National». Als Kopf scheint Enguerrand Pacotte zu fungieren, ein Gewalttäter, der enge Verbindungen nach Toulouse und Albi pflegen dürfte, wo er während der Gilets-Jaunes-Proteste an gewaltvollen Übergriffen auf Linke beteiligt war. Erwähnenswert ist ferner die Verbindung von «An Tour Tan» zum niederländischen Active Club «Geuzenbond», dem der Terrorverdächtige Thomas Deveson angehörte (dazu unten mehr).

Mit einer größeren Abordnung nahm 2025 auch die Gruppierung «Aurora Lorraine» teil, darunter der mutmaßliche Kopf von Aurora, Léo Kerkant, der ehemals den Regionalableger der «Génération Identitaire» in der Region Moselle leitete. Ferner kam mit Julien Venturini ein Aurora-Mitglied in Sportkleidung mit einem Hämatom am Auge zur Demonstration – die Vermutung liegt daher nahe, dass er als Kämpfer am Vorabend noch im “Ring” stand; dort tauchte er mit Sporttasche und Sportbekleidung vor dem IB-Keller auf. Die Aurora-Gruppe wurde etwa 2021 als Nachfolgeorganisation der GI gegründet, auch hier bestehen bis in die Führungsriege enge personelle Kontinuitäten. Wie sämtliche andere genannte französische Gruppierungen gilt auch Aurora als extrem gewalttätig.
Mediale Schlagzeilen machte die Gruppe als sie gegen ein Konzert von Bilal Hassani im April 2023 in Metz agitierte. Nachdem durch Aurora unter der Leitung von Kerkant in einem Kurzfilm dazu aufgerufen wurde, eine Kundgebung gegen das Konzert abzuhalten, riefen Aktivist*innen in einer rechtsextremen Telegram-Chatgruppe aus Moselle dazu auf, Anschläge gegen das Konzert zu verüben. In der Chatgruppe befand sich ein Führungsmitglied von Aurora namens Henri T., der in der Gruppe nicht nur für die Kundgebung von Aurora warb, sondern auch versuchte, neue Mitglieder zu rekrutieren. Dank der Arbeit von Metz Antifasciste und «Street Press» konnte ein Einblick in die Planung innerhalb der Telegram-Gruppe gewonnen werden. Dort führte ein rechtsextremer Aktivist in dem Zusammenhang an: “Ich habe von allem etwas, von Stichwaffen bis hin zu Schusswaffen. Ich kann auch Bomben, Rauchbomben, Molotowcocktails, Projektile und Granaten herstellen, die allerdings weniger stark sind als echte, sowie kleine Bomben.”
2024 war mit Antoine Gongora ein führender Aktivist der Pariser GI-Gruppierung «Les Natifs» bei der identitären Sommerdemonstration anwesend. Auch «Les Natifs» wurde unmittelbar nach der behördlichen Auflösung der GI gegründet und wird von dem Neonazi Edouard Michaud, der früher bei «Les Zouaves» aktiv war, geführt. Auch Michaud war 2024 in Wien anwesend. Bei «Les Zouaves» handelte es sich um eine 2021 aufgelöst Neonazi-Gruppierung, die sich aus der Hooligan-Szene von «Paris Saint-Germain» (PSG) rekrutierte und den international bekannten neonazistischen Online-Kanal «Ouest Casual» betrieb bzw. betreibt. Verboten wurde die Gruppe aufgrund ihrer extremen Gewaltbereitschaft und Angriffe auf politische Gegner*innen im Rahmen der «Gilet Jaune»-Proteste, sowie auf linke Szenetreffpunkte und rassistisch markierte Personen. Gongora war ferner an der rassistischen Aktion gegen die malinesische Sängerin Aya Nakamura März 2024 beteiligt, wegen der 13 französische Identitäre vor Gericht standen. Alljährlich richtet «Les Natifs» ferner die «St. Geneviève-Demonstration« im fünften Pariser Arrondissement aus, die wie auch die Sommerdemonstration in Wien, wenn auch im kleineren Maßstab, als zentrales Vernetzungsevent rechtsextremer Gruppen aus ganz Europa gilt. Aus dem DACH-Raum beteiligten sich in den letzten Jahren unter anderem Yannik Wagemann, Wieland Kubitschek, Laurenz Großmann, Matthias Ohm, Dominik Bursik, Michael Seibold, Marius Keipp, Jannis George, Annie Hunecke und Tobias Lingg.
Auch ein langjähriges Mitglieder der GI, das mittlerweile Teile der GI-Gruppierung «Argos» ist, nahm 2024 an der Sommerdemonstration teil. Argos gilt ebenso als Nachfolgeorganisation der GI und verfügt über mehrere Ortsgruppen im französischen Staatsgebiet, darunter Paris, Cherbourg, Metz, Toulouse und Montpellier. 2024 wurden 15 Mitglieder von Argos verhaftet, da man ihnen den Wiederaufbau der verbotenen GI vorwarf.

Schlussendlich nahm auch eine Person aus dem Umkreis des Ablegers des rechtsextremen «Radio Courtoisie» an der Wiener Sommerdemonstration teil. Dabei handelte es sich um die rechtsextreme Journalistin Maïlys Clauzel, die aus Frankreich nach Wien angereist war, um sich an den Protesten zu beteiligten. Innerhalb des «Radio Courtoise» ist Clauzel für die Morgensendung «Ligne Droite» verantwortlich, die sie gemeinsam mit Liselotte Dungelhoeff betreibt. «Radio Courtoise» wurde bereits 1987 von dem rechtsextremen Meinungsjournalisten Jean Ferré gegründet, der ebenso an der rechtsterroristischen «Organisation Armee Secrète» beteiligt war. Dabei handelte es sich um eine rechtsterroristische Gruppe der 1960er-Jahre, die in Algerien und dem französischen Staatsgebiet im engen Sinne Terroranschläge und gezielte Attentate als politisches Mittel nutzte, um den Kurs Charles des Gaulles hin zur algerischen Unabhängigkeit zu bekämpfen. Clauzel selbst scheint, wie auch viele andere identitäre Kader aus Frankreich, dem neofaschistischen «Comité du 9-Mai» nahezustehen, das 1994 ursprünglich von der «Groupe Union Défense» (GUD) ins Leben gerufen wurde, einer mittlerweile nicht mehr existierenden gewalttätigen rechtsextremen Studentengruppe in Frankreich. So berichtete Clauzel 2025 auch von der zu Ehren Sebastian Deyzious ausgerichteten C9M-Demonstration, ohne von deren Ordnern behindert zu werden und interviewte im Nachgang den ehemaligen Leiter der aufgelösten Neonazi-Gruppierung «Alvarium» Jean-Eudes Gannat.

Die Niederlande & Belgien: Geuzenbond, Schild en Vrienden und NSV
Aus den Niederlanden und Belgien – und insbesondere aus der Region Flandern – nahmen sowohl 2024 wie auch 2025 mehrere rechtsextreme Gruppierungen an der identitären Sommerdemonstration teil. Aus Flandern konnten Kader der Jugendorganisation von «Vlaams Belang» mit dem Namen «Schild en Vriend» sowie eine Abordnung der rechtsextremen Studierendenverbindungen «Nationale Studentenvereingung» (NSV!) bei der Teilnahme beobachtet werden. Aus den Niederlanden partizipierten vor allem Aktivist*innen des rechtsextremen Aktive Clubs «Geunzenbond» an der Wiener Demonstration. Im Jahr 2024 nahm so etwa der «Schild en Vriend»-Aktivist Jonathan Diels an den Protesten teil sowie der Kopf der Gruppe Dries van Langenhove, der 2025 als einer der Hauptorganisatoren des «Remigration Summit» in Italien auftrat und im selben Jahr wegen dem Aufruf zu Diskriminierung, Hass und Gewalt zu einem Jahr bedingter Haft verurteilt wurde. Verurteilt wurde er wegen Chatgruppen von «Schild en Vriend», in denen es zu wüstem Rassismus, Antisemitismus und Queerfeindlichkeit gekommen war. Van Langenhove selbst hatte sich in der Gruppe u.A. mit einer Waffe abbilden lassen und sich über die “Minderwertigkeit” anderer Kulturen ausgelassen sowie prophezeit, dass ein “Tag der Gewalt kommen wird”.

Zwischen «Schild en Vriend» und der NSV! dürfte eine enge Kooperation bestehen. Auch der NSV! agiert als metapolitische Vorfeldorganisation des «Vlaams Belang« und dient als Rekrutierungsbecken bzw. Karriereleiter für spätere hochrangige Funktionär*innen der Partei. Martin Sellner selbst spricht in einem Artikel der «Sezession» von einer “Kaderschmiede” für den «Vlaams Belang». Als Sellner 2023 über sein Buch “Regime Change von Rechts” in Gent sprach und der NSV! eine öffentliche Kundgebung aufgrund einer untersagten Nutzung von Universitätsräumen organisierte, rief nicht nur der VB-Leiter Tom van Grieken zu der Veranstaltung auf, sondern auch der SeV-Kopf Langenhove selbst, der auch bei der Veranstaltung präsent war. Die NSV! selbst wurde bereits 1976 gegründet und ist am Korporationswesen der «Deutschen Burschenschaft» orientiert. Gleichzeitig handelt es sich um eine nicht-schlagende Verbindung, die auch Frauen den Beitritt ermöglich. Ideologisch gilt der NSV! neben seinem rechtsextremen Profil als irredentistisch und fordert so etwa die Etablierung einer “Großniederlande”, die Flandern einschließt. Das erklärt auch die enge Zusammenarbeit der Gruppe mit niederländischen Nationalist*innen. Der NSV! scheint zudem mit der «Groot-Nederlandse Studentenvereniging» (GNSV) vernetzt zu sein, mehrfach sind Mitglider beider Organisationen bei gemeinsamen Veranstaltungen zu sehen.
Ein Mitglieder der GNSV ist dabei der «Geuzenbond»-Aktivist Thomas Deveson, der an der Sommerdemonstration 2025 teilnahm und wenige Wochen danach für internationales Aufsehen sorgen sollte. Wie Fotos belegen, verfügt Deveson über enge Kontakte sowohl in die rechtsextreme Szene der Niederlanden, als auch nach Flandern bzw. Belgien. Im August 2025 wurde der rechtsextreme Aktivist von den niederländischen Behörden wegen Terrorverdachts festgenommen. Wie unter Anderem Stoppt die Rechten berichteten, war Deveson eng in das gesamteuropäische identitäre Netzwerk eingebunden: Ein Bild des identitären Medienprojekts «Action Radar Europe» bildet ihn etwa bei einem internen Treffen mit Martin Sellner, Christoph Albert, Manuel Corchia, Tobias Lingg, Vinzenco Richter, Ratajczak, Marius Keipp und dem Kopf der dänischen IB-Sektion «Generation Identitær» mit dem Namen Sebastian Nielsen ab – der im übrigen auch am «Remigration Summit» 2025 teilgenommen hatte.

Deveson kann zugleich nicht als der einzige «Geuzenbond»-Aktivist angesehen werden, der mit Rechtsterrorismus kokettiert. Wie die Zeitung Het Observatorium berichtete, zeigte sich der flämische Neonazi und «Geuzenbond»-Kader Guillaume Priem nicht nur etliche Male bei Schießtrainings mit vollautomatischen Waffen, sondern posierte auch vor der Flagge der «Flämischen Legion», einer flämischen Waffen-SS-Abteilung, sowie vor einer Schwarzen Sonne. Am «Remigration Summit» im Jahr 2025 bekleidete Priem dann die Funktion eines Ordners und sorgte dafür, dass das identitäre Netzwerktreffen reibungslos von der Bühne gehen konnte. Nachdem es 2021 in einer Telegram-Chatgruppe von Dries van Langenhove zu Morddrohungen gegen einen belgischen Virologen gekommen war, kam es erneut zu Ermittlungen gegen van Langenhove. Dieser reagierte darauf lediglich, indem er Guillaume Priem zum Moderator der Gruppe ernannte.

Besondere Aufmerksamkeit wollen wir auf den belgischen Neonazi und Schild en Vrienden-Aktivist Stijn Lories alias “Victor Hugo” legen, der 2025 an der Demonstration teilnahm und sogar eine Rede hielt. Lories konnte schon am Vorabend beim Boxevent der IB gesehen werden – angereist war er mit dem «Aurora Lorraine»-Aktivist Julien Venturini. Bei Lories handelt es sich um einen flämischen Neonazi, der sowohl im Rahmen von Schild en Vrienden aktiv ist, aber auch für den Vlaams Belang auf Kommunalebene kandidierte. Lories dürfte über knapp fünf Jahre, mutmaßlich von 2015-2019 in der französischen Fremdenlegion gedient haben – Auslandseinsätze haben Lories u.a. nach Côte d’Ivoire geführt. Danach dürfte Lories 2020 bei der in Polen ansäßigen «Tactical Risk Group» (TRG) paramilitärische Trainings absolviert haben. Die TRG wird von Piotr Makała geleitet – Makała selbst dürfte längere Zeit im russischen “Spetsnaz”-Centre Vityaz trainiert haben. Danach dürfte Lories bei der privaten Paramiltärfirma «EBSSA» unter Vertrag genommen worden sein, nachdem er dort mindestens einen paramilitärischen Kurs 2021 besucht hat. EBSSA wird von Rustam Bogdanov geleitet, der als Soldat ehemals bei russischen Spezialeinheiten, aber auch bei geheimdienstlichen Antiterroreinheiten diente.

Weitere Links von Bogdanov führen ins Milieu der international organisierten Suchtmittelkriminalität. Nun bietet Bogdanov unterschiedlichste militärische Kurse auf speziell designten Übungsarealen in Jordanien und Serbien an: von russischen militärischen Nahkampfsystemen über maritimes Sicherheitstraining bis hin zu Training an diversen Waffengattungen. Neonazi Lories, der auf der Brust eine große schwarze Sonne tättoowiert hat und einen Thorhammer an der Wade, steht mittlerweile als anmietbare Sicherheitskraft für EBSSA zur Verfügung. Problematisch ist hierbei auch, dass EBSSA laut serbischen Newsplattformen indirekt für das russischen Militär arbeitet. Mögliche Verbindungen bestehen auch zur mittlerweile aufgelösten Gruppe Wagner. Lories, der 2021 auf dem serbischen Areal an EBSSA-Kursen unter Bogdanov teilgenommen hat, war dabei nicht allein: Laut Telefacts Nu scheinen dort mindestens rund 20 weitere belgische Rechtsextremisten Waffentrainings in Anspruch genommen zu haben.
Die Verbindungen von Rechtsextremisten und expliziten Neonazis in Militär-und Sicherheitskreise sind hochgefährlich, da davon auszugehen ist, dass das Wissen und Können an rechtsextreme Gruppierungen weitergegeben wird. Lories etwa scheint – laut Telefacts Nu – bei «Schild en Vrienden» auch als Boxtrainer zu agieren. Ebenso scheint Lories eng mit dem «Geuzenbond» zu kooperieren: Mehrere Bilder zeigen ihn mit dem rechtsterroraffinen Guillaume Priem in völkischer Kleidung. In Anbetracht der jüngsten Ereignisse rund um Thomas Deveson dürfte dieser Sachverhalt weiteren Anlass zur Sorge geben.
Großbritannien: Homeland Party
Am Remigration Summit in Gallarate 2025 tauchte erstmalig der britische Neonazi und Homeland-Party-Leiter Kenny Smith im transnationalen identitären Spektrum Kontinentaleuropas auf. Mit Smith gemeinsam war der aus dem Raum Birmingham stammende Martin Kuziel angereist, wie Smith Homeland-Party-Aktivist und Mitglied des neonazistischen Fitness-Clubs «White Stag Athletic Club» (WSAC, siehe weiter unten). Kenny Smith ist bereits seit 1991 in der Neonazi-Szene Großbritanniens aktiv: Zuerst als Mitglied der neofaschistischen «British National Party», danach bei der «Patriotic Alternative». Nach internen Querelen trat Smith aus der PA aus und gründete 2023 die «Homeland Party», die kaum inhaltliche Differenzen zur PA aufweist und von Hope not Hate als Splittergruppe der PA erfasst wird. Mittlerweile ist die Homeland Party in mehreren Gemeinden politisch vertreten – prekär, da zahlreiche Aktivisten der Partei über gefestigt neonazistische Weltbilder verfügen dürften (darunter Smith und Kuziel). Über das Homeland-Mitglied Liam Hart, Frontsänger der neonazistischen OI!-Punk Bandn «Ragged Glory», bestehen auch Verbindungen von Homeland ins britische «Blood&Honour»-Netzwerk.

Kurz sei nochmals auf die Mitgliedschaft Kuziels im WSAC eingegangen: Der Fitness Club zählt zum neonazistischen Active Club-Netzwerk, das 2021 von PA-Mitglied Ashley Podsiad-Sharp gegründet wurde. Der Club tritt offen neonazistisch auf, NS-Symbolik und Leugnung der NS-Verbrechen prägen das vermittelte Bild des Active Clubs. Auch rechtsterroristisches Gedankengut lässt sich innerhalb des WSAC feststellen: Gründer Podsiad-Sharp wurde 2022 wegen Vorbereitung von “acts of white supremacist terrorism” verhaftet und verurteilt – er habe ein Manual erstellt, wie die Hinrichtung politischer Gegner*innen beim Ausbruch eines Rassenkrieges ablaufen sollte (BBC berichtete). Mit dem ebenso aus dem Raum Birmingham stammenden Neonazi Tom Huburn-King ist ferner ein ehemaliger Kader der UK-Sektion der «Generation Identity» Teil des WSAC.

Dänemark: Generation Identitær
2023 nahm der umtriebige dänische Identitäre Sebastian Nielsen an der Sommerdemonstration in Wien gemeinsam mit einem weiteren GI-Dänemark-Mitglied Frederic Rye Skov teil. Die dänische IB-Gruppe wurde vergleichweise spät gegründet: Erst 2017 konstituierte sich die «Generation Identitær» in Kopenhagen aus dem studentischen Milieu der Universität Kopenhagen, etwas später wurde auch in Aarhus eine GI-Sektion etabliert. Nielsen dürfte dabei ein Mitglied der ersten Stunde sein: Bereits auf Fotos aus dem Jahr 2017 ist Nielsen zu sehen, wie der Watchblog Redox dokumentiert. Mittlerweile dürfte er integraler Teil des transnationalen IB-Netzwerks sein, was etwa seine Teilnahme an dem Führungskader-Treffen belegt, aber auch eine organisatorische Einbindung am Remigration Summit 2025.

Bei Rye Skov handelt es sich ebenso um ein zentrales Mitglied der Kopenhagener GI. Skov trainiert wie andere GI-Mitglieder MMA in einem rechtsoffenen Gym und zeigt Sympathien nicht nur für eindeutig neonazistisches Gedankengut und rechte Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele, sondern auch für die Neonazi-Hooligan-Gruppierung «White Pride Aarhus» oder den Neonazi-Kanal «Ultras not Reds». Enge Verbindungen pflegt die dänische GI zur rechtskonservativen Partei «Nye Borgerlige»: Wie auch in vielen anderen Ländern Europas drängten über die Jahre immer mehr GI-Mitglieder in die Partei und bekleiden nun wichtige Funktionärsposten. Neben Nye Borgerlige führen Verbindungen der GI auch zum neonazistischen Active Club Denmark: GI-Mitglied Sigfred Agerbo Jensen dürfte nicht nur GI-Aktivist sein, sondern auch Teil des Active Clubs, mit dem er u.a. 2024 am neonazistischen Acca Larenzia-Gedenken teilgenommen haben dürfte.
Portugal: Reconquista

Mit Afonso Gonçalves, dem Kopf der portugiesischen Gruppierung «Reconquista» nahm ein weiterer junger Rechtsextremist teil, der erst kürzlich weitere mediale Bekanntheit durch seine organisatorische Beteiligung am «Remigration Summit 2025» erlangte. Seitdem scheint Gonçalves eng in die transnationalen Bestrebungen der identitären Bewegung eingebunden, obgleich die Gruppierung um Gonçalves erst im Oktober 2023 gegründet worden ist. Reconquista gilt mittlerweile als Vorfeldorganisation der «Chega» – Verbindungen bestehen v. a. zur Jugendorganisation rund um João Antunes. Im Sommer 2024 nahm mit Francisco Araújo auch der Leiter der «Juventude Chega Porto» gemeinsam mit Gonçalves an der IB-Demonstration in Wien teil. Vernetzt ist Gonçalves und seine Gruppierung aber auch mit dem neonazistischen Zusammenschluss «1143» rund um den mehrfach strafrechtlich verurteilten Hammerskin und Gründer von «Nova Ordem Social» (NOS) Mário Machado, der mittlerweile auch die Chega unterstützt. Ehemalige Mitglieder der NOS scheinen auch für die Chega auf Regionalebene zu kandidieren. Mit Araújo und Gonçalves nahm Sommer 2024 ferner der «Escudo Identitário»-Aktivist Luís Graça an der IB-Demonstration in Wien teil – bei «Escudo Identitário» (EI) handelt es sich um die portugiesische Sektion der Identitären Bewegung, die als solche nicht mehr aktiv ist. Mehrere ehemalige EI-Mitglieder dürften sich in der «Juventude Chega» gesammelt haben (wie etwa der nunmehr für die Chega kandidierende Manuel Rezende) bzw. in Gonçalves Reconquista wie im Fall Graça.

Tschechien: Nacionalisté
Auch aus Tschechien dürften mindestens zwei Neonazis an den identitären Sommerdemonstrationen teilgenommen haben. Namentlich nicht bekannt, können jedoch der Neonazi-Organisation «Nacionalisté» zugeordnet werden. Die Gruppierung ist vor allem in Zentral- und Osteuropa gut in neonazistische Spektren vernetzt, pflegt enge Kontakte u. a. zur «Légió Hungária», zur «Bulgarischen Nationalen Union», zur rumänischen «Ogoranu Stiftung» aber auch zur französischen «Jeune Nation». Alljährlich veranstaltet «Nacionalisté» auch das Kampfsportevent “Virtus et Honor”, an dem Neonazis-Kampfsportler*innen aus ganz Europa teilnehmen.
Brisant ist auch, dass jener Neonazi aus den Reihen von Nacionalisté, der u. a. 2024 an der identitären Sommerdemonstration teilnahm, auch beim Begräbnis des SS-Offiziers Herbert Bellschan Mildenburg im November 2022, über das wir in einer Recherche ausführlich berichtet haben, gemeinsam mit österreichischen Neonazis rund um Gottfried Küssel gesehen werden konnte.

Rumänien: Radical Entourage
2024 nahm eine kleine Abordnung des in Bukarest registrierten Hooligan-Portals «Radical Entourage» an der IB-Demonstration teil. Die Teilnahme dürfte Teil eines Besuchs der «Tanzbrigade Wien» sein, worüber wir in unserer Recherche zur Tanzbrigade berichtet haben. Die rumänische Gruppierung tritt klerikalfaschistisch auf, verkauft dabei über ihren Online-Versand sowohl Casual Style-Bekleidungsartikel, aber auch einschlägig rechtsextrem gelabelte Ware. Dabei dürfte die Gruppe auch aktiv nach transnationaler Vernetzung suchen, und ist oft unterwegs, um assoziierte rechtsextreme Gruppierungen in ganz Europa zu treffen, darunter in Frankreich, Spanien, Serbien und Griechenland.

Nachbetrachtung
Die identitäre Sommerdemonstration lässt sich als Momentaufnahme einer Dynamik begreifen, die bislang nur begrenzte öffentliche Aufmerksamkeit erfährt, deren demokratiepolitische Relevanz jedoch erheblich ist. In ihr verdichten sich zentrale Entwicklungslinien der extremen Rechten, die sich auch im Lichte des Eskalationsmodells von Wilhelm Heitmeyer interpretieren lassen: Die fortschreitende Entgrenzung von Ideologie, Organisation und Praxis begünstigt eine Verschiebung von diskursiver Radikalisierung hin zu konkreten Gewaltformen. Den führenden Akteur*innen der IB gelingt es dabei zunehmend, unterschiedliche Spektren des außerparlamentarischen Rechtsextremismus zu bündeln und zugleich Brücken in den parteipolitischen Raum zu schlagen. Damit zeigt sich eine doppelte Annäherung – zwischen rechtsextremen Parteien und außerparlamentarischen Akteur*innen sowie zwischen klassischer Neonazi-Szene und der sogenannten „Neuen Rechten“. Auch wenn einzelne Gruppierungen für sich genommen oft klein und kurzlebig erscheinen, entsteht in der Summe ein arbeitsteiliges, zunehmend koordiniert agierendes Netzwerk.
Diese Entwicklung bleibt nicht auf der Ebene strategischer Kooperation stehen, sondern weist eine klare Eskalationsdimension auf: Die Normalisierung radikaler Deutungsmuster im öffentlichen und digitalen Raum geht mit einer erhöhten Gewaltakzeptanz einher. Zugleich geht von Teilen der beteiligten Akteur*innen ein erhebliches Gewaltpotenzial aus, das sich gegen all jene richtet, die nicht der identitären Vorstellung einer hierarchisch organisierten und ethnisch homogenen Gesellschaftsordnung entsprechen. Exemplarisch wurde dies im Anschluss an die Demonstration 2025 sichtbar, als Angehörige der «Division Wien» zwei rassifizierte Personen angriffen – eine Tat, die unmittelbar aus dem Demonstrationskontext heraus erfolgte und innerhalb der Szene weder nennenswerte Kritik noch Distanzierung hervorrief. Parteipolitische Arbeit, provokativer Vorfeldaktivismus und Straßenmilitanz greifen damit zunehmend ineinander und markieren unterschiedliche Stufen eines eskalativen Gesamtzusammenhangs.
Die in dieser Recherche vielfach dokumentierten Ermittlungen und Verurteilungen identitärer Kader aus ganz Europa – von Verhetzungsdelikten über Körperverletzungen bis hin zu Anschlagsplanungen und deren Durchführung – unterstreichen, dass die Inszenierung der Bewegung als gewaltfrei nicht haltbar ist. Vielmehr zeigen sich dort, wo identitäre Akteur*innen in Erscheinung treten, regelmäßig personelle und ideologische Überschneidungen sowie Kontakte in militante neonazistische und rechtsterroristische Milieus. Gleichzeitig ist festzuhalten, dass der steigende transnationale Vernetzungsgrad der identitären Rechten nicht automatisch mit einem quantitativen Wachstum ihrer lokalen Strukturen einhergeht: Viele Regionalgruppen bleiben klein, volatil und teils von erheblicher Kurzlebigkeit geprägt – ein Befund, der sich insbesondere am Beispiel der Entwicklungen in Deutschland und Österreich zeigt, zugleich aber die Anpassungsfähigkeit und Resilienz dieser netzwerkförmig organisierten Strukturen erhöht – insofern diese nicht erfolgreich bekämpft werden.
Hervorzuheben ist darüber hinaus die Anschlussfähigkeit identitärer Diskurse an rechtsterroristische Milieus und Akteur*innen. Die Verbreitung zentraler Narrative – insbesondere der verschwörungsideologischen Erzählung einer „Ersetzungsmigration“ sowie der „Remigrationsutopie“ – fungieren als ideologische Brücke zwischen unterschiedlichen Eskalationsstufen und haben, nicht zuletzt durch ihre Übernahme in parlamentarische Diskurse und ihre massenhafte Verbreitung über soziale Medien, erheblich an Reichweite gewonnen. Dies zeigt sich sowohl in realisierten Anschlägen wie dem Attentat von Christchurch oder der Ermordung von Walter Lübcke als auch in einer Vielzahl vereitelter rechtsterroristischer Vorhaben in Europa, bei denen wiederholt Bezüge zu identitären Netzwerken erkennbar wurden.
