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Ende Mai wurde aus Angehörigenkreisen des Neonazis und Gewalttäters Stefan Swoboda verlautbart, dass dieser nach langer Krankheit am 25. Mai 2026 verstorben ist. Der langjährige FAK-Neonazi-Hooligan, der unter anderem am Angriff auf das EKH 2013 beteiligt war, galt als Szenegröße der neonazistischen Hooligan-Vereinigung «Unsterblich Wien». Nun erschien rezent eine Fotostrecke auf Pixelarchiv, die das rechtsextreme Begräbnis-Zeremoniell dokumentiert. Auf Basis dieser und weiterer uns vorliegender Daten analysiert die folgende Kurzmeldung die an dem Begräbnis beteiligten Personengruppen und Einzelpersonen und rekonstruiert aus dieser Grundlage die Vernetzung neonazistischer Hooligangruppierungen mit Akteur*innen aus dem Bereich der organisierten Kriminalität und Teilen des österreichischen Kampfsport-Milieus.
Biografisches
Zu Swobodas Biografie ist relativ wenig bekannt. Belegt ist, dass er zumindest seit den frühen 2010er-Jahren bei Unsterblich aktiv war. Ferner dürfte der Neonazi seit vielen Jahren Kampfsport trainiert haben – zuletzt in der rechtsoffenen «MMA Academy», die von Christian Draxler geleitet wird. Zu Draxler dürfte Swoboda ein engeres Verhältnis gepflegt haben: Vielfach finden sich Hinweise auf gemeinsame Ausflüge, Unternehmungen und Trainings mit dem rechtsoffenen MMA-Kämpfer, der zeitweise nicht nur Teile der niederösterreichischen Polizei geschult hat, sondern auch Selbstverteidigungstrainings anbietet. 2020 hatte Draxler ferner einen Vertrag mit der «Absolute Championship Akhmat» (ACA) unterzeichnet – jene MMA-Liga, die direkt unter den Einfluss des tschetschenischen Diktators Ramzan Kadyrov steht. Mindestens einmal hat Swoboda auch gemeinsam mit Thomas Cibulka und Unsterblich-Mitglied Markus Wieneritsch Draxler in den Ring der AFN begleitet.
Seit 2022 war Swoboda mit Nicole Mutenthaler verheiratet: Mutenthaler dürfte sich über Jahre hinweg bis dato im engeren Umfeld von Unsterblich bewegen. Zuletzt war sie ohne Swoboda beim Begräbnis von Thomas Cibulka zu sehen gewesen (nachzulesen im Beitrag hier). Dass NS-Gedankengut eine größere und auch intergenerationale Rolle in der Familie spielt, lässt sich anhand von Jürgen Swoboda, einem der zwei Söhne von Mutenthaler und Swoboda, veranschaulichen: Jürgen war zuletzt im Umfeld der mittlerweile aufgelösten Neonazi-Jugendgruppierung «Division Wien» bei der Sommerdemonstration der «Identitären Bewegung Österreich» zu beobachten. Bildquellen zeigen auch, dass Swoboda die Söhne schon seit jungen Jahren in die «MMA Academy» zum Boxtraining, aber auch ins Stadion mitnahm, wo die Kinder in Kontakt mit dem rechtsextremen Teil des Hooligan- und Ultra-Milieus des FAK kamen.
Organisierte Kriminalität
In den 2020er Jahren schien sich Swoboda neben seiner Aktivität bei Unsterblich verstärkt auch dem OK-Milieu der Wiener 1%er-Szene zugewandt zu haben: Einer der Verbindungspunkte in die Szene scheint das nunmehrige «Gremium MC» Nomads-Member „Švabo Mario“ gewesen zu sein, der in Gremium-Kutte auch am Begräbnis teilnahm. Zuvor war “Švabo” Member des «Red Dogs MC»., trat seit 2024 dann aber mit dem Nomad-Patch von Gremium in der Öffentlichkeit in Erscheinung. Auf seinem Hinterkopf trägt „Švabo“ einen großen NS-Reichsadler tätowiert. Die Verbindung zwischen „Švabo“ und Swoboda schien dabei so eng gewesen zu sein, dass sie sich gegenseitige das Wort „Waffenbruder Swobsi/Mario“ auf den Oberkörper tätowieren ließen. Mehrfach begleitete Swoboda „Švabo“ auch zu offenen Treffen des Gremium MC, darunter 2024 nach Derventa in BiH.
Swoboda dürfte aber auch Kontakte zum «United Tribuns MC» gepflegt haben: Ein Bild zeigt den Neonazi mit dem Wiener UT-Member Selim Gemah nahe Wiener Neustadt bei einer Vendetta Fight Night. Über die Verstrickungen der Wiener Tribuns in die rechtsextreme Szene haben wir bereits berichtet (hier). Dazu passt, dass auch eine Person mit einer Bauchtasche des United Tribuns MC am Begräbnis teilnahm. Zwar trug die Person keine Kutte, doch auch die Bauchtasche mit Inschrift des Clubs deutet auf eine Mitgliedschaft hin (Bilder liegen uns vor). Offenbar wollte man seitens UT Swoboda eine letzte Geste des Respekts zollen.

Bemerkenswert ist vor dem Hintergrund, dass Gremium und UT allerdings nicht die einzigen Clubs waren, zu denen Swoboda und Unsterblich Kontakte pflegten: Was schon bei dem Begräbnis von Thomas Cibulka zu beobachten war, wiederholte sich bei Swobodas Beerdigung. Vor Ort sammelten sich auch Exponenten des Wiener «Hells Angels MC» sowie deren Trabanten, die Supporter-Clubs «Red Dogs MC», «Final Dawn MC» und der «Iron Bloods MC». Seitens der Hells Angels war mindestens ein Exponent des in Berlin-Biesendorf ansässigen «Hells Angels Nomads Charter» zugegen, nämlich der rechte BFC-Hooligan Marcus “Jansi” Janz. Janz ist nicht nur im Ordnerdienst für den BFC Dynamo aktiv, sonder pflegt auch enge Kontakte zum rechtsextremen «KDN Team Berlin» (mehr Informationen zu Janz hier). Im Falle des Red Dogs MC nahm u. a. der Präsident Jakob Berger teil, auch seitens der Iron Bloods war der Präsident des MC angereist. Bemerkenswert ist das, weil Tribuns und Angels als schwer verfeindete Gruppierungen gelten, die in Deutschland um Vorherrschaft im Milieu der organisierten Kriminalität kämpfen (Drogenhandel, Menschenhandel, Rotlicht-Kriminalität, Türsteherei). In Wien scheinen aber seit jeher besondere Ausnahmeregeln zu gelten, die es auch ermöglichen, dass Mitglieder der sich bekriegenden Clubs an ein und derselben Veranstaltung teilnehmen.
Neonazi-Hooligans
Seitens Unsterblich nahmen bekannte, langjährige Akteure der Neonazi-Gruppierung teil, darunter Herbert Stampal, Marcus Kreuzinger, Alexander Christian, Paul Blang und der Unsterblich-Capo Christian Wagner. Zahlreiche weitere Personen, die der organisierten Fanszene der Austria zuzurechnen sind, waren ebenso vor Ort, darunter Exponenten der Fanclubs «Atzgersdorf», «Schwechat», «Gladiators» und «Bastards». Ebenso zugegen war der ehemalige Viola Fanatics-Capo Mani Kriz, der gemeinsam mit Paul Blang am Friedhof ankam.
Wenig überraschend ist es auch, dass aus dem Ausland Personen der Neonazi-Hooligangruppierung «Ultras Slovan Pressburg» (USP) und mindestens ein Mitglied der organisierten Fanszene von «Zbrojovka Brno» angereist waren. Vor der Auflösung der Fanatics und der Entmachtung der Unsterblich-USP-Hooligans Brno-Connection durch «KAI 2000» waren USP- und Brno-Anhänger regelmäßig zu Gast in der Generali Arena – Fanatics und Unsterblich wiederum in Bratislava und Brno. Beide Fangruppierungen sind dem organisierten Neonazismus zuzuordnen und gelten als hochgradig gewaltbereit, was sich Fanatics und Unsterblich lange Zeit zunutze machten, um die Vorherrschaft in der Ostkurve der Generali Arena zu halten. Nach der Auflösung der VF und der Entmachtung von Unsterblich jedoch wurden beide Gruppierungen aus dem Stadion gedrängt. Mittlerweile dürfte es auch keine Fanfreundschaft mehr zwischen USP, Hooligans Brno und der FAK-Fanszene geben.
Neonazis: Tanzbrigade-Kopf Bernhard Burian

Mit Bernhard Burian nahm auch einer der führenden Kader der «Tanzbrigade Wien» bzw. auch «Division Wien» an dem Begräbnis teil. Burian partizipierte bereits am Begräbnis von Cibulka gemeinsam mit Gottfried Küssel und alpen-donau.info-Neonazis, die dem Begräbnis von Swoboda allerdings fernblieben, was mutmaßlich auf lang bestehende Querelen zwischen Küssel und dem Unsterblich-Milieu zurückzuführen ist. Zugleich verdeutlicht die Teilnahme von Burian die Gefahr, die von der Tanzbrigade ausgeht: Wenig ideologisch gerahmt bemüht man sich primär um Vernetzung, was (bis zum jetzigen Zeitpunkt) zu gelingen scheint. Erst kürzlich waren Burian, Tanzbrigade und Division Wien in die Schlagzeilen geraten, weil sie an den Angriffen tschechischer Neonazis am 1. Mai in Prag beteiligt waren und Kontakt zu zentralen Kadern der Prager Neonazi-Szene hatten, so etwa zum verurteilten Neonazi-Mörder, DSSS-Politiker und AC Sparta Praha-Fan Vlastimil Pechanec: Der hatte am Tag des Angriffs einen “Selfie” mit Burian und weiteren Wiener Neonazis auf Instagram gepostet.
Kampfsport
Mit Sascha Weinpolter nahm ein ehemals bei der CFS und den Ettl Bros. unter Vertrag stehender MMA-Kämpfer am Begräbnis von Swoboda teil. Weinpolter kämpft mittlerweile vorrangig in Bareknuckle-Fights bei der von den United Tribuns ausgerichteten Vendetta Fight Night. Auch Weinpolter dürfte Swoboda schon länger kennen: So konnten Draxler, Swoboda und Weinpolter 2023 gemeinsam beim Posieren bei einer VFN gesehen werden – Weinpolter scheint längere Zeit auch in Draxlers Gym trainiert zu haben. Dass Weinpolter getrost als rechtsoffen eingeordnet werden kann, zeigt nicht nur die Teilnahme am Begräbnis, sondern auch seine Fights gegen Alex Binder, der ein Keltenkreuz am Unterarm tätowiert trägt und dem Milieu um Gewalttäter Dorian Pridal entspringt (seines Zeichens in der organisierten Fanszene des SCR aktiv gewesen), sowie gegen den Ustascha-Faschisten Ivo Cuk, der zahlreich Ustascha-glorifizierende Tattoos am Körper trägt. Ebenso nahm Weinpolter am Podcast-Projekt des Gewalttäters, früheren Rechtsextremisten und Salafisten Willi Ott teil.
Unsterblich: Status Quo
Wie steht es aktuell also um Unsterblich? Aktuell ist davon auszugehen, dass Unsterblich Wien weiterhin als fester Zusammenhang bzw. Freundeskreis existiert und über eine konstante Anzahl von Mitgliedern verfügt. Obgleich Unsterblich noch immer eine neonazistische Haltung und Weltsicht vertritt, scheint tatsächliche politische Betätigung und Raumnahme allerdings kaum mehr stattzufinden. Zwar kam es vor der Absetzung der Fanatics immer wieder zu Eklats auf den Fantribünen, wenn Unsterblich-Mitglieder rechtsextreme Banner oder Transparente hissten – darüber hinaus jedoch entfaltet die Truppe kaum mehr eine politische Wirkmächtigkeit. Ferner stand Unsterblich die letzten Jahre im Fokus staatlicher Interventionen: Seit 2021 dürfte die DSN Unsterblich intensiver beobachtet haben, 2023 folgten 13 Hausdurchsuchungen wegen Verdachts auf Verstoß gegen das Verbotsgesetz, 2026 wurde Aklage durch die StA erhoben – Prozesse sind noch ausständig. Ferner wirken die meisten Akteure auch deutlich in die Jahre gekommen, Führungsköpfe wie Christian Wagner haben bereits Haftstrafen abgesessen. Einzelpersonen dürften sich in ihren Betätigungsfeldern umorientiert haben – so etwa Unsterblich-Mitglied Claudio Parisi-Wortmann, der mittlerweile unter dem Label “DJ Misanthrop” im Umfeld der «Tanzbrigade Wien» und Wiener Tekk-Szenegrößen wie Sickboy oder Naz-T auflegt (regelmäßig u. a. im niederösterreichischen Stockerau nahe Wien). Unter Berücksichtigung der Begräbnisse von Cibulka und Swoboda kann so festgestellt werden: Auch Unsterblich scheint sich – wie zuvor die Sportgemeinschaft Noricum – immer mehr dem straßenorientierten OK-Milieu der großen Rocker-Clubs anzunähern. Aktive Neonazi-Politik gerät dabei in aller Regel ins Hintertreffen, die Gruppierungen tauchen von der Öffentlichkeit in den Halbschatten der organisierten Kriminalität ab. Weniger gefährlich werden die Clubs dadurch allerdings nicht: Der NS-Fanatismus bleibt erhalten und der Zugang zu Waffen, nicht nachvollziehbaren Geldströmen und die weiterhin bestehende extremer Gewaltbereitschaft stellen ein Gefahrenpotenzial dar, dass ernstgenommen werden sollte.
