Identitärer Kampfsport im Garage Boxing in der Josefstadt

Wieland Kubitschek, der Kopf der Identitären Bewegung Österreich, trainiert im Garage Boxing Gym

Die Geschichte der Identitären Bewegung Österreich ist auch eine Geschichte der politischen Gewalt. Kampfsporttraining dient ihren Kadern seit jeher als Vorbereitung auf den Straßenkampf. Seit einigen Monaten trainieren zentrale Köpfe der rechtsextremen Gruppierung dafür auch in einem Kampfsport-Gym in der Pfeilgasse 29 mitten in Wien. Die Betreiber begegnen dem Umstand mit Gleichgültigkeit.


Die Wiener Josefstadt ist ein Bezirk im Wandel. Lange galt der achte Wiener Gemeindebezirk als Hochburg deutschnationaler Studentenverbindungen; bis heute findet sich hier eine ungewöhnlich hohe Dichte an Burschenschaften. Gleichzeitig hat sich das Viertel in den vergangenen Jahren sichtbar verändert. Seit der letzten Gemeinderatswahl stellen die Grünen die Bezirksvorstehung, politische Bekenntnisse zu Offenheit, Diversität und einem klaren Nein zu Intoleranz und Rechtsextremismus prägen zunehmend das öffentliche Selbstverständnis des Bezirks.

In der Pfeilgasse 29 befindet sich in einem Hinterhofstudio ein Kampfsport-Studio: das Garage Boxing Gym. Schon die Plakate im Straßenraum lassen erahnen, welche Ästhetik hier gepflegt wird. Angekündigt werden Kampfsportevents mit martialisch inszenierten, muskulösen Kämpfern – Bilder aggressiver Männlichkeit, wie man sie aus Teilen der Szene kennt. Manche der Gesichter kennt man aus vorhergegangenen Recherchen von Österreich Rechtsaußen. Das allein wäre aber noch kein ungewöhnlicher Anblick.

Hinweise, die an Österreich Rechtsaußen herangetragen wurden, zeichnen aber ein besorgniserregendes Bild. Wie zahlreiche Belege dokumentieren, gehen führende Köpfe der Identitären Bewegung in diesem Gym ein und aus, um sich dort auf den Kampf auf der Straße vorzubereiten – unter ihnen auch Personen, die im Zusammenhang mit politischem Aktivismus bereits rechtskräftig wegen Körperverletzungsdelikten verurteilt wurden. Konfrontiert mit diesen Hinweisen zeigten die Betreiber des Gyms wenig Interesse, sich mit den Vorwürfen näher auseinanderzusetzen. Ein Blick in die Geschichte des Kampfsport-Studios  wirft zusätzliche Fragen auf. 

Identitäre Kampfsport-Begeisterung

Dass Identitäre Kampfsport keineswegs ausschließlich aus sportlicher Motivation betreiben, ist seit Jahren dokumentiert und vielfach thematisiert worden. Innerhalb der rechtsextremen Szene gilt Kampfsport vielmehr als Mittel, sich gezielt auf körperliche Auseinandersetzungen im politischen Kontext vorzubereiten. Eine lange Chronologie identitärer Gewalttaten zeigt, dass es sich dabei keineswegs um ein abstraktes Szenario handelt. Unter ehemaligen wie aktuellen Identitären finden sich zahlreiche Personen, die wegen Körperverletzungsdelikten rechtskräftig verurteilt wurden.

Identitäre trainieren regelmäßig Kampfsport in ihrem Keller in der Ramperstorffergasse 31

Wieland Kubitschek, aktueller Leiter der Identitären Bewegung Wien, der regelmäßig im besagten Garage Boxing Gym trainiert, macht aus diesem Umstand auch kein Geheimnis. In einem kürzlich veröffentlichten Stream mit dem rechtsextremen Influencer Cornell Beschke spricht Kubitschek offen über diese Motivation. Er und seine Kameraden würden Kampfsport betreiben, um sich auf Auseinandersetzungen auf der Straße vorzubereiten. Von Mitgliedern werde erwartet, sich an den derzeit sonntags abgehaltenen Trainings im Wiener IB-Zentrum in der Ramperstorffergasse 31 zu beteiligen, um im Ernstfall auf der Straße gemeinsam militant agieren zu können, führt er weiter aus.

Ein Vorfall im November 2023 zeigt, dass es sich dabei nicht bloß um militante Selbstinszenierung handelt. Bei einer Kundgebung der identitären Suborganisation „Aktion 451“ vor der Universität Wien schlug Wieland Kubitschek einem anderen Identitären mit einer Glasflasche auf den Kopf und verursachte eine blutende Platzwunde – offenbar, weil er ihn für einen linken Aktivisten hielt. In der Folge wurde Kubitschek wegen schwerer Körperverletzung zu acht Monaten Haft, bedingt auf zwei Jahre, verurteilt. 

Dabei handelt es sich keineswegs um einen Einzelfall. Im Rahmen der alljährlichen Sommerdemonstration der Identitären in Wien organisiert die Szene regelmäßig ein Boxturnier, bei dem Identitäre auf Betonboden in einem improvisierten Ring aus Absperrgittern gegeneinander antreten. An diesen Veranstaltungen nehmen regelmäßig rechtsextreme Aktivist*innen aus verschiedenen europäischen Ländern teil, die in ihren jeweiligen Staaten von Sicherheitsbehörden beobachtet werden.

Neben Wieland Kubitschek nahm 2025 auch der Identitäre Christoph Albert an einem der Kämpfe teil, während Matthias Ohm für die mediale Inszenierung verantwortlich war – alle drei trainieren im Garage Boxing Gym. Dass die militante Szeneinszenierung nicht ohne Folgen bleibt, zeigte sich ebenfalls 2025: Am Tag der Demonstration kam es zu einem rassistisch motivierten Angriff durch Teilnehmer der Veranstaltung. In einer Wiener U-Bahn wurden unbeteiligte Fahrgäste mit Schlägen und Fußtritten attackiert und in der U-Bahn-Station von einem Mob verfolgt, bevor sie in einem nahegelegenen Lokal Zuflucht fanden.

Auch bei den klandestin abgehaltenen, transnational mobilisierten Sommercamps der Identitären Bewegung spielt Kampfsport eine zentrale Rolle. Zuletzt 2025 am Laudachsee im Salzkammergut abgehalten, zeigte sich die Szene dort beim Boxtraining sowie bei Simulationen von Massenauseinandersetzungen in Straßenkampfsituationen – Übungen, die stark an Trainings hooliganistischer Ackergruppen erinnern.

Bei dem Sommercamp konnte Wieland Kubitschek erneut beobachtet werden, wie er gemeinsam mit dem deutschen Identitären Tim Oliver Franz einen anderen Identitären am Boden fixiert und mutmaßlich „übt“, wie man einer bereits am Boden liegenden Person weiter Gewalt zufügt. Unter den Teilnehmern befanden sich auch die anderen bereits erwähnten identitären Kader, die im Garage Boxing Gym trainieren. Vor diesem Hintergrund lässt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Kampfsporttraining im Gym und der Vorbereitung auf gewaltsame Auseinandersetzungen im politischen Kontext erkennen.

Das Garage Boxing Gym

Seit spätestens Ende 2025 trainieren also mehrere Führungskader der Identitären Bewegung Wien regelmäßig im Garage Boxing Gym in der Wiener Josefstadt. Unter ihnen befindet sich der wegen Körperverletzung verurteilte Gewalttäter Wieland Kubitschek, Vize-Leiter der Identitären Bewegung Wien und Kopf des IB-Ablegers „Aktion 451“. Ebenfalls dort trainieren der Identitäre und FPÖ-Mitarbeiter Matthias Ohm sowie der aB! Tauriska Baden-Bursche, führende Identitäre und „Aktion 451“-Aktivist Christoph Albert. Darüber hinaus trainieren zwei weitere Mitglieder der Identitären Bewegung im Garage Boxing Gym, die bereits mehrfach bei öffentlichen Auftritten der IB in Wien beobachtet werden konnten.

Die Betreiber des Garage Boxing Gym wurden auf diese Informationen aufmerksam gemacht. Dabei wurde gefragt, ob die Präsenz identitärer Aktivisten mit den Leitlinien des Gyms vereinbar sei, ob dadurch insbesondere migrantisch gelesene Personen im Trainingsumfeld gefährdet werden könnten und ob man keinen Reputationsschaden befürchte. Nach längerer Wartezeit folgte eine knappe Antwort: Man gebe dazu keine Auskunft; zudem seien die genannten Personen im Gym bislang nicht negativ aufgefallen. Weitere Nachfragen blieben unbeantwortet.

Ein Blick in die Geschäftsstrukturen des Gyms wirft weitere Fragen auf. Das Garage Boxing Gym gehört zur Garage Combat KG, die von Harald Pfingstl geführt wird. Die KG betreibt in Wien-Landstraße zudem ein weiteres Kampfsportstudio, den „Garage Combat Club“. Dort trainierte über viele Jahre – mutmaßlich bis heute – der ehemalige Militärakademie-Schüler, heutige FPÖ-Security und langjährige Identitäre Laurenz Grossmann. Grossmann wurde vor mehreren Jahren aus der Militärakademie exmatrikuliert und vom Bundesheer entlassen, nachdem er sich an rassistischen Aktionen der Identitären Bewegung beteiligt hatte. In diesem Zusammenhang wurde er auch zu mehreren Tausend Euro Schadenersatz verurteilt.

Die Präsenz führender identitärer Kader in einem Kampfsport-Gym bleibt dabei keine bloße Randnotiz. Wo Akteur*innen einer rechtsextremen Bewegung, die Gewalt als politisches Mittel zumindest einkalkuliert, regelmäßig Kampfsport trainieren und Netzwerke pflegen, entsteht ein Umfeld, in dem körperliche Auseinandersetzungen nicht nur vorbereitet, sondern auch normalisiert werden. Für politische Gegner*innen, aber ebenso für migrantisch gelesene Personen oder andere potenzielle Feindbilder der Szene kann daraus – wie zahlreiche Übergriffe in den vergangenen Jahren zeigen – eine reale Gefährdung entstehen.

Vor diesem Hintergrund wirkt die Gleichgültigkeit der Betreiber bemerkenswert. Während im Garage Boxing Gym über Jahre hinweg identitäre Kader ein und aus gehen und trainieren, sieht man dort offenbar keinen Anlass, sich mit den politischen Hintergründen dieser Klientel auseinanderzusetzen. Schwer vorstellbar ist jedoch, dass diese Haltung auch von den Hauseigentümern, der Bezirksvertretung oder der Stadt Wien geteilt wird – in einem Bezirk, der sich selbst zunehmend als weltoffen, international und klar gegen Rechtsextremismus positioniert.

Gerade weil Kampfsport immer wieder von extrem rechten Szenen als Trainingsfeld für Gewalt instrumentalisiert wird, wächst in Politik, Zivilgesellschaft und auch innerhalb der Kampfsportszene selbst das Bewusstsein für diese Problematik. Dieser Artikel versteht sich daher als Beitrag zur Sensibilisierung. Er soll dazu beitragen, dass Verantwortungsträger*innen in Bezirk und Stadt ebenso wie die Zivilgesellschaft nicht nur genauer hinsehen, sondern sich auch dafür einsetzen, dass rechtsextreme Netzwerke keine Räume, Strukturen und Trainingsmöglichkeiten finden – weder in der Josefstadt noch anderswo in der Stadt Wien.